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Židovská ročenka pre Slovensko · 1940-01-01 · 5700 (1940) · p. Seite 107

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Židovská ročenka pre Slovensko
Volume
5700 (1940)
Date
1940-01-01
Page
Seite 107 (sequence 123)
Language
German
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Dr. NIKOLAUS KEREKES, BRATISLAVA: Handelsrechtliche Prinzipien im Talmud Ein wichtiges Problem der Rechtsphilosophie ist das Verhältnis des Rechtes zur Ethik. Ich schließe mich der Meinung Hermann Cohens an, daß die Ethik sich selbst als Recht durchführen müße; die Rechtswissenschaft bedarf der Ethik zur Grundlegung, das Recht muß in der Ethik seine Wurzel haben. Die Rechtsphilosophie beschäftigt sich auch mit der Frage, in welchem Verhältnisse steht das Recht zur Kultur. In der Kulturentwicklung hat auch das Recht seine Stellung, denn eine menschliche Kultur ist nur denkbar, wenn in der Menschheit eine Ordnung herrscht, die Rechtsordnung ist die der Menschheit im Interesse der Aufrechterhaltung und Weiterbildung der Kulturwerte auferlegte Ordnung der Rechtsverhältnisse. Ich möchte hier eine allgemeine Charakterisierung des talmudischen Rechtes vorausschicken, welche Merkmale dann im besonderen Teile an Hand der Analyse der einzelnen Rechtsinstitutionen aus den oben erwähnten Gesichtspunkten erhellt werden sollen. Der Talmud unternimmt den Versuch, den Privatzweck mit dem Endzweck der Gemeinschaft in ein harmonisches Verhältnis zu bringen. Der Talmud ist orthosophisch. Orthosophie ist nämlich das Wissen des Richtigen in allen seinen Anwendungen. Der Talmud operiert mit juristischen Grundbegriffen, als System derselben ist er eine juristische Grundlehre, in diesem Sinne bedeutet Recht: die Normen einer umfassenden und beständigen höchsten Macht. Der Talmud löst auch das Problem des Verhältnisses von Recht und Kultur, weil er das geistige psychische Erzeugnis des jüdischen Volkes, die Ausdrucksform der jüdischen Volks^ persönlichkeit ist. Im engerem Sinne des Wortes stellt die Zivilisation der jüdischen Kultur dar, denn Kultur ist die Ausbildung einer vorhandenen Natur, Zivilisation hingegen der allgemeine Schliff, der die Menschen uniformiert. Die Kultur, „die Torah" treibt, steigert, zeugt, züchtet, differenziert und schafft ewige Werte, die Zivilisation (Talmud) schützt, beruhigt, konzentriert, verbreitet soziale und verfeinert persönliche Formen. Das talmudische Recht ist in diesem Sinne die Vermittlung zwischen Leben und Ewigkeit, weil er in den Rechtsnormen Werte kondensiert, die auf dem Wege zu Gott liegen. Der Talmud konfrontiert in jeder Rechtsnorm das Individium mit 107

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