Židovská ročenka pre Slovensko
- Journal
- Židovská ročenka pre Slovensko
- Volume
- 5700 (1940)
- Date
- 1940-01-01
- Page
- Seite 195 (sequence 235)
- Language
- German
- Belongs to
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- IRI
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DAVID GROSS Ich habe heute, wie in jedem Augenblick, seit ich schreibe, das Bewußtsein, die Feder stets als ein Ehrenmann geführt zu haben. Ich habe meine Feder nie verkauft, nie Gemeinheit, nicht einmal Kameradschaft durch sie getrieben. (Herzls literarisches Testament.) Es soll nicht als Überhebung gewertet werden, wenn ich nun als Redakteur dieses Jahrbuches zum Schluß auch einige Worte über mich selbst schreibe und die Worte Herzls aus seinem literarischen Testament hier als Motto voransetze. * Denn in diesem rührenden Bekenntnis Herzls, das jedem, der sich in den Dienst des Journalismus stellt, als Leitstern vorausleuchten muß, liegt auch mein ehrgeiziges Streben während meiner bereits mehr als 25jährigen journalistischen Tätigkeit. Ich bin 1891 in Preßburg geboren, habe hier u. a. auch die Jeschiwa besucht und 1912 in der „Ungarländischen Jüdischen Zeitung" unter Leitung Samuel Bettelheims, in dem ich meinen Meister fand und dessen Schule für mein Wesen irgendwie bestimmend blieb, zu „Schriftstellern" begonnen. Neigung und unentrinnbares Schicksal führte mich solcherweise der jüdischen Presse, dem Dienst am Judentum zu. Ich wurde 1913 Schriftleiter der „U. J. Z", wirkte auch weiter in der „U. J. Z." in Budapest, später in der „Jüdischen Presse" Wien (1922), wurde Redakteur der „Jüdischen Volkszeitung", des „Jüdischen Familienblattes>>, der , flauen Zeit", der ,Jsfeuen Preßburger Zeitung" und der „Allgemeinen Jüdischen Zeitung" und habe mehrere Sammelwerke redigiert. — Ich bin mir bewußt, in den verhängnisvollsten Zeiten des jüdischen Volkes, treu und mutig, als Soldat der Feder, auf Posten gestanden zu sein und darf von mir wohl behaupten, daß ich mein Judentum nicht auf das kleine Prokrustesbettchen des Parteilebens spannen ließ. Ich hatte wohl im Kampfe für Ehrlichkeit, Wahrheit und Reinheit im öffentlichen jüdischen Leben manch harten Strauß auszufechten gehabt, habe mich aber nie zu persönlichen Auseinandersetzungen verleiten lassen. Ich habe wohl auch manche Bitternisse, Enttäuschungen, die dem Journalisten als unbequemer Mahner des öffentlichen Gewissens und der öffentlichen Moral nicht erspart bleiben, erfahren. Dies in erhöhtem Maße in unserer jüdischen Welt, wo sich an so vielen Stellen noch so viel Enge erhalten hat und wo man über den frischen Luftzug der öffentlichen Kritik noch ein gewisses Unbehagen empfindet. Ich konnte aber stets jeder Verunglimpfung und Verdächtigung Unbeugsamkeit und tadellose Reinheit entgegenstellen. Daß ich das heute ohne Scheu aussprechen kann, daß man mir kein Abgleiten vom Wege beruflicher Korrektheit und Pflichttreue vorwerfen kann, gilt mir als größte Genugtuung meines Lebens. 13* 195