Einladungsschrift zu der auf den ... statthabenden öffentlichen Prüfung in der Israelitischen Realschule
- Journal
- Einladungsschrift zu der auf den ... statthabenden öffentlichen Prüfung in der Israelitischen Realschule
- Volume
- 1851
- Date
- 1851-01-01
- Page
- Seite 18 (sequence 18)
- Language
- German
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18 Wenn bei den Knaben manche Verhältnisse das zu frühe Austreten entschuldigen mögen, so ist das bei den Mädchen nicht der Fall und fand auch früherhin im Allgemeinen nicht statt. Ob die Aeltern in ihrern und im Interesse ihrer Töchter handeln, wenn sie dieselben frühzeitig als erwachsene Mädchen auftreten lassen, möchten wir sehr bezweifeln; die Erfahrung scheint nicht dafür zu sprechen. Diese wird auch Jeden, der eines richtigen und unbefangenen Urtheils fähig ist und Gelegenheit hat, Vergleichungen anzustellen, überzeugen, daß es eine ganz andere Bildungsstufe ist, auf welcher die Mädchen stehen, die den Unterricht aller Curse genossen haben. Ein solches Mädchen bedarf, wenn ihr Bestreben zur eignen Fortbildung ermuntert wird, keines weitern Privatunterrichts, als etwa den einer fremden Sprache, wenn eine größere Vervollkommnung in derselben für nothwendig erachtet würde. Die erlangte festere Grundlage in den wahrhaft geistbildenden Kenntnissen wird sie über das alltägliche Treiben erheben; sie wird an dem gewöhnlichen leeren und faden Geschwätze keinen Geschmack finden, sondern edlere Mittel der Unterhaltung zu wählen suchen und sich einst als Weib von gediegener Geistesbildung bewähren. Bei den vor der Zeit Austretenden wird das noch nicht begründete Wissen, unter dem alltäglichen Treiben der Umgebung, bald verloren gehen und der etwaige Privatunterricht in fremden Sprachen, wie er gewöhnlich ertheilt wird, die wahre Bildung nur wenig fördern. Die schon aus der zweiten Klasse Austretenden muß die Schule als durchaus unreif erklären und jede Verantwortlichkeit über dieselben ablehnen. Als einen Gegenstand der ernftlichsten Aufmerksamkeit müssen wir endlich den Aeltern die Unterhaltungs-Lectüre ihrer Kinder ans Herz legen. Wir waren in der letzten Zeit öfter in die Nothwendigkeit versetzt, den Kindern während des Unterrichts Bücher wegzunehmen, die sie in die Schule gebracht hatten, in denen sie lasen, wenn sie unbemerkt zu sein glaubten. Diese Lesesucht stört die Aufmerksamkeit auf den Unterricht, gewöhnt an