Jüdische Rundschau
- Journal
- Jüdische Rundschau
- Volume
- X (1905)
- Issue
- 2 (19.4.1905)
- Date
- 1905-04-19
- Page
- [Seite 24] (sequence 3)
- Language
- German
- Belongs to
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11 No. 2 LITERATURBLATT den׳ ist. eine sehr wertvolle Bereicherung erfahren. Wie tief Rege ne r in die Eigenart jüdischen Wesens eingedrungen ist, trotz mancher kleiner Irrtümer!im Einzelnen, das zeigt der Abschnitt Zionistenstalz und Sehnsucht, das zeigt auch die feinbeobachtende Art, wie das Verhältnis jüdi-1 ,sehen Mäeenatentums zum jüdischen Künstlertum zum Ausdruck kommt. Regener' weiss Lilien zu werten. Er schätzt!ihn ,so hoch, dass er ihn als die schöpferischste Gestalt im ganzen Zionismus neben die Person Herzls stellt. Ueberhaupt weist er gern auf das Verhältnis zwischen diesen beiden Mn. Es ist dabei nur angenehm, dass er nicht durch die Dar- Stellung des Zerwürfnisses zwischen beiden das Bild getrübt hat. Und die Wertung Herzls hat Lilien trotz allem mehr verstanden als viele andere, die in Ehrfurcht äusserlich erstarken. Man braucht sich nur der Herzlfigur in der ,,Erschaffung des Dichters”, in dem Bilde ,״Väter und Söhne“ und gar seines ״,Mascheh“ zu erinnern, m'it der Umschrift: אעלה אתבם מעני מצלים “. Herzls Gestallt ist bezeichnend für Liliens Schaffen. Daneben kennzeichnen ihn auch rein äusserlich die segnenden Priesterhände, die Dawidsschilder, Chanukahleuchter, ausgestreute Lilien und nicht zum mindesten die schönen ׳stilisierten Quadratbuchstaben. Regener feiert und würdigt Lilien besonders, in seiner Eigenart als den genialen Schöpfer modernen Buchschmucks. Und hier liegt ganz besonders seine Bedeutung. Man hat das jüdische Volk nach einem missverstandenen koranischen Wort, das die Juden im Besitze einer schritt- 'liehen Offenbarung kennt,, ״das Volk des Buches“ genannt. Siie sind! es in einem anderen Sinne. Aber wenn das jüdische Volk heute seine'TTeimat uur erst in den schriftlichen Ueberlieferungen der Altvordereu, ' seine Rechte nur auf dem Papier, seine Kulturgemeinschaft nur in dem gemeinsamen Schrifttum hat, so muss sich ja die neue jüdische Kunst als eine Buchkunst entwickeln. Darum ist die Bedeutung des Mannes so gross, der eine echte jüdische Kunst geschaffen hat und schafft, die zum Judentum, hinstrebt, die aus dem verlorenen Ziion die Schönheit des dereinstigen Zion vorausahnt und uns, vorher mitgeniessen lässt. Heinrich Loe w e. R. Benjamin von Tudela und R. Petachjah aus Regensbur: Ihre Zeit und ihr Verhältnis zueinander Den Zionismus datiert man gewöhnlich vom Jahre 1897, indem man den ersten Kongress, welcher in jenem Jahre stattfand, als seine Geburtsstunde ansieht. Der politische Zionismus, die Bewegung innerhalb unseres Volkes, die dem Zionismus zu danken ist, hat allerdings kein höheres Alter, als das soeben angegebene. Dagegen wird man ohne Rückhalt zugefben, dass die zionistische Idee um viele Jahrhunderte zurückreicht. ״Rabbi Benjamin von Tudela,” sagt Friede man in der WELT 1903 Nr. 42״ ״ein Jude aus Navarra (im 12. Jahrhundert blühead), war einer der ersten Zioni-