Einladungsschrift zu der am ... stattfindenden öffentlichen Prüfung der Bürger- und Real-Schule der Israel. Gemeinde
- Journal
- Einladungsschrift zu der am ... stattfindenden öffentlichen Prüfung der Bürger- und Real-Schule der Israel. Gemeinde
- Volume
- 1861
- Date
- 1861-01-01
- Page
- Seite 11 (sequence 15)
- Language
- German
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11 halten, der man das Recht des freien Wortes gerne zugestand. Er selbst war in solchen. Fällen stets bereit, eine Uebereilung einzugestehen, und sie, wenn sich der Anlaß dazu ergab, wieder gut zu machen. Auf diese Weise wußte er auch den Geist des einträchtigen und freundschaftlichen Zusammenwirkens in dem Lehrer-Collegium zu erhalten, und bei seinen Mitarbeitern, von denen er geliebt und verehrt wurde, den Eifer für ihren Beruf und das Gedeihen der Anstalt immer von Neuem anzuregen. Er stand stets mitten in der Schule, nie bloß über derselben, ließ auch die kleinsten Einzelheiten nicht unbeachtet, wußte mit dem ihn auszeichnenden Scharfblicke die eigenthümlichen Fähigkeiten jedes Lehrers der Anstalt herauszufinden und ihn dahin zu stellen, wo er am gedeihlichsten wirken konnte, war — so zu sagen — kindlich dankbar für jede Leistung, welche Anerkennung verdiente, obschon er diese kaum durch ein Wort auszudrücken pflegte, ordnete seine Ansichten gern denen seiner Mitarbeiter unter, wenn die Gegengründe überzeugend waren, handelte aber mit fester Entschiedenheit, wo es das Wohl der Schule erforderte, das ihm über Alles ging. Nach seinem Beispiele bildete sich im Lehrer-Collegium ein Geist des Freimuths und der freundschaftlichen Offenheit, durch welchen unbewußt gleichsam Einer das Wirken des Andern regelte, so daß die Schule stets das rechte Gleichgewicht in sich selber fand. Seine pädagogischen Grundsätze hat Heß in der mehrfach genannten Schrift kurz zusammengefaßt. „Die deutsche Pädagogik" — sagt er u. A. — „war, nachdem die Basedow -Campe'sche Schule in der Hinlenkung der Jugendbildung auf das Materielle und Reale zu weit gegangen war, in das entgegengesetzte Extrem verfallen. Die Pestalozzi'sche Methode stellte die Förderung der formellen Bildung, die Geistes-Ent- Wicklung, als Hauptzweck der Jugendbildung aus. Viele Jünger des edlen Mannes gingen nun in der Bearbeitung der verschiedenen Lehrfächer nach seinen Grundsätzen so weit, daß sie die Befähigung zum praktischen Leben in der bürgerlichen Gesellschaft ganz aus dem Auge verloren oder als Nebensache behandelten