Jüdische Rundschau
- Journal
- Jüdische Rundschau
- Volume
- I (1905)
- Issue
- 4 (26.5.1905)
- Date
- 1905-05-26
- Page
- Seite 32 (sequence 8)
- Language
- German
- Belongs to
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32 No. 4 LITERATURBLATT Morgenländische Bücherei. Band III. Talmud-Katechismus. Vor Dr. Erich Bischofi. Mit Abbildungen von seltenen Originalen. Leipzig: Th. Gridbens Verlag (L. Fernau). 1904. XII, 112 S. 12. Preis broschiert 1,60 Mark. In Originalband 2,20 Mark. Mit ausserordentlichem Fleisse produziert Bischoff eine Schritt nacn der andern. Erst kürzlich konnten wir seine kleine Bearbeitung des Koran besprechen. Sein Thalmud-Katechismus ist freilich um ein Bedeutendes fchwächer als seine Arbeit über das Grundbuch des Isläm. Das liegt in der Sache selbst. Während der Korän nur einen geringen Umfang hat und ausserdem in guten Übersetzungen vorliegt, ist das keinesfalls so beim Talmud. Und doch ist ja auch Bischoff mehr auf Übersetzungen und Unterstützung durch talmudkundige Juden angewiesen, als das einer Erschliessung des Talmuds iur Nichtkundige vorteilhaft sein kann. Die wissenschaftliche Literatur über den Talmud ist zudem sehr reich und wenig zugänglich. Für die ''„objektive“ jBehandlungsweise des Stoffes möge sein „Bedauern“ darüber konsatiert werden, dass durch die christliche Zensur aus jedem Goj (Nichtjuden) und Nochni (FrFemden) ein Ruthäer und Sternanbeter gemacht wurde. Bekanntlich hat die christliche Zensur, die durch alle Jahrhunderte hindurch sich durch eine Rücksichtslosigkeit auszeichnete, die in hebraicis nur noch durch ihre Unwissenheit iibertroffeu wurde, im Talmud wahre Orgien gefeiert. Hierfür hat B. also ein „Bedauern“. Dagegen findet er „es noch verwert icher, wenn jüdische Talmudherausgeber angegriffene Talmudstellen, die an sich bei richtiger Auffassung gar nichts Schlimmes enthalten, durch willkürliche Änderungen fälschen, wie dies z. B. die Talmudausgabe Berditschew (1893) an der Stelle Kethuboth 102 getan hat, wo statt ‘Ereb hap-Pessach‘ (Vorabend des Passahfestes) ‘Ereb hä-rischön‘ (der erste Abend) gesetzt ist, lediglich weil Rohling und andere aus der dort berichteten Tatsache, dass einmal jüdische Erben ihren minderjährigen Bruder sogar am Vorabend des Passah getötet hätten, einen Beweis für den sogenannten ‘Ritualmord1 sinnlos genug herleiten wollten“ (Seite 38). Wir finden, dass die christliche Zensur aus weniger guten Motiven und nicht unter dem Zwang „g e - fälsch t“ hat. Der jüdische Drucker in Berditschew hat mit gutem Grunde so abgeändert, im Hinblick auf die Art, wie praktisches Christentum in Kischinew, Hornel und Shitomir geübt wird. Nicht anders ist Bischoffs Benennung [des jüdischen Nationalhelden Bar-Kochba als des „Pseudomessias“ anzusehen. (Seite 74.) Er steht da unter jener Auffassung, wie sie christlicherseits am deutlichsten ihren Ausdruck in dem „Kosmoplanetes“ der Didache gefunden hat. In der jüdischen Geschichte, bezw. Rechtsgeschiichte ist er etwas schwach, sonst , hätte er nicht (S. 54) den Bann des R. Gerschom für das „gesamte Judentum“ verbindlich erklärt. Die Abkürzung '’lpVI bedeutet natürlich nicht, bis Elias kommt, um es zu entscheiden (S. 35), sondern es ist einfach ein D zu ergänzen und heisst „es bleibt in der Schwebe“, „es ist unentschieden“. Die Nennung Jonathans Iben Usiel als Verf. des Targums Jonathan ist eine irrtümliche (S. 65), da das Targum Jeruschalmi ( VD ) nur durch eine missverständliche Auflösung der dafür gebräuchlichen Abbreviatur zu diesem Namen kam, der ihr nicht gebührt. Zur Stellung Jochanan ben Zakkais im Talmud wäre es besser gewesen, wenn nicht nur seine für Römer ausreichende Prophetengabe, sondern von allem das absprechende Urteil vom nationalen Standpunkte aus (Gittin 56b) zum Ausdruck gekommen wäre. Aber wir wollen hier keineswegs uns in die Einzelheiten verlieren oder viele der kleinen Ungenauigkeiten (so S. 42 E,. Friedmann statt Friedemann) registrieren. Dagegen können wir nicht umhin, der Koränschrift Bischoffs gegenüber die vorliegende für arm zu erkennen. Nach wie vor bleibt Deutschs kleine Schrift das Beste, was auf dem Gebiete der Popularisierung des Talmuds geleistet ist. Ein Neudruck dieser Schrift würe gerechtfertigt sein. Wenn dagegen der gute Wille genug ist, oder wie es in unserer Nationalsprache heisst, „Hak-kadösch b. h. mezarbf machschabhäh tobhäh le-ma‘aseh“, so wollen wir das redliche Streben Bischoffis gern anerkennen. H. L.?