Jüdische Rundschau
- Journal
- Jüdische Rundschau
- Volume
- I (1905)
- Issue
- 5 (9.6.1905)
- Date
- 1905-06-09
- Page
- [Seite] (sequence 1)
- Language
- German
- Belongs to
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Literaturblatt der Jüdischen Rundschau 7) Redaktion: BERLIN N.W. 52, Melanchthonstrasse 4. zu 9 Herausgegeben p Beilage zu CT von „Jüdische Rundschau“ Jahrg. X. No. 23 Dr. Heinrich £oewe. No. 5. Berlin, den 6. Siwan 5665 (9. Juni 1905) Jahrg. 1. Ueber Judentum und Christentum Bücherbesprechungen. Von Elias Auerbach. (Fortsetzung.) Der Messias, den das Volk erwartete, war durchaus ein Mensch aus dieser Welt, ein Befreier und Retter. Darum haben Bar Kochba und Sabbathai Zwi die Stimme des Volkes für sich gehabt. Die Idee des allgemeinen Weltfriedens und des „Geschichtssabbaths“, die seit Jesaias mit der Idee des Messias verknüpft war, erschien dem gesunden Egoismus des Volkes, den wir Nationalismus nennen, stets als das zweite Glied in der Kette der Geschehnisse, denn das Volk ersehnte den Messias für sic h. Die eleganteste Geschichtskonstruktion liberaler Rabbiner, die in der Zerstreuung Israels ein Mittel zur Herbeiführung der Messiaszeit, eine Mission, erblicken will, vermag nichts gegen diese schlichte historische Tatsache. Eine dritte Stufe in der Entwickelung der Messiasidee, diie noch weiter von der realen, nationalen ursprünglichen Gestaltung sich entfernte, ist die Form, in der sie uns bei Jesus oder vielmehr bei dem Messias der Evangelien entgegentritt: Ihre Verbindung mit der Idee der „Erlösung“, mit den Vorstellungen vom Jenseits und von einem Leben nach dem Tode. Grade hier aber zeigt sich eine fundamentale Parallel - entwickelung jüdischer und „christlicher“ Ideen, die eben dartut, dass diese christlichen Ideen jüdische Ideen sind. Da Eschelbaeher diesen Punkt nicht näher behandelt, mag hier kurz darauf eingegangen werden. Es muss mit aller Entschiedenheit betont werden, dass erst in der Zeit Jesu — oder kurz vorher — im jüdischen Volke die Gestaltung dler heute dem Judentum scheinbar so geläufigen transzendentalen Ideen sich vollzogen hat. Das lässt sieh Schritt für Schritt verfolgen. Dem alten Testament — dieser Begriff reicht für den strenggläubigen Juden bis hinter Nehemia, für den historisch-kritischen noch 300 Jahre weiter herunter •— ist der Gedanke der persönlichen Unsterblichkeit mit all seinen Folgerungen unbekannt. Darüber hilft kein Deuten diunkler Bibelstellen hin-