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Einladungsschrift zu der am ... stattfindenden öffentlichen Prüfung der Real- und Volksschule der Israelitischen Gemeinde zu Frankfurt am Main · 1850-01-01 · 1850 · p. [Seite]

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Journal
Einladungsschrift zu der am ... stattfindenden öffentlichen Prüfung der Real- und Volksschule der Israelitischen Gemeinde zu Frankfurt am Main
Volume
1850
Date
1850-01-01
Page
[Seite] (sequence 3)
Language
German
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IRI
…/9643684-7657613--0004-7657616
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Awei unerläßliche Bedingungen bilden die Basis unserer sittlichen Vervollkommnung. Wir müssen erstens fähig sein, uns das zum Ziel zu setzen, was an und für sich daö Beste ist, und wir müssen zweitens im Stande sein, es zu erreichen, oder mit andern Worten: wir müssen die Freiheit zu wählen besitzen und die Freiheit, unserer Wahl gemäß zu handeln. Unsere moralische Vervollkommnung scheint demnach von zwei moralischen Kräften abzuhängen: von der Liebe zum Guten und von der Selbstbeherrschung. Die Liebe zum Guten ist das Lebensprincip der Menschennatur, die Quelle alles Dessen, was sie Großes und Gemeinnützliches vollbringt, sie ist die Seele des Heroismus und der Genius der Tugend; sie ist der Herd unserer moralischen Thätigkeit. Versuchen wir, uns der Vorurtheile, die uns beengen, zu entkleiden, und fragen wir uns, worin der wahre Werth der menschlichen Dinge bestehe, wie man die innere Zufriedenheit erlange — wir werden sie in den Genüssen finden, welche die Liebe zum Guten gewährt. Fragen wir, was auf Erden die meisten und dauerhaftesten Wohlthaten verbreite — wir werden es in den Früchten der Liebe zum Guten finden. Sie ist es, welche die Selbstliebe läutert und veredelt, aber mit dem Egoismus, mit der rohen, auöschließenden Personalität in beständigem Kriege ist; man könnte sie das in's Leben getretene und thätig gewordene Gewissen nennen. Die Selbstbeherrschung aber ist der Hebel, mit dessen Hülfe wir das vollbringen, was die Liebe zum Guten uns eingibt, indem der Mensch über seine Organe gebietet, seine Neigungen und seine Vorstellungen leitet und beherrscht. Er herrscht über sein Inneres als rechtmäßiger König. So wie aber jede Autorität es nur vermöge des Gesetzes sein soll, das sie zu promulgiren und dessen Ausübung sie zu leiten hat, so soll auch der Mensch die Herrschaft über sich, die ihm anvertraut ist, nach den Gesetzen ausüben, die seiner Natur vorgeschrieben sind, und diese sind keine andern, als die des Sittengesetzes, oder der Pflicht.

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