Einladungsschrift zu der am ... stattfindenden öffentlichen Prüfung der Bürger- und Real-Schule der Israel. Gemeinde
- Journal
- Einladungsschrift zu der am ... stattfindenden öffentlichen Prüfung der Bürger- und Real-Schule der Israel. Gemeinde
- Volume
- 1863
- Date
- 1863-01-01
- Page
- Seite 44 (sequence 48)
- Language
- German
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44 reichen ferner die höchste Stufe ihrer geistig und sittlich bildenden Wirksamkeit, wenn sie aus der Sphäre des Einzelthuns in die des gemeinsamen oder harmonischen Zusammenwirkens eintreten, in der sich der Einzelne als Glied eines Ganzen fühlt, siir das er zu wirken und dem er sich unterzuordnen hat; und darum ist es so wirksam, wenn im Reigenturnen mit Gesang die Zusammengehörigkeit beider Uebungen sich durch ihre Verbindung zu einem schönen Ganzen bewährt. — Der Gesang ist eine Naturgabe, ein Natnrbedürfniß aller Menschen. Nur sehr gering ist die Zahl derer, welche die Fähigkeit nicht besitzen, diese Gabe zu üben; noch geringer deren Zahl, auf deren Gemüth der Gesang ohne Wirkung bleibt. Es kann nicht zweifelhaft sein, daß die Ausbildung und Veredlung dieser allgemeinen Naturgabe, die Weckung und Pflege dieses allgemeinen Naturbedürfnisses, eine Bedingung der allgemeinen Menschenbildung, also auch eine unabweisbare Aufgabe der Schule sei. Wer nicht selber singt, mag mit Mangel an Stimme und Gehör entschuldigt werden; wer aber keine Freude am Gesänge hat, ist kein gebildeter Mensch, es fehlt ihm ein Element der Gemüthsbildung, das zur harmonischen Gesammtbildung des Menschen unbedingt erforderlich ist. Der Lehrmeister für den Gesang ist das Ohr, wie das Auge für das Zeichnen. Was das Ohr wirklich hört und bestimmt unterscheidet, das vermag die menschliche Stimme auch widerzugeben. Die Bildung des Gehörs wird also die erste Aufgabe des Gesangunterrichts sein, während die Schule nur wenig für die Pflege der Stimme zu leisten vermag. Notenkenntniß und Treffübungen können nur Mittel zu diesem Zweck sein, und es wäre wohl sehr denkbar, daß der Gesang in der Schule oder doch auf mehreren Stufen derselben ohne diese Kenntniß lediglich nach dem Gehör geübt würde. Ein Lied, das sie hören, sollen die Kinder ins Ohr und ins Gemüth aufnehmen, und dann die Melodie deffelben sicher und fest, die Empfindung, die es erweckt, frisch und frei widergeben. Ein reiner Ton, ein fester Takt, ein frischer Muth ist Alles, was fürs Erste von der singenden Jugend gefordert wird. Dann sollen sie freilich auch