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Yediʿot shel Irgun ʿOle Breslau be-Yiśraʾel · 2005-01-01 · No. 78 (2005) · p. Seite 2

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Journal
Yediʿot shel Irgun ʿOle Breslau be-Yiśraʾel
Volume
2005
Issue
No. 78 (2005)
Date
2005-01-01
Page
Seite 2 (sequence 2)
Language
German
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2 Palästinareise März*April 1926 Aus dem Reisetagebuch von Dr. Rachel Freund (Breslau, Pardes-Chana, Jerusalem) (Fortsetzung von "Mitteilungen" Nr. 76-77) 5. Tag Vormittags wollten wir uns die Anstalten der "Hadassa" ansehen, der zionistischen amerikanischen Frauengruppe, die für das Sanitätswesen beim Aufbauwerk Sorge trägt. Sie unterhält in Jerusalem ein Krankenhaus, eine Schwesternschule und ein Babyheim. Das Krankenhaus, nächst Schaare Zedek das größte in Jerusalem, liegt in einem schönen Garten, der zugleich als Warteraum für die Besucher der Poliklinik dient. Es wimmelte hier von Menschen, darunter waren auch Araber, besonders viel Augenkranke. Die Inneneinrichtung war durchaus modern europäisch (vielmehr wohl amerikanisch), helle große Krankenzimmer mit Drahtfenstern, die üblichen weißen Krankenbetten und Stühle, ein sehr schöner großer Operationssaal, gute Bibliothek und saubere Küche. Seit kurzer Zeit besitzt das Krankenhaus auch Apparate für Roentgendurchleuchtung und Strahlenbehandlung, die die Firma Siemens & Schuckert, Berlin, gestiftet hat. Selbstverständlich gehört auch ein Laboratorium und eine Apotheke dazu. Die Anstalt hat eine sehr gute Leitung und ist übervoll belegt. Mit Schulen hatten wir niemals Glück, auch in der Schwesternschule waren gerade Ferien und wir konnten uns nur die Einrichtung ansehen. Der Unterricht erfolgt in zwei Klassenräumen, in denen man Wachsmodelle des menschlichen Körpers in verschiedenen Altern sieht, alle Arten Verbände, Apparate, Medikamente. Die Schule ist sehr besucht, sie hat keinen Platz, um noch mehr Schülerinnen zu fassen und kommt einem dringenden Bedürfnis entgegen, da gut ausgebildete Schwestern gebraucht werden. Schließlich das Babyheim. Es liegt ziemlich weit außerhalb der Stadt und hat, obgleich nur für 15 Babys eingerichtet, ein Häuschen für sich. Hierher kamen solche, deren Eltern entweder krank oder zur Erziehung unfähig waren oder deren Mutter bei der Geburt das Leben gelassen hatte. Der soziale Hintergrund dieses Babyheims ist schrecklich, z.B. wickelte eine junge jemenitische Schwester ein kümmerliches Würmchen, und ich fragte zufällig nach der Herkunft des Kindes. "Die Mutter ist bei der Geburt irrsinnig geworden, der Vater tot", erwiderte man. Draußen in der Sonne lag unter Tüllschleiern ein kleines Zwillingspaar, das sehr kräftig aussah. Wir hatten uns schon lange vorgenommen, einmal zum Sonnenuntergang auf dem Ölberg zu sein, gingen also am Nachmittag an der nördlichen Stadtmauer entlang den gestrigen Weg ins Kidrontal hinunter und stiegen am Gethsemanehgarten, in dem eine russische Kirche mit vielen Zwiebeltürmchen steht, zum Ölberg hinauf. Der Weg ging steil empor und führte gerade auf eine kleine Moschee mit einem hohen, zylinderförmigen Turm, auf dem wir Menschen stehen sahen. Kurzentschlossen gingen wir auch herauf und drängten uns oben mit den andern in einem engen Rundgang, in dem die ganze Gesellschaft vorwärtsgehen musste, wenn jemand den Platz wechseln wollte. Die Aussicht war einzigartig und ließ sich mit keiner, die wir je gesehen hatten, an Schönheit vergleichen. Gegen Westen lag die ganze Stadt zu unsern Füßen, aus dem Kidrontal aufwachsend die Altstadt mit dem Tempelplatz, unübersehbar dahinter die neue Stadt mit vielen Türmen und Kuppeln, alles in ein gelbes, grelles Licht getaucht, mit scharfen, grauen Schatten dazwischen. Das Schönste war aber der Blick nach Osten. Dort übersah man die terassenartig immer tiefer werdenden Berge, die zur Jordanebene reichen, ganz unten ein Stückchen vom Toten Meer und dahinter die steile Wand des transjordanischen Gebirges. Der Himmel war tiefblau über uns, nach Osten zu gegen den Horizont immer röter werdend, und eine ganze Farbenskala von dunkelblau bis lila bis dunkelrot konnten wir bewundern,die mit jedem Augenblick an Intensität verlor und das blaue Tote Meer allmählich lila und schließlich grau erscheinen ließ. Während die Sonne im Westen schnell, fast ruckartig versank, hüllten sich die östlichen Berge in einen leichten Nebelschleier, die Nacht löschte die Farben fast ganz aus, und das eben noch so lebendige, von Buntheit leuchtende Bild wurde dunstig, nur die \ Linien und Formen des Gebirges blieben erkennbar. Die Landschaft hatte sich vor unseren . Augen vollkommen verwandelt, fast f plötzlich war es Abend, und wir suchten den Rückweg auf der unbeleuchteten, holprigen Straße, während hier und da! schon Sterne am Himmel erschienen. Als wir auf dem Hauptweg, ungefähr am Damaskustor waren, hatten sie schon ihr ganzes Aufgebot gesammelt und übersäten den schwarzen Himmel, an Licht mit dem Mond wetteifernd. Und den letzten Teil des Weges gingen wir wieder wie in Tageshelle. 6. Tag Ein Ausflug nach Hebron. - Frühzeitig brachen wir mit dem Auto auf, da wir auf dem Weg noch mehrere Stationen machen wollten. Zunächst an Rachels Grab, das i zwischen Jerusalem und Bethlehem hart! am Wege liegt, an dieser Straße, die Abraham, Isaak und Jakob gezogen sind, und um die sich der Schauplatz der ganzen; Patriarchengeschichte gruppiert. Bethlehem i ist ja das alte Ephrat, in der Nähe von Hebron lag der Hain Mamre und in Hebron selbst ist noch heute die Höhle Machpelah j zu sehen, das Erbbegräbnis, das Abraham für sich und seine Kinder kaufte. Rachels Grab gehört der Jerusalemer jüdischen Gemeinde und ist allen Andersgläubigen zugänglich. Montefiore hat dort einen j schönen Steinbau, einen Würfel mit i Kuppeldach, errichten lassen, und man j kommt durch einen offenen Vorraum in das eigentliche Grabzimmer. In diesem befand sich der gemauerte gewölbte Sarkophag, an dem Frauen, arabische und jüdische, betend standen, weinten und ihr Leid ausschütteten; denn das Grab der Stammutter ist ein Platz ganz besonderer Gnade, wer hier betet, wird von seinem Kummer erlöst. In dem Raum brannten viele Seelenlichtchen, und die Wände hatten (Fortsetzung auf Seite 3)

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