Židovská ročenka pre Slovensko
- Journal
- Židovská ročenka pre Slovensko
- Volume
- 5700 (1940)
- Date
- 1940-01-01
- Page
- Seite 193 (sequence 233)
- Language
- German
- Belongs to
- journal volume
- OCR quality
- 83% known words query
- IRI
…/7957787-8905983--236-7958021- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
Mentioned entities
OCR text
JIZCHAK DAVID AUSTERLITZ ( Selbstbildnis) J. D. Austerlitz wurde am 25. Oktober 1898 in Cachtice (Bezirk Nove Mesto nad Yöhom, Komitat Nitra) geboren. Gleichwohl gilt er als „Werbauer", da er von seiner frühesten Kindzeit an in Vrbove (bei Piestany) erzogen wurde, soweit dies eben möglich war. Er gilt als Werbauer und ist denn auch einer. Undzwar mitnichten der Erstbeste, sondern viel mehr: einer der ersten besten. Einer von den gaurisankargroßen Gedojlim von „Warbe" (seiner eigenen bescheidenen Meinung nach). Von Schulbildung hat er nicht viel genossen, viel mehr genascht. Aber gar so ein Klachel ist er nicht, denn er hat außer der Bürgerschule in Vrbove auch noch die dasige Volksschule besucht. War Vorsitzer des Selbstbildungsvereins der Bürgerschule und des jüdischen Selbstbildungsveremes (chug lehaskalä agmit iwrit) in der „Marbitz Tora", die mit der Bürgerschule verschwistert war. Nämlich: jeder jüdische Zögling, der diese Bürgerschule besuchte, war verpflichtet, nachmittags die Marbitz Tora zu absolvieren. Auf der Bürgerschule wurden die Schüler nach Geburtsjahrgängen in Klassen gegliedert, auf der Marbitz Tora nach den Vorkenntnissen. So z. B. ging J. D. Austerlitz vormittags in die I. Klasse, nachmittags in die VI. Klasse. In der VI. Klasse wurde unterrichtet in Tnach (Bibel, Propheten und Hagiographen) mit Raschi-Kommentar (hie und du auch a. m., z. B. Ibn Esra). Ferner: Talmud babli. Und zwar: siur ijjun (gründlich: Raschi, Tossafot, Maharsa, Mahram, Marsal, Ros, Ran, Rif, Pne Jhosua u. a.) und siur tafel („Nebenschiur"): Gemore plus Rasi und Tossafot. Außerdem: hebräische Grammatik und Stilistik, ja sogar: hebr. Schönschreiben (Kalligraphie, ktab jafe). Jawohl: die Lehrgegenstände waren hebräisch benamst und auch die Klassenzeugnisse waren hebräisch. Es gab 5 Noten: msubach (lobenswert), tow meod (sehr gut), tow (gut), masspik (genügend) und bilti masspik (ungenügend). Außerdem: jüdische Geschichte und, einmal wöchentlich, mussar (Morallehre). Auf der Marbitz Tora wurden alljährlich Wettbewerbe veranstaltet, für freiwillige Teilnehmer. Es gab ein Pensum (z. B. die ssugja Kata ä'magla, ferner: 10 Kapitel Ijob (Hiob) auswendig und dgl. m.). J. D. Austerlitz hat einige Mal den ersten Preis davongetragen: Misnijjot („misnäjjes"), in Prachtausgabe, Wilnaer chumosim (mit sforno, ntinä lager: Kommentar zu Onkelos, von Nathan Adler, Chief-Rabbi), Ramban, bäale türim, Ibn Esra u. a. Dann erwettbewerbte er: Bchajja's „Chowoth halwawoth". Außer mussar-Injektionen hatte der Melammed auch einen Stab von Mitarbeiter, den er Stecken nannte... 13 193