Einladungsschrift zu der am ... statt habenden öffentlichen Prüfung in der Bürger- und Realschule der Israelitischen Gemeinde
- Journal
- Einladungsschrift zu der am ... statt habenden öffentlichen Prüfung in der Bürger- und Realschule der Israelitischen Gemeinde
- Volume
- 1836
- Date
- 1836-01-01
- Page
- Seite 13 (sequence 13)
- Language
- German
- Belongs to
- journal volume
- OCR quality
- 98% known words query
- IRI
…/9643693-7657408--045-7657421- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
OCR text
13 Wissenstrieb des Geistes im Allgemeinen in Bewegung zu setzen, die daraus entspringende Begierde nach geistiger Thä'tigkeit zu erregen und in die Lotterie der künftigen Talente einzusetzen, so darf man nichts thun, was gegen die Gesetze der Einbildungskraft verstößt. Wer weiß es nicht, wie leicht diese Seelenkraft geschwächt werden kann? Wem ist es unbekannt, wie dieses launige Wesen eben durch die Mühe, die man sich gibt, es iw beständigen Schwung zu setzen, steif und unbiegsam wird? Das beste Mittel irgend eine Luft zu gewissen Dingen einzuflößen, wäre, selbst diese Luft zu haben und das Kind an den Dingen Theil nehmen zu lassen, die wir zu unserm eignen Vergnügen treiben. Der Gedanke, daß seine Erzieher sich beständig mit ihm beschäftigen, kann wohl seine Dankbarkeit erregen, vermag aber nicht, die Richtung seiner Wünsche zu bestimmen. Sieht es aber, daß unsere Wißbegierde durch die Vorstellung einer zu machenden Beobachtung, durch die Hoffnung eine neue Erfahrung zu conftatiren, erweckt wird, so wird es suchen, uns in unfern Entdeckungen zuvorzukommen. Die Blumen, die wir pflegen, die Bienen, deren Arbeiten wir verfolgen, die Insekten, deren Lebenslauf wir beobachten, werden auch ihm Gegenstände von großem Interesse sein. Beispiel, Nachahmungstrieb, Wißbegierde werden zusammen wirken, diese, dem zarten Alter so natürlichen Triebfedern,, wo das Gefühl der Luft so lebhaft ist und die Vorstellungen von dem Nutzen der Kenntnisse noch so verwirrt sind. Sobald aber das Kind bemerkt, daß es immer unterrichtet wird, empfindet es einen unangenehmen Zwang und ist froh, wenn es sich von demselben los machen kann. So geschieht es, daß wir den Kindern oft durch unser stets fortgesetztes, ununterbrochenes Erziehen Ueberdruß einflößen.