Einladungsschrift zu der öffentlichen Prüfung der Bürger- und Realschule der Israelitischen Gemeinde
- Journal
- Einladungsschrift zu der öffentlichen Prüfung der Bürger- und Realschule der Israelitischen Gemeinde
- Volume
- 1867
- Date
- 1867-01-01
- Page
- Seite 46 (sequence 52)
- Language
- German
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46 mit der christlichen; die übrigen alle hat er mit den allerschlechtesten Gründen unterstützt, und mit noch schlechtern widerlegt." Von der jüdischen Religion sagt dann Lessing: „Wider diese läßt er die übrigen drei den Einwurs nrachen, daß Gott dasjenige nicht könne gefallen haben, was er habe lassen untergehen. Ist sie denn untergegangen, die jüdische Religion? .... Irre dich nicht, Cardan, würde ihm ohne Zweifel ein rechtgläubiger Jsraelite geantwortet haben, unser Gott hat uns so wenig verlassen, daß er auch in seinen Strafgerichten noch unser Schutz itub Schirm bleibt. Wenn er nicht über uns wachte, würden wir nicht längst von unfern Feinden verschlungen sein? .... In alle Winkel der Welt zerstreuet, und überall gedrückt, beschimpft und verfolgt, sind wir noch eben die, die wir vor tausend und viel mehr Jahren gewesen sind. . . . Fahrt nur fort uns zu plagen; machet der Bedrängnisse kein Ende; ihr werdet den Zweck nicht erreichen, den ihr suchet. Er (Gott) hat ein schonet*) gesprochen; und was er spricht, ist wahr." Ausführlicher läßt er den Muhamedaner sprechen, der sich keineswegs auf die bloße Vertheidigung beschränkt. Dieser ruft u. A. dem Cardanus zu: „Wirf einen Blick auf sein (Muhameds) Gesetz! Was fhibefi du darinne, das nicht mit der allerstrengsten Vernunft übereinkomme? Wir glauben einen einigen Gott; wir glauben eine zukünftige Strafe nnb Belohnung. . . . Weißt du also, was dir obliegt, wann du wider uns streiten willst? Du mußt die Unzulänglichkeit unserer Lehrsätze beweisen! Du nmßt beweisen, daß der Mensch zu inehr verbunden ist, als Gott, zu kennen und tugendhaft zu sein; oder wenigstens daß ihm beides die Vernunft nicht lehren kann, die ihm doch eben dazu gegeben ward!" (IV, 57 ff.) Das Lustspiel „die Juden" hatte Lessing im Jahre 1749, also bereits während seines erften Aufenthaltes zu Berlin geschrieben. In demselben findet sich eine Stelle, aus der sich die Zeit der Abfassung genauer bestimmen läßt. Lessing läßt bcn verbrecherischen Vogt von den Juden sagen: „So viel als ihrer sind, keinen ausgenommen, sind Betrüger, Diebe und Straßenränder. Darum ist es auch ein Volk, das der liebe Gott verflucht hat.Wenn *) Anspielung auf die Worte: „Siehe, er sei in deiner Hand, doch schone seines Lebens" (Hiob 2, 6), welche von L. vorher angeführt werdcn.