Einladungsschrift zu der am ... statt habenden öffentlichen Prüfung in der Bürger- und Realschule der Israelitischen Gemeinde
- Journal
- Einladungsschrift zu der am ... statt habenden öffentlichen Prüfung in der Bürger- und Realschule der Israelitischen Gemeinde
- Volume
- 1853
- Date
- 1853-01-01
- Page
- Seite 6 (sequence 10)
- Language
- German
- Belongs to
- journal volume
- OCR quality
- 97% known words query
- IRI
…/9643693-7657704--131-7657712- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
OCR text
mmg biete, aber eine Hülfe, die wir m der Erziehung geltend machen muffen. Daraus entspringt die Notwendigkeit der Beobachtung geregelter Vorschriften, die wir in der Bildung des Geistes anwenden muffen, wenn wir das Ziel der menschlichen Bestimmung erreichen sollen. Schon an und für sich zielt die Bildung des Verstandes, wenn sie gut geleitet wird, darauf hin, das Gefühl des Edlen, Reinen und Ausgezeichneten zu nähren; sie führt beständig zum Wahren, dem Wesen des Guten, und zum Schönen, welches der Schmuck deffelben ist; sie erzeugt daher ein Bedürfniß, ein Vorgefühl, einen Vorgeschmack der Tugend; sie wird die Liebe zu derselben im Herzen unterhalten, wenn deren heiliges Feuer in daffelbe eingedrungen sein wird; sie wird deren Ausübung leichter und angenehmer machen, mit festen Banden an sie fesseln. Da das Gefühl des Wahren und Guten, seinem eigentlichen Wesen nach, uninteressirt ist, fo stimmt es die Seele für die edlen Regungen und bereitet sie zu Handlungen der Aufopferung vor. Befragen wir uns selbst in jenen Momentenfriedlicher Sammlung, in denen wir, der Erforschung der Schätze der Intelligenz nachforschend, bei glücklichem Erfolge ihren Vollgenuß kosten, und die Spuren des Genies verfolgend und seine Lehren sammelnd, unsern Geist von einer neuen Wahrheit, von einem erhabenen Gedanken ergriffen fühlen — wie alsdann weit von uns entfernt sind jene, vom Hauche der Leidenschaften beunruhigten, von der gierigen Selbstsucht ausgetrockneten Regionen. Liegt nicht in der tiefen Ueberzeugung, die durch das Wahre, in der Erregung, die durch das Schöne hervorgebracht wird, eine verborgene Gewalt, die uns fähiger macht, das Ehrbare, Gerechte, Lobenswerthe, der sittlichen Ordnung Gemäße zu empfinden? Böte sich, in einem solchen Momente, die Gelegenheit, eine gute Handlung auszuüben, würden wir sie nicht mit einem wärmern Eifer ergreifen? Das Wahre trägt den Karakter des Ehrwürdigen an sich, das in der Seele die Stimmung zur Verehrung Hervorrust, das Schöne den Karakter des