Jüdische Rundschau
- Journal
- Jüdische Rundschau
- Volume
- I (1905)
- Issue
- 9 (21.7.1905)
- Date
- 1905-07-21
- Page
- Seite 72 (sequence 8)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
- OCR quality
- 87% known words query
- IRI
…/8295971-9045908-8207030--088-8189741- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
OCR text
No. 9 72 LITERATURBLATT von Jerusalem vor und fand diort Chelleenbeile etc. Mancher der da gefundenen Typen kann nicht als Leitform einer Periode gelten, sondern ist ein Dauertypus von der eolithischen bis zur neolithischen Zeit. Der Vortragende ist der Ansicht, dass das Hochplateau bei Jerusalem wenigstens vom Chelleen-Mousterien besiedelt war. Auch westlich von Mschatta sina Funde dieser Art gemacht worden. An der Meeresküste von Jaffa nordwärts bis Beirut finden sich neolithische Dinge. Aus dem Jordantal ist bisher wenig bekannt, nur aus der Gegend südlich von Jericho und der Umgebung des Sees Tiberias weiss man von neolithischen Funden. Im Ostjordanland kennt der Redner eine Ansiedlungsflächej. wo in der Nähe eines umgestürzten Menhirs eine vermutlich neolithische Werkstätte nadhgewiesen ist. An Höhlenfunden ist namentlich die Gegend ge^en Beirut reichhaltig; man findet da auch viele Knochenreste einer grossen Waldfauna, sowie Menschenknochen (leider keine Schädel), die ersichtlich mit Feuersteinen bearbeitet sind und auf Kannibalismus hinweisen. In den ältesten Kulturschichten der Teils hat Flinders-Petnie eine amoritische Zeit von 1600 bis 1000 v. Chr. angenommen, der sich die jüdische anschliesst. In sämtlichen finden sich Feuersteinwerkzeuge, die den ägyptischen vor der 18. Dynastie gleichen. Besonders häufig sind da Sichelsteine verschiedener Sorten, die sich an die ägyptischen Steinsicheln von Kahun (17. Dynastie) anreihen. Wichtig sind derartige Feuersteinartefakte des Teils von Gezer wegen ihres Lackglanzes, der sich vielleicht aus ihrer Benutzung zum Schneiden des Getreides (Kieselsäure) erklären lässt. Prächtige Stücke hat der Teil Ta’annek ergeben, den Prof. Sellin erforscht hat, darunter ein Messer Ron 21 Zentimeter Länge in grossartiger Technik. — Nach der Art der Funde kann man in Palästina bis zur Zeit Christi 10 verschiedene Kulturphasen unterscheiden, von denen 6 der Stein-, 4 der Metallzeit angehören: 1. die eolithische Periode während der geologisch sehr unruhigen Zeit des Pliocäns oder Diluviums, als der Einsturz des syrischen Grabens sich vollzog; es dürfte da nur das Ostjordanland besiedelt gewesen sein (Chelleen). 2. In der altpaläolithischen Zeit rückte der Mensch nach Westen auf das Plateau vor, um 3. in der mittelpaläolithischen Zeit (Mousterien und unterer Solutreen), in der sich bei uns die ersten Spuren des Menschen finden, in die Täler einzudringen und sich an der Meeresküste auszubreiten. Daran scihliesst sich 4. die Solutreen-Magdalenien-Periode, welche die Herstellung von Knochengeräten schon kannte. 5. Die frühneolithische Zeit (10 000 bis 5000 v. Chr.) entspricht der langen Uebergangszeit von der paläozur neolithiischen Zeit; da entstanden die ersten geschliffenen Steinwerkzeuge, die ersten Töpfereien ohne Drehscheibe. 6. Die spätneolithische Periode (bis 2000 v. Chr.) §ah die ersten Ackerbauer und Viehzüchter, die ersten Ansiedlungen an festen Plätzen in der Ebene. Die Geräte bestehen aus Stein und Knochen. Schaf, Ku'h, Ziege, Schwein und vielleicht der Esel sind Haustiere. Das Schwein wird zu Opfern gezüchtet. Die Leichen werden verbrannt. Dieser Periode gehören die megalithischen Denkmäler, Menhirs, Dolmen, Cromlechs, Steinhaufen, an. Die Rasse war vorkanaanäisch, vielleicht hamitisch; es war die Zeit der Riesengeschlechter. In diese Zeit fallen die ersten Städtegründungen (Gezer, Gaza, Tripoli, Sidon, Tyrus etc.) und die ersten Einwanderungen babylonischer Semiten. 7. Es folgt die Bronzezeit (2000 bis 1250 v. Chr.), die Zeit der Kanaanäer (Amoriter, Hethiter, Phönizier) mit ägyptischen, babylonischen und ägäischen Einflüssen; noch gab es Riesengeschlechter. In diese Zeit fallen die Säulen aus behauenem Stein, die, angeordnet, die ersten Tempelanlagen bilden; der Kult kennt Menschenopfer. 8. Mit der Einwanderung der Philister und Israeliten hält das Eisen seinen Einzug; aber noch gab es Bronze- und Steingeräte genug. 9. Die historische israelitische Königszeit, in der schon das Eisen über Bronze und Stein überwiegt, und 10. die Zeit der Fremdherrschaft, in der Eisen unbedingt herrscht.