Einladungsschrift zu der am ... stattfindenden öffentlichen Prüfung der Bürger- und Real-Schule der Israel. Gemeinde
- Journal
- Einladungsschrift zu der am ... stattfindenden öffentlichen Prüfung der Bürger- und Real-Schule der Israel. Gemeinde
- Volume
- 1861
- Date
- 1861-01-01
- Page
- Seite 15 (sequence 19)
- Language
- German
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15 fett des menschlichen Geistes, eine Verkündigung, die wir um so deutlicher vernehmen und um so zuversichtlicher erfassen, je tiefer wir es empfinden, daß der Verstorbene in Wahrheit gelebt hat, je größer und reicher die Wirksamkeit des vollendeten Lebens, je mächtiger und bedeutender der Geist war, von dem die verschwindende Hülle durch dasselbe getragen wurde. Denn aus dem Grabe solcher Männer empfangen wir nicht nur die erhebende Gewißheit, daß der so mächtig schaffende und gestaltende Geist nicht an den Pulsschlag und den Athemzug des zerfallenden Leibes gebunden sein kann, sondern wir können auch vor unserm Blicke das Fortleben und Fortwirken dieses Geistes in den Werken erkennen, die er hervorgerufen, und in dem Leben unzähliger Menschen, für die er gewirkt hat. Drum Freunde laßt uns an einem Grabe wie dieses nicht dem Verlangen unsrer Seele nach Schmerzenslauten nachgeben, die wir dem Geschiedenen als Tribut unseres Herzens nachsenden mögen, sondern uns zu der Höhe des Lebens aufrichten, das er sich und uns gelebt hat; laßt uns nicht wehmüthig klagen im Hinblick auf das, was er uns war und was wir an ihm verloren haben, sondern uns klaren Auges vergegenwärtigen, was wir durch ihn geworden sind, und was uns unverlierbar an ihm geblieben ist. Denn wir wollen und sollen mit Bewußtsein und mit Festigkeit das große und reiche Vermächtniß antreten, das er zurückgelassen und von dem ein Jeder von uns seinen Antheil empfangen hat. Wir wollen aber auch hier an seinem offenen Grabe den letzten Willen des Dahingeschiedenen kennen und ehren lernen, mit dem er das reiche und heilige Vermächtniß in unsre Hand gelegt hat. So sehet denn zu, ihr Männer und Jünglinge, die ihr in großer Zahl diese Grabesstätte umgebt — und ich könnte diesen Zuruf an eben so viele Frauen und Jungfrauen dieser Stadt, ja auch weit über die Grenzen derselben hinaus nach fernen Ländern und Welttheilen an die zahlreichen Schüler und Zöglinge des theuern Hingeschiedenen richten,—sehet zu, ob nicht der Besitz, den ihr euer kostbarstes Eigenthum nennt, ein Antheil an dem großen Vermächtniß ist, das der Heimgegangene Lehrer und Bildner eurer Jugend euch hinterlassen hat? Sehet zu, wie Vieles