Einladungsschrift zu der am ... statt habenden öffentlichen Prüfung in der Bürger- und Realschule der Israelitischen Gemeinde
- Journal
- Einladungsschrift zu der am ... statt habenden öffentlichen Prüfung in der Bürger- und Realschule der Israelitischen Gemeinde
- Volume
- 1853
- Date
- 1853-01-01
- Page
- Seite 8 (sequence 12)
- Language
- German
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vollständig ausgeübt wird, und selbst in denjenigen Karakterert, die sie beherrscht, immer noch irgend eine Unvollkommenheit, ein Mangel an vollkommener Uebereinstimmung bleibt, woraus das Bedürfniß der Herabwürdigung einen Vortheil zu ziehen weiß. Die Gefühle der Großmuth und des Vertrauens, die edle Haltung der Einfachheit erregen ihr mitleidiges Lächeln; die Maximen der Weisheit erklären sie für eitle Abstraktionen, die kleinsten Schwächen großer Männer sind ihnen Gegenstände des Triumphes. Sie ärndten allerdings einigen frivolen und gemeinen Beifall ein, der ja auch den Kunstspringern gezollt wird; leichtfertige Menschen finden bei ihnen das Pikante der Abwechslung, den Reiz der Contraste und der Neuheit; denn was könnte wohl neuer sein, als das Umstürzen ewiger Wahrheiten? Der Haufe freut sich, wenn das Hohe vom Throne gestoßen wird, wie Kinder die Zerstörung lieben. Ueberdies wird es manchem Zuschauer nicht unwillkommen sein, die Muster herabgewürdigt zu sehen, denen er sich nicht zu nähern wagt und die durch die Verdammung seiner Feigheit seine Eigenliebe demüthigen. Diese Geißel wird sich besonders in jenen gesellschaftlichen Zuständen zeigen, wo die Genüsse des Geistes mehr ein Spiel, gls eine Beschäftigung geworden sind, und sich zur Frivolität der Sitten gesellen; wo die Geister, durch den Mißbrauch des Vergnügens entnervt, durch Uebersättigung und Ueberdruß ermüdet, der Energie, die nach dem Großen strebt, unfähig, aber dennoch von einer unruhigen Thätigkeit gequält, das Neue, das sie suchen, ohne Anstrengung erlangen möchten; wo die verwickelten gesellschaftlichen Beziehungen, die beständige Reibung der Individuen den Erfolg jener feinen Beobachtungen befördern, die darin bestehen, in den Gegenständen, Lagen und Karakteren die flüchtigsten Nüancen zu erfassen. Beobachten wir, wie die Natur bei den zahllosen Umwandlungen, denen sie die organisirten Substanzen unterwirft, zu Werke geht, wie sie beständig auflöft, um zu verbinden, zer-