Einladungsschrift zu der am ... stattfindenden öffentlichen Prüfung der Bürger- und Real-Schule der Israel. Gemeinde
- Journal
- Einladungsschrift zu der am ... stattfindenden öffentlichen Prüfung der Bürger- und Real-Schule der Israel. Gemeinde
- Volume
- 1859
- Date
- 1859-01-01
- Page
- Seite 10 (sequence 14)
- Language
- German
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10 Lebens nur das zu übertragen haben, was sie sich im engern Kreis der Familie angeeignet hat. Welcher Tugenden aber bedarf die gehorsame und ehrfurchtsvolle Tochter, die liebreiche und dienstfertige Schwester, um sich zur sittigen Jungfrau zu entfaltend Keiner, die sie sich noch besonders anzueignen hätte, sondern nur des sorgsamen Schußes vor den Fehlern und Verirrungen, durch die ihre natürliche Entfaltung getrübt, verkümmert und irre geleitet werden könnte. Denn sittige Mädchenhaftigkeit ist eben des sich entfaltenden weiblichen Wesens natürliches Eigenthum, sie braucht nicht erworben zu werden, wo diese Entfaltung eine naturgemäße ist; und sie kann nicht erworben, nicht errungen werden, wo diese naturgemäße Entwickelung verloren gegangen ist. Die Aufgabe der weiblichen Erziehung für diesen Zweck kann daher nur eine wahrende und schützende sein. Wo die ehrfurchtsvolle Scheu gegen Vater und Mutter noch im Gemüth des Mädchens lebendig ist, da wird auch jene rückhaltende Schüchternhett nicht fehlen, die des Mädchens schönster Schmuck und sicherster Schutz in diesem Lebensalter ist. Wenn der mütterliche Stolz es sich streng versagt, mit der reizenden Naivetät des Kindes und mit der aufblühenden Knospe der jungfräulichen Schönheit zu prunken, so wird der stille Wunsch zu gefallen nicht leicht in die flammende Leidenschaft der eitlen Gefallsucht ausarten. Wenn der Moment, in welchem die sinnige Blüthe der Jungfräulichkeit, sich den Eindrücken eines neuen Empfindens erschließt, für die wachenden Eltern eine Aufforderring zum sorgsamsten Schuß und nicht zur plötzlichen Hingabe an die ganze Macht dieser Eindrücke ist, die gleichzeitig aus dem Gebiet der Wirklichkeit und der Phantasie auf sie einstürmen — so wird diese zarte Blüthe sich vor jeder rauhen und dreisten Berührung der fremden Leidenschaft und vor dem Gifthauch des eigenen unlautern Empfindens von selbst verschließen. Wenn der sogenannte Eintritt in die Welt nicht durch