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Jüdische Rundschau · 1905-04-14 · 1 (14.4.1905) · p. [Seite 19]

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Journal
Jüdische Rundschau
Volume
X (1905)
Issue
1 (14.4.1905)
Date
1905-04-14
Page
[Seite 19] (sequence 6)
Language
German
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6 No. 1 LITERATURBLATT Literaturbericht Der Koran. Von Dr. Erich Bischoff. Mit 10 Abb. Leipzig: Th. Griebe 11s Verlag (L. Fern au.);1904. VII, 125 S. 8°. Morgenländische Bücherei. Band IV. Brosch. 2 Mark, in Originalband 2,60 Mark. Der grossen wissenschaftlichen Sammlung der Engländer, den Sacred Books of the East, haben die Deutschen nichts Gleichwertiges entgegenzustellen. Aber auch in der populären Literatur gibt es wenig Dar- Stellungen, die orientalische Denkweise und asiatisches Gefühlsleben uns näher bringen. Da ist denn die Morgenländische Bücherei des Griebensehen Verlages um so freudiger zu begrüssen,, wenn sie natürlich auch weit davon entfernt ist, wissenschaftliche Leistungen zu bieten. Wir haben in' diesen Blättern bereits die kleine Schrift Bischoffs über die Kabbalah besprechen können und sie unsern Lesern warm ans Herz gelegt. Wir können diese Empfehlung nicht minder der kleinen vorliegenden Schrift über eines der grossartigsten Systeme religiösen Denkens mitgeben. Die islamische' Schwesterreligion des Judentums sollte ja gerade in unsern Kreisen mehr bekannt sein. Diese Äusserung des semitischen Geistes ist im Gegensatz zum Judentum, das niemals ausserhalb der Reformgememde in der Johannisstrasse zur blossen Religionsmeinung herabgesunken ist, trotz alles nationalen Arabertums und trotz seines frischen Wüstenhauches abstrakte Religion im eigentlichsten Sinne des Wortes. Dabei steht sie iin hohem Masse unter dem Einfluss jüdischer Gedanken und jüdischer Formen,; so dass sie von, religiösem Standpunkte aus betrachtet nur als eine vom übrigen Judentum äusserst gering verschiedene Konfession anzusehen ist״ ein Moment, das Biisehoff nicht in geeigneter Weise zur Dar- Stellung bringen konnte, da er sich unbewusster Weise von der Tendenz leiten Hess״ möglichst viel Christliches im Isläm zu entdecken. Aus dem Christentum hat Muhammad nur den Teufelsglauben und die Hölle übernommen, die beide mit dem monotheistischem Judentum in unauflöslichem Widerspruch stehen und die auf da® Zweigottsystem nichtsemiti'scher Arierphilosophie zurückgehen. Dagegen ist die Darstellung im allgemeinen sehr gut und in ebenso populärer wie interessanter und übersichtlicher Form. Doch hat Bisehoff bedauerlicherweise versucht, in den Übersetzungen aus dem Koran unter die Dichter zu gehen» und das war von Übel. Man braucht nur die prächtige Übersetzung von Max Henning zur Vergleiclung heranzuziehen, um!auch ohne Kenntnis des Arabischen den Mangel an Korrektheit zu ermessen, den die metrische und gar die gereimte Über- Setzung mit sich bringt. Doch die Henningsche Übersetzung blieb Bischoff offenbar unbekannt. Die Schönheit des arabischen Originals ist nirgends auch nur annähernd erreicht. Aber Muhammad als Dichter und in seinem Verhältnis zu Dichter und Dichtung ist leider überhaupt nicht berührt worden. Unter den Biographieen des grossen Propheten seines Volkes vermissen wir die von Muhammad Ibn Hischäm (nach Ibn Ishäq) und von europäischen!die von Weil. Bei der grossen Verwandtschaft der Araber mit den Juden, des Isläm® mit dem israelitischen Monotheismus ist eine Kenntnis der Grundideen des in Palästina herrschenden Volkstums sehr wünschenswert. Auch in diesem Sinne sei das Werkchen der Beachtung empfohlen. H. L. Mitteilungen zur jüdischen Volkskunde Herauisig. von M. Grunwald. Heft XV״ Berlin, S. Calvary & Co., 190593 ״ Seiten. Preis! pro anno Mark 4.—■, pro Heft Mark ,2.50. In den Halibinseraten teilten verschiedener jüdischer Blätter lässt sich eine jüdische Zeitschrift als eine Sammelstelle des Fileisses auf dem Ge- Siete jüdischer Volkskunde anpreisen. Das war dort unrichtig. Dagegen muss man dies Lob uneingeschränkt den Mitteillungen zur jüdischen Volkskünde zuteil werden lassen, von denen soeben das erste Heft des ersten

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