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Yediʿot shel Irgun ʿOle Breslau be-Yiśraʾel · 2005-01-01 · No. 78 (2005) · p. Seite 20

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Journal
Yediʿot shel Irgun ʿOle Breslau be-Yiśraʾel
Volume
2005
Issue
No. 78 (2005)
Date
2005-01-01
Page
Seite 20 (sequence 20)
Language
German
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GERMANIA IUDAiCA fCölrci adr Gescfcui*i# tViuisckeu J«fcsikÄä8 c.V. 7oo^, (Fortsetzung von Seite 4) Palästinareise März-April 1926 Die Königsgräber sind eine der kunstvollsten Bauten aus der alten Zeit Jerusalems. Man glaubte lange, daß hier die Könige Judas begraben waren, erkannte aber später aus den Inschriften, daß es sich wahrscheinlich um eine Grabanlage der Königin Helena von Syrien handelt, die in Jerusalem Jüdin geworden war. Nun zu Schaare Zedek, einer Gründung wohltätiger Frankfurter Juden. Es ist ein großes, ganz modernes Krankenhaus auf streng religiöser Grundlage, noch größer als das Hadassah-Krankenhaus und nicht voll belegt. Da es Kranke in Jerusalem zur Genüge gibt, und die Entfernung von der Stadt auch nicht eine ausreichende Erklärung bietet, muß es wohl an der Organisation des Hauses selbst liegen.Die Einrichtungen sind erstklassig und überall herrschte peinliche Sauberkeit, die Krankenzimmer waren freundlich und luftig, an den Wänden hingen die Tafeln der Namen der (meist deutschen) Stifter. Mit besonderem Stolz zeigte man uns die Synagoge und die große Küche, in der zwei Herde, milchig und fleischig, standen. Das Amtszimmer des Verwalters war das historische Zimmer, in dem die Übergabe der Stadt an General Allenby 1917 unterzeichnet wurde. Das Krankenhaus hatte damals unter der Belagerung sehr zu leiden gehabt und wurde durch einige Schüsse beschädigt. Eine Kugel flog in den Operationssaal, während der Arzt gerade einen Kranken operierte, aber mitten im Klirren und Splittern nahm der Arzt den bewußtlosen Patienten auf den Arm und trug ihn die Treppe herunter, um die Operation unten fortzusetzen. Das Fremdenbuch war sehr interessant, neben Besuchern und Patienten aus aller Welt standen die Namen von General Allenby, von einem Hohenzollernprinzen, der sich hier an dieser so unarischen Stätte gegen Typhus impfen lassen mußte, von Herbert Samuel, Weizmann, Schönaich u.a.m. Wir waren nun reichlich müde und unternahmen nur noch am Abend einen Gang durch die Synagogen der Altstadt, um die verschiedenen Riten beim Freitagabendgottesdienst kennen zu lernen. Nach der Hurva besuchten wir ein sephardisches Bethaus, in dem es furchtbar laut zuging; denn die ganze Gemeinde betet mit lauter Stimme und sucht möglichst den Vorbeter zu überschreien. Es gibt wenig Sitzgelegenheiten, nur an den Wänden entlang stehen Polsterbänke, auf denen die Beter mit hochgezogenen Knien hocken. Die Gebetordnung ist der unsrigen sehr unähnlich. Es wird sehr viel Kaddisch und Schir-ha-schirim gesagt, jeder kleine Junge kann das Hohelied auswendig. Dann gingen wir zu dem Hof der Karäer, einer jüdischen Sekte, die sich ungefähr zur Zeit der Beendigung des babylonischen Talmuds abgespalten hat und die sowohl den Talmud als auch den gesamten Rabbinismus ablehnt. Sie geht wieder auf die Quelle, auf die Bibel zurück und sucht, gewissermaßen als Reaktion auf die gelehrte Art des damaligen Judentums, alles direkt aus der Schrift abzuleiten. Die Karäer haben deshalb ein in vielen abweichendes jüdisches Sittengesetz, bald schärfer, bald leichter als die andern Juden. Sie zünden z.B. am Freitagabend kein Licht an und essen am Schabbath nur Kaltes, entfernen sich auch nicht aus ihrer Wohnung. Andrerseits kennen sie nicht den Unterschied zwischen milchig und fleischig, sondern haben den Satz über das Böcklein, das man nicht in der Milch der Mutter kochen soll, dahin ausgelegt, dass sie überhaupt keine weiblichen Tiere schlachten. Ein Mann erklärte uns dies alles sehr bereitwillig in französischer Sprache und lud uns dann ein, dem Gebet beizuwohnen, das von drei Männern verrichtet wurde. Mehr Mitglieder hat die Gemeinde heute nicht, es sollen aber noch einige Karäer in Kairo, in Wien und andern europäischen Hauptstädten leben. Sie beteten die „Schemone Esre" und viele Psalmen. Hier hielten wir uns ziemlich lange auf, sodass wir zu den Kabbalisten zum Gottesdienst schon zu spät kamen. Wir sahen uns aber die vielen herumliegenden Gebetbücher an, die für ein einziges Gebet ein ganzes dickes Buch brauchen; denn nach den geheimnisvollen Lehren der Kabbala wohnt den einzelnen Worten und der bestimmten Anordnung von Wortgruppen mystische, wunderbare Kraft inne. Es wird z.B. ein Wort seitenlang wiederholt, damit sich der Beter ganz in seinen Klang vertiefe und mit seinem Sinne vollsauge, es werden bestimmte Wortfiguren zusammengestellt, deren Studium eine Lebensarbeit ist und die nur besonders Gelehrte und Erleuchtete zu deuten verstehen. Ein junger Mensch von 21 Jahren, jung verheiratet, gab uns darüber Auskunft, er trieb auch Kabbalastudium. „Viel Verstand und heiligen Geist muß man dazu haben" - sagte er - „nicht jeder ist gewürdigt." 8. Tag. Wir schlenderten nun wieder durch die Altstadt und besuchten den sogenannten deutschen Platz und das alte Krankenhaus Misqab-Ledach. Dieser Platz ist eigentlich ein großer Hof, von aschkenasischen, nicht nur deutschen Juden bewohnt, und die Häuser sind terrassenartig angelegt. Man geht eine Treppe herunter und sieht wieder einen Hof mit Häusern, sodass das Ganze den Eindruck von drei übereinander gebauten Städten macht, die miteinander in Verbindung stehen. Frau Jakoby traf hier zufällig einen Mann, dem sie ohne nähere Adresse einen Gruß hatte ausrichten sollen. Man hatte ihr nur gesagt „grüßen Sie Herrn XY in Jerusalem, Sie werden ihn schon finden." Und uns war es auch schon einige Male so gegangen, man findet in solchen Fällen immer, ob durch Zufall oder Fragen; denn ganz Jerusalem, ja selbst ganz Palästina lebt trotz aller Gegensätzlichkeiten wie eine große Familie, in der einer vom andern weiß. Dieses den Juden innewohnende Zusammenhanggefühl, das sie bewußt gar nicht immer wahr haben wollen, gibt immer wieder Mut, an den Zusammenschluß zu einem Volke zu glauben; denn gerade hier in Jerusalem sind die Juden so zersplittert, so streng abgesondert nach Heimatländern, Gewohnheiten und religiösen Anschauungen, daß man am Aufbauwerke verzweifeln müßte, wenn man nicht auf die Jugend und die Zukunft vertrauen würde. Und die jungen Menschen, die Unverknöcherten, von Vorurteil nicht Blinden, durch gemeinsame Sprache und Erziehung zu Trägern des neuen Volkstums zu machen, ist der wichtigste Teil des inneren Aufbaus!

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