Einladungsschrift zu der auf den ... statthabenden öffentlichen Prüfung in der Real- und Volksschule der Israelitischen Gemeinde
- Journal
- Einladungsschrift zu der auf den ... statthabenden öffentlichen Prüfung in der Real- und Volksschule der Israelitischen Gemeinde
- Volume
- 1843
- Date
- 1843-01-01
- Page
- Seite 5 (sequence 9)
- Language
- German
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von Jahren hindurch anhaltende Anstrengung erforderlick ist, um es zu einer nur mittelmäßigen Stufezu bringen und im Stande zu sein, die modernen Compositionen erträglich vorzutragen. Da sttzt nun die kleine Klavierspielerinn zwei bis drei Stunden des Tages am Instrumente, macht Fingerübungen über Fingerübungen, übt Etüden über Etüden, widerholt einzelne Passagen bis in die hundertmal, stch und den Hörern zur wahren Qual, bis sie endlich eines jener brillanten Rondo's, eine jener mit Schwierigkeiten überhäuften Variationen in die Finger gebracht und sich damit in einer Gesellschaft produciren kann. Ein geheuchelter oder aufrichtiger Beifall, eine Bewunderung der Geläufigkeit und Kunstfertigkeit der jungen Klavierspielerinn ist dann der Lohn, der ihr für ihre große Anstrengung zu Theil wird, eine Anstrengung, die ihr keine innere Befriedigung, keinen eigentlichen Genuß gewähren konnte. Nun geht es an ein anderes, noch schwierigeres Musikstück, das eine Reihe neuer anstrengender Uebungen fordert, um nach mehrern Monaten einen ähnlichen Lohn zu erringen. Und wie geringe ist dieser Lohn! Eine Andere läßt sich in derselben Gesellschaft hören, spielt dasselbe oder ein ähnliches Stück mit noch größerer Geläufigkeit und erntet größeren Beifall — zerstört ist nun der Ersten der Genuß, der nur aus der Befriedigung der Eitelkeit entsprang und man verliert die Lust an einer Kunst, die immer neue Anstrengung verlangt, um zuletzt eine unbefriedigte oder gekränkte Eitelkeit zu hinterlassen. Während des Einstudirens neuer Eompositionen muß das früher Erlernte und Eiugeübte beständig wiederholt werden, um nicht aus den Fingern zu kommen; das eigentliche Wesen der Musik hat man nicht begriffen, noch weniger ist man im Stande, ein kunstgerechtes oder nur sachverständiges Urtheil zu fällen; einen innern Genuß hat sie weder dem Lehrling, noch seiner nächsten Umgebung gewährt. Wenn nun die Lehrstunden aufhören oder wenn man in Lebensverhältnisse cintritt, die nicht mehr gestatten, viel Zeit auf das Einstudiren zu verwenden, so wird eine schöne Kunst bei Seite gelegt, die sich dem Lehrling kemesweges als eine schöne Kunst, als eine das Leben erheiternde himmlische Muse zeigte, vielmehr nur Mühe und Langweile in ihrem Gefolge hatte. Sie hat dann nur dazu gedient, eine Eitelkeit zu nähren, die in unserer Erziehung ohnehin von allen Seiten angeregt wird.