Einladungsschrift zu der am ... stattfindenden öffentlichen Prüfung der Bürger- und Real-Schule der Israel. Gemeinde
- Journal
- Einladungsschrift zu der am ... stattfindenden öffentlichen Prüfung der Bürger- und Real-Schule der Israel. Gemeinde
- Volume
- 1862
- Date
- 1862-01-01
- Page
- Seite 45 (sequence 45)
- Language
- German
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der allgemeinen Richtung der Zeit begründet — denn diese hat durch sogenannte materielle Leistungen den großartigsten geistigen und sittlichen Fortschritt hervorgerufen—, sondern in der engherzigen und selbstsüchtigen Auffassung der eigenen Aufgabe, für deren Würdigung und Lösung der höhere Maßstab fehlt, da dieser nur durch ein höheres Maß allgemein menschlicher Bildung gewonnen werden kann. Ich wiederhole es: Es ist ein Frevel, aus falsch verstandener Rücksicht auf diese sogenannten materiellen Interessen den gesammten Bildungsgang noch vor Beginn unserer dritten Entwickelungsepoche abzubrechen; denn es müssen dadurch nothwendig alle die Knospen menschlicher Bildung ertödtet werden, die nur in der natürlichen Licht- und Wärmeregion des Jünglingsalters zur Blüthe gelangen können, um in der späteren Epoche des Lebens reiche und reife Frucht zu tragen. Es ist eine heilige Pflicht der Eltern, deren Mittel dafür ausreichen, ihrem Kinde die Wohlthat einer bis in's Jünglingsalter fortgesetzten Bildung nicht zu versagen, ihm nicht die Erwerbung materiellen Besitzes aufzunöthigen, wenn es noch nicht zum Besitz des für diesen Zweck erforderlichen geistigen und sittlichen Grundkapitals gelangt ist. Es ist eine heilige Pflicht des Staats und der humanen Associationen, auch dem Aermsten und Geringsten, dem Handwerker, dem Arbeiter, dem Bauern in diesem Lebensalter neben der nothwendigen Erwerbsthätigkeit noch die Gelegenheit, die Anregung zur Fortbildung darzubieten. Es kann Niemand, der nicht geradezu hinter seiner menschlichen Bildung zuriickbleiben soll, diese Bildung des Jünglingsalters entbehren. Unzählige Talente sind der Menschheit verloren gegangen, unzählige Charaktere nicht zu ihrer Entwickelung gelangt, weil ihnen gerade diese Zeit für ihre Entfaltung nicht vergönnt worden ist. Das fast erschreckende Uebergewicht, das der Gelehrten- und Beamtenstand bisher auf die große Masse des Volkes ausübt, beruht nicht darauf, daß in diesem Stande die begabteren und würdigeren Menschen zu suchen sind, sondern daß sie ihren Bildungsgang bis zu dieser Stufe der Selbstvollendung geführt haben; daß sie das, was sie sind und werden konnten, ganz geworden sind. Und vielleicht verdankten auch die Griechen ihre hohe Menschenbildung zum