Židovská ročenka pre Slovensko
- Journal
- Židovská ročenka pre Slovensko
- Volume
- 5700 (1940)
- Date
- 1940-01-01
- Page
- Seite 74 (sequence 90)
- Language
- German
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OBERKANTOR LEO WEISS: Die jüdische Gemeinde Povazskä Bystrica Die erste Absiedlung von Juden in Pov. Bystrica dürfte um die Mitte des XVII. Jahrhunderts erfolgt sein. Vornehmlich waren es Flüchtlinge aus Mähren, die zur Zeit der Kuruzen Uberfälle sich hier unter dem Schutze des Grafen Szapary ansiedelten. Das läßt sich aus etwa drei Jahrhunderte alten Grabsteinen, die sich auf dem hiesigen Friedhofe vorfinden, feststellen. Anfangs des neunzehnten Jahrhunderts bildeten sie bereits eine ansehnliche Gemeinde, so daß sie im Jahre 1823 einen Tempel erbauen konnten, wofür an Baron Balassa, der den Juden den Bauplatz überließ, jährlich 90 Florins Arenda bezahlt werden mußte. Das Baumaterial stellte der Baron der Gemeinde kostenlos zur Verfügung. Dieser Tempel wurde 1898 abgerissen und an dessen Stelle die neue Synagoge, nach Plänen des Preßburger Architekten Dyonis Milch, erbaut. Die Synagoge ähnelt der Synagoge der Bratislavaer Kongreß-Gemeinde, die zur gleichen Zeit von demselben Architekten erbaut wurde. (Siehe die Abbildungen im Artikel Dr. Atlasz' „Synagogen in achtzehn Jahrhunderten".) Von den berühmten Rabbinern, die hier wirkten, seien hervorgehoben Rabbi David Kohn, Jecheskel Kohn, Elijahu Kohn, Eljakum Kohn, Mordechaj Weiß, der ein halbes Jahrhundert lang wirkte und zuletzt Rabbinatsassesor Joachim Grün, dem im hohen Alter 1904 verstarb. Zur Kultusgemeinde Pov. Bystrica, die sich nach der Teilung der Judenschaft auf dem denkwürdigen Kongreß in Budapest im Jahre 1868, zufolge einer im Dezember 1870 abgehaltenen Generalversammlung als Kongreß-Gemeinde konstituierte, gehörten 40 Ortschaften, von denen einige eigene Tempeln und Friedhöfe besaßen. So z. B. Domaniz, wo der im weiten Umkreis bekannte Wohltäter Nathan Zelinka s. A., von dessen Gastfreundschaft und Armenfürsorge heute noch Legenden erzählt werden, im Jahre 1892 aus eigenen Mittein einen Tempel erbaute. Da im Orte keine Juden mehr wohnen, wurde dieser Tempel 1925 abgetragen. Eine größere Gemeinde befand sich auch in Marikow, wo nebst Synagoge und Friedhof sogar eine jüdische Schule bestand. Heute leben dort nur noch wenige jüdische Familien. Die Synagoge mußte, da sie bereits baufällig war, 1938 abgerißen werden. In Predmier, wo heute gleichfalls nur einige jüdische Familien wohnen, besteht eine nette kleine Synagoge, die durch den beispielgebenden edlen Opfersinn der bekannten Familie Rosenzweig im Jahre 1920 neu erbaut und von dieser Familie heute erhalten wird. 74: