Einladungsschrift zu der am ... stattfindenden öffentlichen Prüfung der Bürger- und Real-Schule der Israel. Gemeinde
- Journal
- Einladungsschrift zu der am ... stattfindenden öffentlichen Prüfung der Bürger- und Real-Schule der Israel. Gemeinde
- Volume
- 1859
- Date
- 1859-01-01
- Page
- Seite 12 (sequence 16)
- Language
- German
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12 Die Treue der Gattin ist die natürliche undnothwendige Frucht der Blüthe, die wir in der sittigen Jungfräulichkeit des Mädchens kennen gelernt. Sie ist aber keineswegs nur eine negative Tugend, indem sie einen sichern Schutz gegen Untreue der Gedanken und der That darbietet; ihr positiver Werth beruht in der freien ausschließlichen uud selbstlosen Hingebung an die Person des Gatten, in denr unbedingten Anschluß an die Gestaltung und an alle Elemente seines Lebens, durch welchen alle Freuden und Leider: des Lebens zu gemeinsamen werden und diese Gemeinsamkeit desselber: endlich zu einer wahrhaft sittlichen Einheit des Daseins führt. Die Treue der Gattin ist das Einpflanzen ihres Wesens und ihres Lebens in das Wesen und in das Leben des Gatten, die untrennbare Verknüpfung ihres Seins mit den: seinigen, das Verzichten auf eine besondere Existenz wie auf einen besondern Namen, das sich Vertiefen und Versenken in die Eigenthümlichkeiten und Besonderheiten, in die Wünsche und Neigungen, selbst in die Schwächen und Launen des Gatten; aber nicht um sich in demselben aufzugeben und zu verlieren, sondern um sich mit demselben zu einem höheren und reicheren gemeinsamen Leben zu vereinigen. Die Treue der Gattin soll das Leben des Gatten mit den: Gefühl des wohlthuenden weiblichen Antheils an allen Bewegungen und Regungen desselben durchdringen, um durch weibliche Sanftmuth und Anmuth seine Rauheiten zu ebnen, seine Härten zu mildern, seine Herbheiten zu sänftigen. — Ich spreche wiederholt die Ueberzeugung aus, daß diese Treue nur möglich ist, wo die Sittigkeit der Jungfrau die zarte Blüthe des weiblichen Empfindens vor fremdartiger und dreister Berührung geschützt hat, bis sie sich der unbedingten Hingebung an den Gatten erschließen konnte, den: sie nun auch mit der unverkümmerten Kraft ihrer weiblichen Treue angehören kann. Ich füge hinzu, daß diese Treue gegen den Gatten