Jüdische Rundschau
- Journal
- Jüdische Rundschau
- Volume
- I (1905)
- Issue
- 11 (1.9.1905)
- Date
- 1905-09-01
- Page
- Seite 82 (sequence 2)
- Language
- German
- Belongs to
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82 LITERATURBLATT No. 11 stören wir die jüdische Gemeinschaft, oder w'r halten die Satzungen fest — dann ist eine Mission unmöglich. Der Fehler liegt darin, dass man der jüdischen Gemeinschaft kn Exil eine Zerstreuungsnvssion zuschreibt, an die unsere „Weisen“ nicht dachten. Das Streben nach Selbsterhaltung war vielmehr das einzige und treibende Motiv beim Ausbau des Zeremonialgesetzes. Und weiter muss gesagt werden: Nicht diie Erhaltung der Juden als Glaubensgemeinde ist die Konsequenz dieser Gesetze, sondern die Erhaltung der Juden als Voilk, als Nation. Um sich als Religion zu erhalten, dafür gibt es andere Mittel, die von allen anderen aufstrebenden Religionen benutzt worden sind. Dass vielmehr die Reinerhaltung der S t a m m e s gemeinschaft geplant war, geht aufs klarste hervor aus den geradezu missionsfeindlichen Schwierigkeiten, die dem Eintritt ins Judentum entgegengestellt wurden. Und warum diese Erhaltung? Weil es ein altjüdischer Gedanke ist, dass eine gesunde Mission erst wieder nach der Sicherung des Vollkes im eienen Lande beginnen kann. Bäck muss auf ein Zukunftsprogramm für das Judentum verzichten, darüber helfen die schönsten Redewendungen nicht hinweg. Er steht an der Markscheide des nationalen Gedankens •— der einzigen Zukunftsmögkchkeit des Judentums — aber er wagt sich nicht auf das verbotene Gebiet und kehrt um. Mehrfach kehrt in B ä c k’s Werk diese Erscheinung wieder, dass er unbewusst in die Gedankengänge des Nationaljudentums hineingezwungen wird, dass aber das liberale Dogma ihn hindert, emen Gedanken bis zu seiner letzten Konsequenz durchzudenken. Nur einige Beispiele wollen wir herausgreifen. Bäck erkennt an, dass in der nationalen Anschliessung des klassischen Judentums die Kraft seiner spezifisch-jüdischen Gedanken begründet ist. Aber er zieht nicht etwa für die Gegenwart den Schluss, dass wir zu wirklicher Produktivität der nationalen Fundamentierung bedürfen. Und wenn wir den sehr wichtigen Satz finden: „Die Propheten sprachen von der Welt und ihrem Heile, aber sie sprachen zu Israel; nur die farblosen Epigonen fordern immer die ganze Menschheit zum Hören und Bewundern auf,,“ so müssen wir an die Bestimmung des Bäckschen Buches denken: „Die Arbeit soll .... für gebildete Laien, nicht nur Juden, sondern namentlich auch Christen best.;mmt sein“. Bäck selbst versteht es wohl, dass jede kulturelle Leistung national beschränkt seih muss, aber seine Auftraggeber wollen es anders. Schade, schade! Wenn wir uns nun zu dem eigentlichen Inhalt des Bucncs wenden, zu den Auseinandersetzungen über das Wesen des Judentums, so kann es naturgemäss nicht unsere Aufgabe sein, allen Teilen des vo'gestaltigen Stoffes die gleiche Aufmerksamkeit zuzuwenden. Nur einige Hauptmomente gilt es hervorzuheben, zumal da, wo wir abweichende Ansichten kundgeben müssen. (Fortsetzung folgt.)