Einladungsschrift zu der am ... stattfindenden öffentlichen Prüfung der Bürger- und Real-Schule der Israel. Gemeinde
- Journal
- Einladungsschrift zu der am ... stattfindenden öffentlichen Prüfung der Bürger- und Real-Schule der Israel. Gemeinde
- Volume
- 1862
- Date
- 1862-01-01
- Page
- Seite 27 (sequence 27)
- Language
- German
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27 Ganzes für die Ausbildung aller Seelenkräfte, und sie wird auf ihren verschiedenen Stufen je nach dem Lebensalter der Zöglinge bald die eine, bald die andere in's Auge fassen: die Anschauung, das Gedächtniß, die verstände smäßige Auffassung dessen, was gelehrt wird, die selbstthätige Erkenntniß und die Kraft des eigenen Thuns. So wird auch nach dieser Richtung jede Stufe ihren Werth nur vermöge ihrer Ergänzung durch die folgende gewinnen, und es kann nur die höchste Einseitigkeit die Folge davon sein, wenn diese stufenmäßige Entwickelung unterbrochen wird ehe sie den Kreislauf der Kräfte durchlaufen hat, die in diesem Lebensalter zu ihrer Ausbildung gelangen. Es muß daher aufs Eindringlichste davor gewarnt werden, die Zöglinge der Schule dem Bildungswerk derselben zu entziehen, bevor diese selbst es als vollendet bezeichnen kann. Wer möchte das geringste Werk der Menschenhand dem Arbeiter unvollendet entreißen, um sich nur schnell in seinen Besitz zu setzen und es unfertig zu gebrauchen? Wer möchte ein Haus für bewohnbar oder überhaupt nur für ein Haus halten, dem das Dach fehlt, und wer wird selbst den werthlosen und mißachteten Nagel zur praktischen Verwendung nehmen, ehe der letzte Hammerschlag des Meisters ihn zu dem gemacht was es sein soll — denn es ist kein Nagel, wenn ihm der Kopf oder die Spitze fehlt. Und das größte und schwerste Werk der menschlichen Kunst, die Bildung des Menschen und seiner geistigen und sittlichen Kraft, soll in jedem Augenblick unterbrochen werden können, und doch etwas fein, was für die ganze Lebenszeit seinen Werth behält? Viel besser ihr vertraut euere Kinder der niedrigsten Volksschule an, die ihre Aufgabe so gestellt hat, daß sie dieselbe bis zum 13. oder 14. Lebensjahr vollenden kann, aber in diesen Grenzen etwas Ganzes, organisch Gegliedertes schafft, als daß ihr sie auf einen Boden stellt, auf dem langsamer reifende Früchte gesäet werden, und sie aus demselben inmitten der Blüthe herausreißt, oder wenn sich eben nur die ersten Anfänge der Frucht ansetzen, die dann nur an der Sonne und dem Wind des Lebens werthlos zu verdorren bestinrmt sind. Was sollen die Anfänge eines Wissens das nicht wenigstens bis zu irgend einem Punkte abgeschlossen, das nur noch mit dem Gedächtniß, und nicht mit dem Verstände er-