Einladungsschrift zu der am ... statt habenden öffentlichen Prüfung in der Bürger- und Realschule der Israelitischen Gemeinde
- Journal
- Einladungsschrift zu der am ... statt habenden öffentlichen Prüfung in der Bürger- und Realschule der Israelitischen Gemeinde
- Volume
- 1852
- Date
- 1852-01-01
- Page
- Seite 5 (sequence 5)
- Language
- German
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same Weise wird die Empfindung, nachdem sie aufgehört hat, eine angenehme zu sein, ja selbst die ursprünglich gleichgültige, durch die gewohnte Wiederholung zum Bedürfnisse; sie gewährt keinen Genuß mehr, aber man kann sie nicht entbehren. Auf diese Weise entstehen die künstlichen Bedürfnisse; die Genüsse nützen sich ab, werden aber zugleich zu eben so vielen Fesseln. Die Thätigkeit unserer Organe wird durch die Wiederholung viel leichter und dadurch auch viel rascher. Sie wird so leicht, daß sie gleichsam von selbst vor sich geht, ohne daß die Ueberlegung dabei mitwirkt. Wer kennt nicht die ans Wunderbare grenzenden Erscheinungen der durch Uebung erworbenen Gewohnheiten? Wir sehen ja oft genug Beispiele derselben in den Kunststücken der körperlichen Gewandtheit, in den verschiedenen mechanischen Gewerben. Die durch häufige Wiederholung in Gewohnheiten umgewandelten äußerlichen Bewegungen gehorchen nicht allein aufs Schnellste dem Winke unseres Willens, sie kommen selbst demselben zuvor, sie kommen sogar gegen sein Verlangen zum Vorschein, sobald Zeit, Ort und andere Umstände, mit denen sie verbunden sind, wieder erscheinen. Sie werden automatisch und sind kaum mehr von denen zu unterscheiden, die zu den Lebensfunctionen gehören. Jede entgegengesetzte Bewegung wird zur Unmöglichkeit. So werden diese Gewohnheiten ein Widerstand, ein Hinderniß bei der Ausführung gewisser willkührlicher Vorsätze. Die Einbildungskraft, insofern sie eine passive Fähigkeit ist, erleidet von der öftern Wiederholung ähnliche Wirkungen, wie das Gefühlsvermögen. Die Gewohnheit macht den Glanz ihrer Gemälde erblassen und deren Farben allma'hlig erlöschen. In so fern aber die Einbildungskraft ein actives Vermögen ist, erhält sie, durch häufige Uebung, einen immer steigenden