Yediʿot shel Irgun ʿOle Breslau be-Yiśraʾel
- Journal
- Yediʿot shel Irgun ʿOle Breslau be-Yiśraʾel
- Volume
- 2008
- Issue
- No. 83 (2008)
- Date
- 2008-01-01
- Page
- Seite 2 (sequence 2)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
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2 , , , , , , ,, ,, ,, , ,, ,, Nach 70 Jahren! Als vor 70 Jahren, am 9. November 1938, die Synagogen brannten oder in die Luft gesprengt wurden, die Schaufenster jüdischer Geschäfte eingeschlagen wurden, Zehntausende jüdischer Männer in die Konzentrationslager verschleppt wurden und die deutsche Regierung Riesensummen jüdischen Vermögens konfiszierte, konnte man sich nicht des Gedankens erwehren, dass es sich hier um eine, bis ins kleinste organisierte Aktion gegen die jüdische Bevölkerung handelte, für die das Attentat auf den deutschen Diplomaten in Paris, vom Rath, nur ein Vorwand war. Wir bringen in dieser Nummer unserer Zeitung die Erinnerungen des so beliebten Lehrers, Herr Salo Sklarz, an dem jüdischen Gymnasium am Rhedigerplatz, an seine Inhaftierung in Buchenwald. Alle damals in den Konzentrationslagern verübten Grausamkeiten waren nur der Auftakt zu den immenschlichen Verbrechen in den Vernichtungslagern im Zweiten Weltkrieg, denen 6 Millionen unserer jüdischen Brüder und Schwestern zum Opfer fielen. Als Anfang 1939 die Opfer der Inhaftierung aus den Konzentrationslagern entlassen wurden, gelang es nur einem Teil dieser Menschen, Deutschland zu verlassen. Schon vorher waren die Untaten in diesen Lagern in aller Welt bekannt. Aber trotzdem waren keine Länder bereit, Flüchtlinge aus Deutschland - über eine bestimmte Quote hinaus - aufzunehmen und auch das war meistenteils mit einer geldlichen Garantie verbunden, die Viele nicht aufbringen konnten. England, das das Mandat über Erez-Israel hatte, verschloss die Tore der Einwanderung vor den jüdischen Flüchtlingen, trotzdem es als Mandatsregierung die Pflicht hatte, ihnen Zertifikate zu erteilen und sie so zu retten. Aber die Welt, die diesen Greueltaten tatenlos gegenüber stand, wurde wenige Jahre danach selbst das Opfer dieses unmenschlichen Regimes. Der 2. Weltkrieg, den Deutschland entfesselte, war der grausamste, den die Menschheit kannte. Millionen Menschen waren die Opfer eines Krieges, den ein Regime verursachte, das alle Menschenrechte mit Füßen trat. Wenn wir etwas aus dieser Zeit lernen können, ist es dies: Nicht zu ruhen und nicht zu rasten, wenn Menschenrechte nicht geachtet werden und dass der Staat Israel, die Heimstätte des jüdischen Volkes, in Ruhe und Frieden bestehen und sich entwickeln kann. M.E.H. Vom Vorstand (Fortsetzung von Seite 7) Friedhof Cosel Über Wroclaw und den Friedhof wird hier nach einem Besuch im Juni d. J. berichtet. Wir danken besonders Fr. Gosia Frackowiak, die diesem schönen und geheiligten Ort so viel Zeit u. Energie widmet, dem Aufseher, Herr Marek und den Freiwilligen, die mit ihrer körperlichen Arbeit diese Stätte pflegen. Wir müssen darauf bestehen, dass die Stadt Wroclaw der mittellosen jüdischen Gemeinde materielle Unterstützung leistet, um den Friedhof in würdiger Form zu erhalten. Wir wollen unserem Redakteur, Herrn Mordechai E.Hauschner, für die Leistung dieser grossen u. anregenden Ausgabe der Mitteilungen unseren Dank und unsere Hochachtung aussprechen, und ihm, zusammen mit seiner Gattin, weiter seelische u. körperliche Kraft wünschen. Urnen, sowie allen unseren Mitgliedern und Freunden, rufen wir zu: "Ketiwah veChatima Tova" für ein gutes und friedliches neues Jahr 5769. Willy Cohn kein Recht, nirgends Breslauer Tagebücher, 1933-1941 Eine Auswahl Herausgegeben von Norbert Conrads Norbert Conrads ist Professor em. für Geschichte der Frühen Neuzeit an der Universität Stuttgart. Unerwartet ist ein außergewöhnliches Tagebuch über Schicksal und Leid der Juden im nationalsozialistischen Deutschland bekannt geworden. Es zählt inzwischen zu den wichtigsten Zeugnissen der Zeit. In ihm beschreibt der Historiker und Studienrat Willy Colin (1888-1941) die Entrechtung und Verzweiflung der jüdischen Menschen in seiner Vaterstadt Breslau. Cohn war durch Beruf, wissenschaftliche Interessen, politische Ämter und die Aktivität in der jüdischen Gemeinde weit bekannt und gut informiert. Nicht zuletzt war er ein frommer Jude, der regelmäßig die Synagoge besuchte und dort die Neuigkeiten des jüdischen "Mundfunks" erfuhr. Das macht seine Tagebücher so gehaltvoll und bewegend. In der hier vorgenommenen Auswahl lässt sich daher nicht nur das Schicksal eines deutschen Juden und seiner Familie nachlesen. Cohn schildert auch, wie eine so bedeutende jüdische Gemeinschaft wie die Breslauer binnen weniger Jahre stigmatisiert, vertrieben, aufgelöst und eliminiert wurde. Der Autor und seine Familie haben es am eigenen Leibe erfahren müssen, sie wurden bereits Ende 1941 deportiert und ermordet. Da Willy Cohen zuletzt ahnte, was ihm bevorstand, fand er einen Weg zur Rettung seiner Tagebücher. Somit ließ sich wenigstens sein letzter Wunsch erfüllen, der Nachwelt berichten zu können, was jüdische Menschen im nationalsozialistischen Deutschland zu erleiden hatten.