Židovská ročenka pre Slovensko
- Journal
- Židovská ročenka pre Slovensko
- Volume
- 5700 (1940)
- Date
- 1940-01-01
- Page
- Seite 119 (sequence 139)
- Language
- German
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symbolisieren hier den jüdischen Genius mit der heiligen Schrift. Diese Quadratbuchstaben haben eine ausserordentlich dekorative Kraft. Sie sind schöner als die Meander, weil sie nicht gleich sind, weil sie leben, weil sie selbst für sich sprechen, beten und flehen und übertreffen so auch die oft monotonen Arabesken. Diese Hebräesken bestehen aus zwei Schriftfriesen, welche ein reiches, breites Band und Flechtwerk einrahmen, darüber befindet sich eine Reihe von Doppelsäulen mit ausgezakten Hufeisenbögen und Flacharkaden. Wir finden hier also eine Mischung von christlich-gotischen und islamischen Elementen, den sogenannten Mudejarstil, der aber seine jüdische Ausdrucksform durch die Hebräesken bekommen hat. Ehrenpreis sagt hier: „Welche Macht besitzt diese Sprache? Einsam und verlassen, unverstanden una ungebraucht, fremd in dieser heutigen Umgebung leben sie Ihr eigenes Leben durch die Jahrhunderte unbesiegt und unbesiegbar." Er nennt diese ,getauften Synagogen' „architektonische Marranen." Eine Trauer von tausend Geschlechtern spricht von Ihnen und man hat hier das unpersönliche Empfinden wie bei der Tempelmauer in Jerusalem." (ABb. 8—9} In Sevilla (Spanien) waren die Kirche St. Bartholome und in Cordoba die St. Quiteria früher Synagogen. Letztere ist eine guterhaltene Synagoge mit hebräischen Inschriften aus dem Jahre 1315, welche besagt, dass diese durch Isaak Moheb erbaut wurde. In Segovia stehen Ruinen einer Synagoge die ursprünglich auf achteckigen Säulen gebaut war mit weitspannigen maurischen Bögen über maurische Blindarkaden, ähnlich denen in der Synagoge El Transito in Toledo. # DIE RENAISSANCEZEIT In der Renaissancezeit sind die Synagogen meisst saalartige quadratische Prunkräume mit üppiger Stukkodekoration und mit dreiseitigen Emporen. So die grosse Synagoge in Venedig die aus dem 16. Jht. stammt. Sie hat eine flache, geschnitzte Kassettendecke, die Seiten zieren jonische Halbsäulen, sie zeigt den reizenden Renaissancestil, von Sansovino gebaut. Ein prächtiger Saal ist auch die Scuola Levantina von Brustolon im J. 1610 gebaut. Die Synagoge hat herrliche holzgeschnitzte Säulen, im westlichen Erker ist der Almemor, die Frauenempore befindet sich um die Kuppel in einem ovalen herrlich ausgestatteten Umgang. Die übrigen Synagogen in Venedig, so die sephardische vom Jahre 1584, von dem bedeutendsten Meister des Barock, von Longhena im Jahre 1654 renoviert, zeigt Barockstil. Die wuchtigen gedrehten Säulen, bis zur Decke hinauf reichend, sind mit schweren Holzblumen, die Decke mit schwer hängenden Früchten in schwarzer und roter Farbe wundervoll geschmückt. Die italienische Synagoge in Ferrara mit schöner Holzveno* 119