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Jüdische Rundschau · 1905-05-12 · 3 (12.5.1905) · p. [Seite]

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Journal
Jüdische Rundschau
Volume
I (1905)
Issue
3 (12.5.1905)
Date
1905-05-12
Page
[Seite] (sequence 1)
Language
German
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Literaturblatt der Jüdischen Rundschau Beilage zu ״Jüdische Rundschau“ Jahrg.X. No. 19 Q Herausgegeben von Dr. Heinrich £oeve. Q Redaktion: BERLIN N. W. 52, Melanchthonstrasse 4. No. 3. Berlin, den 6. Ijjär 5665 (12. Mai 1905) Jahrg. 1. Jüdisch - Deutsch und Hebräisch Ein Erfordernis nationaler Kultur oder vielmehr deren hauptsächlichste Voraussetzung ist die nationale Sprache, so wenig die Sprache an sich zur Begriffsbestimmung der Nation unbedingt erforderlich ist. Von diesem Gesichtspunkte aus ist die Pflege einer Nationalsprache für die Schaffung einer jüdischen Kultur eine unumgängliche Notwendigkeit. Ob es möglich oder notwendig ist, künstlich eine Nationalsprache zu schaffen, braucht deshalb nicht erörtert zu werden, weil die Jüdische Nation weniger an einem Mangel als an einem Zuviel in dieser Richtung leidet. Denn wenn auch erhebliche Teile der Gesamtnation die Sprachen anderer Volksstämme sich angeeignet und sich damit sprachlich von ihren Stammesgenossen ein wenig entfernt haben, so gibt es doch eine Reihe von Volksdialekten, die als besondere jüdische Mundarten anzusprechen sind, ganz zu schweigen von der alten Nationalsprache unserer überlieferten Literatur, die auch als Volksidiom keineswegs zu den toten Sprachen gehört. Von den jüdischen Volksdialekten kommen hauptsächlich zwei neben dem H&'bräischen als nationale Kulturdialekte in Betracht und zwar die spanische Mundart der orientalischen und nordafrikanischen und die deutsche der osteuropäischen Juden und ihrer überseeischen Kolonieen. Das Spagnolische, das eine reiche Literatur und besonders eine nicht unerhebliche Journalistik geschaffen hat, erhebt bislang keinen Anspruch, neben oder an Stelle des Hebräischen als Nationalsprache einzutreten; vielmehr sind diese Juden aus dem Galüth Sefarad die eifrigsten Verfechter und Neubildner der hebräischen Umgangssprache. Ganz anders steht es mit dem Jüdischdeutschen, das die aus den deutschen Gauen im Mittelalter herausgedrängten Juden nach dem Osten mitnahmen und das sie auch den früher slavisch und tatarisch sprechenden, in Sarmatien heimischen Juden vermittelten. Das ist die Sprache einer kompakten Masse von rund fünf Millionen Menschen und mehr und kann keineswegs auf künstliche’Weise durch das Hebräische verdrängt werden. Dies ist dagegen die natürliche Sprache für die neue Heimat in Palästina,

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