Židovská ročenka pre Slovensko
- Journal
- Židovská ročenka pre Slovensko
- Volume
- 5700 (1940)
- Date
- 1940-01-01
- Page
- Seite 64 (sequence 78)
- Language
- German
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Oberrabbiner GEJZA SCHWARZSTEIN, Bastln: Aus der Vergangenheit des Schoßberger Ghetto DIE ÜBERSCHWEMMUNG Viele Jahre hindurch versammelten sich die Juden Schoßbergs in der Morgendämmerung des zweiten Siwan in ihrer Synagoge, um in andachtsvollen Dankgebeten, in demütigen Reuebekenntnissen und frohen Lobgesängen der unendlichen Güte der göttlichen Vorsehung zu gedenken, die in Leid und Gefahr sich seiner Geschöpfe erbarmt und „aus dem Staube erhebt die Gedemütigten, um an der Tafel der Edlen den Herrn zu preisen". Zweiter Siwan 5580. Ein goldenstrahlender sonniger Nachmittag kündet uns in blendender Schönheit den ganzen Zauber des Naturerwachens im Mai. Der Blutkreislauf der Natur schwelgt im neuen Grünen, im neuen Blühen und strahlt in malerischer Farbenpracht über Wiesen und Auen, wie sie selbst die italienischen Maler der Renaissance nicht festhalten konnten. Miriaden Blumenköpfe kokettieren verführerisch mit den sie umschwärmenden gelben Bienen. Sicherlich haben sie das lockende Spiel den bereits knospenden Rosen und Orchideen abgeguckt, obwohl die Rosen es keineswegs nötig haben durch raffinierte Verführerkünste die Aufmerksamkeit der Bienen und Schmetterlinge auf sich zu lenken. Dieses frivole Kokettieren ist ja nur das Mittel der Unansehnlichen und Zwerge., Nur diese schreien so aufdringlich durch berückende Düfte und aufreizendes Gebahren ihre Daseinsberechtigung in die Welt hinaus. Es ist dies ihre Verteidigungswaffe im Kampf der Arterhaltung. Die Akazie führt allerdings, konkurriert mit einem Raffinement, das im Waffenarsenal der Frauen als das Tauglichste erprobt ist. Gegenüber ihrem berückenden Duft gibt es keinen weiteren erfolgreichen Wettbewerb. Die Schmetterlinge und Mücken, die sich da herumtummeln, ergeben sich ihm widerstandslos und berauschen sich bis zur Bewußtlosigkeit an dem reichen Honiggehalt der Blüten. Solcherweise übertreffen sie, schadenfroh und schelmisch lächelnd, die vornehmen, prachtvollen aufgeschlossenen Blumen. Wer würde es ahnen, daß auch diese Blumen von Eifersucht geplagt werden und neidisch um die Gunst der Umwelt sich bewerben. Wer würde es glauben, daß es unter ihnen auch heimtückische Verräter gibt, die nur darum inmitten der Getreidefelder leben» um die Schädlinge der Brotfrucht meuchlerisch zu vernichten. 64