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Jüdische Rundschau · 1905-06-14 · 8 (14.6.1905) · p. Seite 64

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Journal
Jüdische Rundschau
Volume
I (1905)
Issue
8 (14.6.1905)
Date
1905-06-14
Page
Seite 64 (sequence 8)
Language
German
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64 LITERATURBLATT No. 8 Notizen Ein Grabfund in Palästina Ein Qrab mit Handschriften iist nach dem BOTEN AUS ZION in der Umgebung von Jerusalem auf dem Oute des Syrischen Waisenhauses jungst blossgelegt worden. Die interessante Grabhöhle, die in dem weichen, leicht zu bearbeitenden Fells angelegt ist, war mit einem grossen Stein von 63 Zentimeter Höhe, 63 Zentimeter Breite und 42 Zentimeter Dicke fest verschlossen. Die Fugen zwischen dem Verschfussstein und dem Grabtsein waren mit Steinscherben und Erdimörtel sorgfältig ausgefüllt. Die Graböffnung von 58 Zentimeter Höhe und 62 Zentimeter Breite gestatte den Zugang durch Kriechen ohne Schwierigkeiten. Man gelangte zunächst in eine etwa 1 Meter tiefer gelegene Kammer, die nach der Tiefe zu sich verjüngte. Die Kammer war leer; nur fingerdicke Baumwurzeln hatten von eben herab ihren Weg hierher gefunden und lagen wie lange Schlangen umher. Eine zweite 2 25 Meter lange, 2 Meter breite und in der Mitte 1,65 Meter hohe Kammer, in die man von hier aus gellangte, barg zwei sorgfältig mit S/tleindeckeln verschlossene 60—70 Zentimeter lange, 25—30 Zentimeter breite und 35—45 Zentimeter hohe Särge aus Kalkstein. Ferner gingen fünf Schiebegräber von hier aus in den Fels hinein. In zwei von ihnen wurden je drei Steinsärge vorgefunden, gefüllt mit vermoderten menschlichen Gebeinen und geschmückt auf der Breitseite mit hübschen Verzierungen und Rosetten. Auf dreien dieser Särge befanden sich hebräische und griechische Schriftzeichene, die mit Hilfe eines scharfen Instruments handschriftlich eingezeichnet und noch ganz deutlich erhalten waren. Die .griechischen Schriften sind in Unzialschrft niedergesehrieben. Sie zeigen uns die Namen Papias,, Salome, Ammia und Anin mit der Bezeichnung der Herkunft: die Skythopoliten. Grösseren Schwierigkeiten begegnete die Entzifferung der hebräischen Schriftzüge da sie von den heute gebräuchlichen hebräischen Schri-ftformen bedeutend abweichen und diese Zufallsforscher nicht gerade Heiklen des Hebraismus sind. Da die grossen, schön erhaltenen Zeichen in der Hauptsache dieselben Namen wie die griechischen Inschriften, jedoch in hebräischer Sprache wiedergeben, so gelang sie endlich doch. Der Name Skythopolis ist selbstverständlich ersetzt durch .jBesan“, wie das alte nördlich am Fusse des Gebirges Gilboa gelegene Bethsean später hiess. Der Sarg des Anin enthält noch weitere kleine, undeutliche, flüchtig hingeworfene hebräische Schriftzüge, die zum Teil! noch nicht sicher gelesen werden konnten. Ihr Anfang lautet Jehoseph bar Anin, d. h. Joseph der Sohn des Anin. Die übrigen vier Worte konnten bisher noch nicht enträtselt werden. Auch scheinen sie aus späterer Zeit zu stammen, da die Buchstabenformen in ihrer Gestalt von den anderen abweichen. Kennern des Hebräischen werden sie wohl kaum irgendwie Schwierigkeiten bereiten. Das Grab stammt aus einer Zeit, in der in Palästina aramäisch und griechisch gesprochen wurde, also aus der Zeit zwischen 300 vor b’S. 600 nach Christo. Das einzige Tonlämpchen, das sich in diesem Grabe vorfand, ist glatt und. zeigt keinerlei Merkmale. Jedenfalls stammen die Inschriften aus einer Zeit, in der das Griechische in Palästina heimisch war. Das Grab gehörte einer Familie aus Besan an. Es war ein Familiengrab, das jedenfalls lange Zeit der Beisetzung der Familienglieder diente. Die Steinsärge nahmen die Ueberreste nicht nur einer, sondern mehrerer Leichen auf, wie aus den Inschriften hervorgeht. Das Syrische Waisenhaus hat von diesem Grabe und den Särgen mit Inschriften Photographien herstellen lassen, die das Aeussere und Innere des Grabes und die Inschriften der Särge veranschaulichen.

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