Einladungsschrift zu der am stattfindenden öffentlichen Prüfung der Volks- und Realschule der Israelitischen Gemeinde
- Journal
- Einladungsschrift zu der am stattfindenden öffentlichen Prüfung der Volks- und Realschule der Israelitischen Gemeinde
- Volume
- 1860
- Date
- 1860-01-01
- Page
- Seite 27 (sequence 31)
- Language
- German
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27 macht diesen in gleicher Weise Furcht vor fingirten Gefahren und Kobolden einzuflößen, wie sie es an ihm versucht haben? Und doch geht diese verderbliche Kinderftuben-Pädagogik auch auf die höheren Stufen der Erziehung über; ja man meint in ihr das Universalmittel zur Erziehung des Menschengeschlechts gefunden zu haben, indem man dasselbe mit den fingirten Schrecken der Höllenstrafen und des Teufels zur Tugend und Gottesfurcht zwingen will, und statt dessen die Grundsäulen des kindlichen Menschenvertrauens auf den göttlichen Erzieher des Menschengeschlechts erschüttert, der seine Kinder nicht mit Furcht und Schrecken, am wenigsten mit Lüge und Unwahrheit, sondern mit Liebe und Vertrauen, mit Wahrhaftigkeit und freier Ueberzeugung zum Guten und zum Tugendpfade lenkt. Diesen verderblichen Verirrungen, in welche Eltern and Erzieher gegen ihre Zöglinge durch vermeintlich pädagogischen Gebrauch von Unwahrheiten gerathen, stelle ich eine Lüge der Kinder gegen ihre Eltern gegenüber, die ihnen nicht selten von den Eltern gestaltet wird, ja in der sie geradezu von denselben unterstützt werden, und die in unserer Zeit und in unseren Kreisen eine solche Verbreitung gefunden hat, daß sie einer besonderen Erwähnung nicht unwerth erscheint: Ich meine die Ueberraschungslüge, d. hdie fortgesetzte Reihe von Täuschungen, die sich Kinder gegen ihre Eltern unter stillschweigender oder ausdrücklicherZustimmung derselben erlauben, und zwar um ihnen zu Geburtstagen oder sonstigen Gelegenheiten eine sogenannte Ueberraschung zu bereiten. Da werden Wochen und Monate hindurch Unwahrheiten und vorbedachte Täuschungen gesponnen, die das Kind mit Wissen und Willen der Mutter, und daher mit leichtem Herzen, gegen den Vater in Bewegung setzt, um ihn über seine Absicht, ihm Freude zu machen, irre zu führen. Da geht auch der Vater, der die heimliche Bewegung der Seinigen längst gemerkt und durchschaut hat, auf den wohlwollenden Plan der