Einladungsschrift zu der am ... stattfindenden öffentlichen Prüfung der Bürger- und Real-Schule der Israel. Gemeinde
- Journal
- Einladungsschrift zu der am ... stattfindenden öffentlichen Prüfung der Bürger- und Real-Schule der Israel. Gemeinde
- Volume
- 1861
- Date
- 1861-01-01
- Page
- Seite 6 (sequence 10)
- Language
- German
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6 und mit Muth und Entschiedenheit gegen eingewurzelte Vorurteile kämpften. Heß hat sich diese Wirksamkeit zur Aufgabe seines Lebens gemacht, der er bis an sein Ende treu geblieben ist. Die Geschichte der Schule, die unter dem für die humanen Bestrebungen der damaligen Zeit bezeichnenden Namen „Philantropin" ihren Anfang nahm, hat er selbst in einem Programme vom Jahre 1838 und dann in einer Schrift, die er nach seinem Rücktritte von der Anstalt gewissermaßen als sein Vermächtniß herausgab („Die Bürger- und Realschule rc." Frankfurt a. M. 1857, bei Auffarth), zwar nicht ganz erschöpfend, aber in der ihm eigenthümlichen anschaulichen Weise dargestellt. Was in seiner Darstellung fehlt, wird Jeder, der ihn kannte, von selbst ergänzen, nämlich das Bild des regsamen, immer vorwärts strebenden Mannes, der die Seele der Anstalt war, dem es aber nie beifiel, von seinen eigenen Verdiensten zu reden. In dieser Schrift, auf die wir uns beziehen müssen, hat Heß auch die Art und Weise des frühem Jugendunterrichts in den jüdischen Gemeinden, im Gegensätze zu den jetzigen Anstalten, mit treuen Farben geschildert, und wir dürfen annehmen, daß er damit zugleich seinen eigenen Bildungsgang gezeichnet hat. Wie so viele israelitische Jünglinge der damaligen Zeit mußte er sich die allgemeine Bildung und den reichen Schatz wissenschaftlicher Kenntnisse, den er später besaß, mit vieler Mühe und Anstrengung und ohne einen geregelten Schulunterricht aneignen. Um so unersättlicher war aber auch sein Wissensdurst, der ihn selbst im hohen Greisenalter nicht verließ; um so eifriger war er bestrebt, dem Heranwachsenden Geschlechts eine Wohlthat zuzuwenden, deren er in seiner Jugend entbehren mußte. Die Anregung hiezu empfing er zu Fürth, wo er sich zunächst mit dem Studium der hebräischen Sprache, der Bibel und des Talmuds beschäftigte, in welchen Gegenständen er vermöge seiner vorzüglichen Begabung ftühzeitig bedeutende Fortschritte gemacht hatte. Dort kam er in Berührung mit einzelnen Männern, die bereits von dem durch Mendelssohn geweckten freiem Geiste ergriffen waren; eine neue Welt, von der er früher kaum eine Ahnung hatte, that sich vor ihm auf, und mit dem Eifer für