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Yediʿot shel Irgun ʿOle Breslau be-Yiśraʾel · 2006-01-01 · No. 80 (2006) · p. Seite 20

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Journal
Yediʿot shel Irgun ʿOle Breslau be-Yiśraʾel
Volume
2006
Issue
No. 80 (2006)
Date
2006-01-01
Page
Seite 20 (sequence 20)
Language
German
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20 (Foriselzung von Seite 19) GERMANIA JUDAICA Kölner Bibliothek zur Geschichte des deutschen Judentums e.V Mordgeschehen Beteiligten wird sich nicht erschlossen haben, ob die Zuschauer nur neugierig oder gleichgültig waren, oder ob es ihnen, von innerem Entsetzen gelähmt, die Sprache verschlagen hat. Welzer geht in dieser Sache allerdings weiter. Ohne zwischen der Perspektive der Zuschauer, denen er ausdrücklich eine aktive Rolle zuweist, und der der Täter zu unterscheiden, behauptet er: "Der Vollzug der Tat stiftet Gemeinsamkeit [gemeint ist: zwischen den Tätern und den Zuschauern]; die Zuschauer bestätigen durch ihre Anwesenheit, dass das, was sich in der Arena abspielt, in Ordnung ist“ (S. 148). Mit Mallmann spricht er vom "Antisemitismus der Profiteure", in den er ausdrücklich den "Voyeurismus" einreiht (S. 189). So - und durch weitere einschlägige Wendungen - wird der Leser auf einen Abschnitt eingestimmt, der "Voyeurismus" betitelt ist (S. 203-206). Hier wird Welzers Methode unseriös. Eine kurze Einleitung betont den "Schauwert von offenbar hoher Attraktivität" an den Erschießungsgruben, so dass die Zuschauer sich an einem "Schauspiel extremer Gewalt" "delektieren", während sie von ihm "selber nicht betroffen sind". Zur Bestätigung und Illustration schließt er an dieser Stelle ein langes Zitat des Bauingenieurs Hermann Friedrich Gräbe an, der seine Beobachtungen und die seines Poliers Mönnikes bei der Ermordung der verbliebenen Juden von Dubno (Wolhynien) am 5. Oktober 1942 für den Nürnberger Militärgerichtshof 1945 niedergeschrieben hatte. Es ist übrigens Welzers einzige Quelle in diesem Abschnitt. Welzer streift Gräbes Entsetzen über diese Mordaktion in einem Aussagesatz von vier Worten, um dann die Faszination an der puren Gewalt-, die Befriedigung voyeuristischer Bedürfnisse, das Vergnügen an der Scham der entkleideten Opfer, den "thrill" an der Vorführung einseitiger Machtausübung wortreich auszubreiten. Wiederum betont Welzer die Funktion der Zuschauer, die allein durch ihre Anwesenheit und ihr angeblich "offenbares Interesse" einen sozialen Bestätigungsrahmen für die Massenmorde lieferten, während der einzelne Zuschauer sich die Legitimation seiner "Schaulust" durch die Gegenwar anderer Zuschauer wiederum bestätigen lassen könne. Das Problematische an Welzers Verfahren ist die Ausbeutung einer historischen Quelle zu Zwecken, die sie nicht hergibt, sondern die ihr vom Autor erst übergestülpt werden. Weder Gräbe noch Mönnikes begaben sich aus Schaulust zu den Gruben. In der von Welzer ausgesparten Eingangspassage der Erklärung spricht Gräbe von Mönnikes' Erschütterung über die Morde. Sie wird auch von einer zeitnah verfassten Notiz Gräbes - "Mönnikes fast wahnsinnig" - bestätigt, die in das Verfahren gegen den Gebietskommissar Marschall Eingang gefunden hat, von Welzer aber nicht ausgewertet wurde (LG Stade, 9 Ks 1/63). Mitarbeiterinnen von Gräbe haben bestätigt, dass dieser sie zu den Schauplätzen der Liquidationen von Dubno und Ostrog gefahren habe, damit sie später Zeugnis von den Verbrechen ablegen könnten. Welzer deutet Gräbes Quelle nicht aus, sondern legt seine Sicht in sie hinein. Das ist schamlos, weil er Gräbes altruistische Motive, von einer lapidaren Bemerkung abgesehen, nicht nur ausblendet, sondern darüber hinaus noch ihn und Mönnikes den F^ofiteuren des Antisemitismus und den konformen Voyeuren zuordnet. Das ist einer wissenschaftlich sauberen Umgangsweise mit historischen Quellen nicht angemessen. Für eine Neuauflage sollte diese ausschließlich auf Gräbes Quelle gestützte Abschnitt des dennoch anregenden, neue Horizonte eröffnenden Werkes revidiert werden. (Kalonymus, 8 Jahrgang 2005, Hefl 4) Schimon Wiesenthal s.A. Wie wir in unseren letzten “Mitteilungen” schon berichteten, starb im hohen Alter von 96 Jahren der berühmte Forscher der Nazizeit und des Holocaust. Wiesenthal wurde 1908 in Buczacz (Galizien) geboren, (wo auch Schmuei Joseph Agnon geboren wurde). Nach Abschluss seiner Studien als Architekt an der technischen Universität in Prag, lebte er bis zum Ausbruch des zweiten Weltkrieges in Lemberg. Zu diesem Zeitpunkt wurde er von der ukrainischen Polizei verhaftet und war bis zum Ende des Krieges in verschiedenen Konzentrations¬ und Arbeitslagern eingesperrt. Am 5. Mai 1945 wurde er durch das amerikanische Militär aus Mauthausen befreit. Nach dem Krieg beschäftigte er sich mit der Untersuchung und dem Verhör von Naziverbrechern. Zuerst arbeitete er in der Abteilung für Naziverbrecher beim amerikanischen Militär in Österreich. 1947 eröffnete er das jüdische Zentrum für historische Dokumentation in Linz (Österreich), welches im Jahr 1961 nach Wien überführt wurde. Im Jahre 1977 wurde das “Zentrum Schimon Wiesenthal zur Erforschung des Holocaust” an der “Jeschiwa-University” in Amerika, zu Ehren von Schimon Wiesenthal gegründet. Durch seine unermüdlichen Forschungen gelang es ihm, viele Naziverbrecher zur Strecke zu bringen und ihnen den Prozes zu machen. Ehre seinem Andenken! M.E. Unsere Leser schreiben: ... Es ist für mich immer eine grosse Freude, Ihre Mitteilungen zu bekommen. Je älter man wird, umso öfter und lieber denkt man an die Stadt, in der man aufgewachsen ist. Und dank Ihrer immer interessanten Artikel kann ich nicht nur Erinnerungen auffrischen, sondern lerne auch immer wieder etwas Neues dazu. Vielen Dank für Ihre grosse Arbeit. . . Mit freundlichen Grüssen und den besten Wünschen für die Zukunft! Dr. Wolfgang Schwarz Boelckestraße 13 D-76829 Landau/Pfalz Telefon 0 63 41 /45 14

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