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Jüdische Rundschau · 1905-05-26 · 4 (26.5.1905) · p. [Seite]

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Journal
Jüdische Rundschau
Volume
I (1905)
Issue
4 (26.5.1905)
Date
1905-05-26
Page
[Seite] (sequence 1)
Language
German
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Literaturblatt der Jüdischen Rundschau Beilage zu „Jüdische Rundschau“ Jahrg. X. No. 21 Q Herausgegeben von Dr. Heinrich £oewe. O Redaktion: BERLIN N. W. 52, Melanchthonstrasse 4. No. 4. Berlin, den 21. Ijjär 5665 (26. Mai 1905) Jahrg. 1. Ueber Judentum und Christentum .Bücherbesprechungen Von Elias Auerbach Bibel und Judentum sind in der zweiten Hälfte des vergangenen Jahrhunderts Gegenstand zahlreicher grundlegender, oder besser gesagt grundstürzender Untersuchungen gewesen. Wir Juden haben keinen Grund, uns der Ergebnisse dieser Arbeit zu freuen. Denn, um es gleich vorwegzunehmen, fast alle diese Untersuchungen, von Graaf und Wellhausen bis zu Delitzsch und seiner Schule, waren von wenig freundlichem Geiste gegen das Judentum getragen. Bei aller Anerkennung der Wahrheitsliebe und Forschungsfreudigkeit dieser Gelehrten ist doch nicht zu verkennen, dass sie im wesentlichen vom Standpunkte christlicher Theologie und Apologetik ausgingen, und dass diese Voreingenommenheit ihnen den Blick getrübt und ein gerechtes Verteilen von Licht und Schatten unmöglich gemacht hat. Alles Jüdische erscheint ihnen nur wertvoll, soweit es die Morgenröte ist für die Sonne, die ihr Auge blendet und alles überstrahlt, die Gestalt des Jesus Christus. Den Leser von Wellhausens Geschichtsdarstellungen muss es geradezu überraschen, wie sich Sprache, Betrachtungsweise, Kritik ändern, sobald er in die Nähe ider Evangelien kommt. Der rücksichtslose Zertrümmerer und Zerstückler des Alten Testaments ist schonend, gläubig und vertrauensvoll, wenn er vom Neuen Testament spricht. Andere aber haben ebenso skeptisch die Bücher des Neuen Testaments durchforscht und zu scheiden gesucht, was Geschichte und was Mythus, was Quelle und was Tendenzdichtung ist. Seit den Arbeiten von Bauer, Renan, Hausrat^ Harnack und vieler anderen steht auch hier nicht mehr ein Stein auf dem anderen in der Reihenfolge, wie ihn die Verfasser der Bücher des Neuen Testaments hingestellt haben. Und man konnte wohl meinen, dass diese Entwickelung wieder zu einer gerechteren Beurteilung des Alten Testaments und damit der jüdischen Geschichte im Altertum führen würde. Harnack, als Historiker unbestreitbar einer der fruchtbarsten und Tiefgründigsten Forscher, hat nun in einer Reihe von Vorlesungen „Das

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