Einladungsschrift zu der am ... stattfindenden öffentlichen Prüfung der Bürger- und Real-Schule der Israel. Gemeinde
- Journal
- Einladungsschrift zu der am ... stattfindenden öffentlichen Prüfung der Bürger- und Real-Schule der Israel. Gemeinde
- Volume
- 1863
- Date
- 1863-01-01
- Page
- Seite 46 (sequence 50)
- Language
- German
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46 Treiben, indem es das Bedürfniß der Kraftäußerung regelt, ordnet und ihm ein Ziel gibt, dessen Verfolgung zugleich die Kraft erhöht und ihr einen höheren Werth verleiht. Es ist nichts irriger, als der Gedanke, daß das Turnen die Jugend roh und kampflustig mache. Das gerade Gegentheil davon ist wahr. Der Turner besitzt und liebt ganz andere Mittel seine Kräfte zu prüfen und zu bewahren, als die Balgerei mit seinem Freund und Spielgenossen; und selbst der Wettkampf der Kraft mit diesem kann geführt und entschieden werden, ohne daß sie dieselbe gegeneinander zu wenden hätten. Fragen wir also, was soll der Schüler im Turnen lernen, so ist die erste Antwort offenbar: die Körperkraft die er besitzt, für die Ausbildung und Stärkung derselben anwenden, und dadurch mehr und mehr zun: Bewußtsein, dessen gelangen, was er mit derselben zu leisten vermag und was nicht. — Neben der Uebung und Erhöhung der Kraft selbst, d. h. neben der Aneignung der körperlichen Fertigkeiten, zu denen es ihm bisher weniger an Kraft, als an Muth und Vertrauen zu sich selbst gefehlt, und neben der Erfrischung des ganzen Menschen, die aus dieser bewußten und geordneten Kräftigung des Körpers hervorgeht, ist kein Gewinn,, der aus dem Turnunterricht entspringt, für die Jugend werthvoller als der der richtigen und sichern Schätzung ihrer Leistungsfähigkeit auf diesem Gebiet. Es ist wieder ein Jrrthum. wenn man glaubt, daß das Turnen gefährlich sei, weil es die Jugend tollkühn und wagehalsig mache. Im Gegentheil. Der Turner weiß genau, was er kann; und unternimmt daher nicht.leicht etwas, wofür seine Kraft nicht ausreicht, wogegen die Jugend, die zu dieser Selbstschätzung ihrer Kraft nicht gelangt ist, nur zu leicht etwas unternimmt und wagt wozu ihre Kraft nicht ausreicht und sich dadurch in Gefahr stürzt, oder umgekehrt wenn sie sich in Gefahr befindet, einen Sprung oder Kletterversuch, der sie zu retten vermöchte, nicht wagt, weil sie ihre Kraft unterschützt, während der schwächere Turner es ohne Furcht unternitrnnt, weil er sicher weiß, daß er es kann. Und endlich stärkt und stählt die Kraft und Sicherheit, mit der der Turner über seinen Körper gebietet, die Willenskraft und das Selbstvertrauen