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Jüdische Rundschau · 1905-07-21 · 9 (21.7.1905) · p. [Seite]

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Journal
Jüdische Rundschau
Volume
I (1905)
Issue
9 (21.7.1905)
Date
1905-07-21
Page
[Seite] (sequence 1)
Language
German
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Literaturblatt der Jüdischen Rundschau Beilage zu C Redaktion: BERLIN N. W. 52, Melanchthonstrasse 4. Herausgegeben „Jüdische Rundschau“ Jahrg. X. No. 29 von Dr. ijrinrieh £ocwc. No. 9. Berlin, den 18. Tammüz 5665 — 21. Juli 1905 Jahrg. 1. Jankel (Nachdruck verboten.) Aus dem Zyklus „Sbncium“ (Qualen) von Horia Carp. (Aus dlem Rumänischen übersetzt von Jancu Grünberg). Nun, Jankel? Nichts! Wie, nichts,, Jankel? Nichts! Wie, du hast nicht einmal ein Brot gebracht? ‘ Nichts. Jankeil, hast du wenigstens, zehn Bani, damit ich Mehl kaufe, um eine Mama Liga*) zu machen? Die Kinder haben den ganzen Tag nichts gegessen, ich kann ihre Qual nicht mehr ertragen. Nichts, nichts', nichts! Und Jankel begann wie ein Geistesabwesender im Zimmer auf und ab zu gehen. Sarah duckte sich neben dem kalten Herde nieder und wagte nicht mehr ein Wort hervorzubringen, — so sehr war sie erschrocken vor dem Blick ihres Mannes und vor seinem Gesicht, das vom anstrengenden Kampf, der in seinem Herzen tobte, ganz entsteint war. In der feuchten und furchtbar kalten Hütte, die von einem elenden mit dem Tode kämpfenden Lämpchen kaum beleuchtet war, ging Jankel schnell auf und ab, indem er sich fortwährend die Stirne rieb und die Hände rang'. Vor seinem Geiste, der sich immer mehr und mehr verdunkelte, defilierten herrliche Bilder eines frohen Lebens, aber nur vergangene ^Bilder, deren er sich noch kaum erinnerte. So weit war es also mit ihm gekommen, und er lebte noch. Er, Jankel Berkowitsch, den alle Kaufleute ehrerbietig grössten, so oft er die Strasse passierte, er, der reiche Eigentümer und Kaufmann war dahin gekommen, seine Frau und Kinder erfroren und verhungert zu sehen, ohne ihnen wenigstens kalte Mamaliga anbieten zu können! Es zuckten ihm die Schläfen, und er fühlte fast, dass in seinem Gehirn etwas platzte. Immer schwärzere und verirrtere Gedanken drückten sein Wesen nieder, und in *) Polenta, Maisbrei, ih Rumänien, Ersatz des Brotes.

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