Židovská ročenka pre Slovensko
- Journal
- Židovská ročenka pre Slovensko
- Volume
- 5700 (1940)
- Date
- 1940-01-01
- Page
- Seite 50 (sequence 64)
- Language
- German
- Belongs to
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leisten. Die Juden waren die geeignetsten, die in jenen friedlosen Zeiten zu den Geschäften des Friedens, zum Handel und Gewerbe Zeit und Talent hatten. Nach Abzug der Römer zur Zeit der Völkerwanderung blieben sie dann zurück in ihrer neuen Heimat. Sie belebten und förderten den Handel, hoben so den Wohlstand der neuentstandenen europäischen unabhängigen Völker. Ihr flüchtiger Fuß haftete nicht so sehr am eigenen Landbesitz, kamen so in Berührung mit den fernen Ländern, aus denen sie ihre Waren bezogen und dahin wieder die Rohprodukte ihres eigenen Landes unterbrachten. So war es auch in der jetzigen Slowakei, die ja fast der Hauptbestandteil des damaligen sogenannten Großmährischen Reiches war und der mächtige Herrscher Svatopluk hatte ja bekanntlich seinen Sitz in Nitra. In einem bayerischen Stadtreglement, entstanden um das Jahr 903—907, lautet ein Punkt, wahrscheinlich als Ausfluß eines Handelsabkommens mit dem damaligen slowakisch-mährischen Herrscher: „Juden und andere Kaufleute, woher immer sie auch kämen aus mährischen Landen, haben nach Sklaven und anderen Waren gerechte Zölle zu bezahlen, wie dies zur Zeit der vorherigen Könige Sitte war". Daraus ersehen wir, daß schon lange vor dem zehnten Jahrhundert Juden in der Slowakei Exporthandel trieben. — Es dürften auch zu den Zeiten der Kreuzzüge, wo die Juden in dem damaligen Ungarn einen gewissen Schutz genossen, besonders unter dem ungarischen König Koloman, dem Bücherkundigen, wegen der Verfolgungen in Böhmen, Juden nach der Slowakei eingewandert sein. Es dürften schon im zwölften und dreizehnten Jahrhundert ansehnliche Gemeinden in der Slowakei gegeben haben. So finde ich z. B. in den Responsen des bekannten Wiener Rabbiners Rabbi Jizchak „Or Zarua" eine Response bezüglich einer Verlobung eines Jünglings aus Nitra mit einem Mädchen aus dem benachbarten Dorfe Irek und in dieser wird schon von der Gemeinde Nitra gesprochen, in welcher der Ruf der Verlobung verbreitet war. Diese Abhandlung dürfte etwa 1230—1240 verfaßt worden sein. Wir wollen jetzt nicht weitere Hinweise zitieren, daß schon damals in Bratislava, Bösing, Trnava usw. größere jüdische Gemeinden waren, da ja von jetzt ab weiter immer mehr historische Daten den Lebensweg der slowakischen Juden beleuchten, wenn auch nicht vollständig. Wir wollen nur mit einigen Strichen die Anfänge der jüdischen Gemeinde in Nove Mesto nad Vahom bis zum Jahre 1800 skizzieren. Daß Juden sich in der Slowakei niederlassen konnten, hat seinen Grund einerseits in der religiösen Duldsamkeit des slowakischen Volkes, anderseits wieder hatten die adeligen Grundherren bald eingesehen, daß der jüdische Unternehmungsgeist, jüdische Fleiß und Beweglichkeit im Handel neues Leben in der Verwertung der so viele Rohprodukte produzierenden Slo- 50