Yediʿot shel Irgun ʿOle Breslau be-Yiśraʾel
- Journal
- Yediʿot shel Irgun ʿOle Breslau be-Yiśraʾel
- Volume
- 1962
- Issue
- No. 6-7 (1962)
- Date
- 1962-01-01
- Page
- [Seite] (sequence 3162)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
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CfcKMAs IA JUDAICA bHivnj \Hbvu iiain iw my>-r> MITTEILUNGEN No. 6 -7 DES VERBANDES EHEMALIGER BRESLAUER IN ISRAEL E. V. Und Schlesier — Gegruendet 1958 (rr’Pn) In Tel-Aviv Zahlungen an Dr. Wilhelm Freyhan, Tel-Aviv, 4 Lord Byron St. oder Bank Leumi, Tel-Aviv, Brauch Trumpeldor, Ben Jehuda Rd. 17. Konto: Verband ehemaliger Breslauer EV. Dr. Wilh. Freyhan. Aktions-Comite: Dr. William (Seev) Boss, Heinrich H. Cohn, Arthur Dombrowcky, Dr. W. Freyhan, Dr. B. Grzebinasch, N. Heymann, Dr. Th. Rosenthal, Dr. S. Schmerei, Julius Sachs, Ernst Tauber. Die Frühlings - Monate \”3I1)J1 |Dal - HIN - H3UJ Die Bibel und das spätere jüdische Schrifttum kennen eine Anzahl von Fast- und Festtagen sowie Halbfeiertagen. Der Kalender des jüdischen Jahres ist ein immerwährendes Auf und Ab im Leben des Juden. Jeder Monatsanfang ttnri BWl war als Halbfeiertag verordnet, der wahrscheinlich im alten Israel noch feierlicher und strenger beobachtet wurde als heute. In späterer Zeit, ging ihm eine Art Fast- und Busstag voraus |up 1123 py>( , der den Juden vor Augen führen sollte, das wiederum eine kurze Zeitspanne seines Lebens abgelaufen, auf welche er einen Rückblick zu werfen und zu prüfen hat, ob sie im Sinne seines Schöpfers ausgefüllt — ob sie sinnvoll gelebt — durchlebt war. Noch heute wird in vielen Jüdischen Gemeinden dieser Tag durch eine Reihe Buss- und Bittgebete sowie Zitate der Erinnerungen an das Heiligtum in Jerusalem im G’ttesdienst begangen. Das jüdische Frühlingsvierteljahr der 3 Monate )D’i _ nx _ D3E; ist durch einen Aufstieg im Zeichen der Halbfeste und Feste gekennzeichnet. Mit dem Neujahrfest der Bäume — dem 15. Schwat — will der jüdische Kalender uns zum Bewusstsein bringen, dass auch die scheinbar tote Natur nicht für immer in ihrer Erstarrung verharren wird — das Fest fällt auf der nördlichen Halbkugel, das ist in den Zonen, wo zurzeit der niWb Juden wohnten — meist in die strenge Winterzeit. Vielmehr liegt schon in dieser der neue Keim zum Leben, der dem Menschen das ewige Wiedererstehen aus dem scheinbaren Nichts zu neuem Leben vor Augen führen soll. Und dem noch lauter und munterer gefeierten Purim, dem frohen Dankfest für die Errettung aus einer der zahllosen Judenverfolgungen, welchen das jüdische Volk seit den Tagen seiner Volkswerdung ausgesetzt war, im Monat Adar, geht der Fasttag des 13. Adar — das Fasten zur Erinnerung an die Königin Ester voraus. Auch hier der unmittelbare Aufschwung aus den Tiefen des irdischen Seins — Fasten und Busse —• zur ausgelassenen Fröhlichkeit und Freude und Dankbarkeit gegen seinen Retter. Die Geschichte des jüdischen Volkes setzt sich in seinen Festen fort. Einer der Höhepunkte — der Monat Nissan — feiert das Befreiungsfest das seinerseits einen der Höhepunkte des jüdischen Jahres, des jüdischen Hauses und vor allem der jüdischen Familie bildet. Auch dieses Fest ist neben seiner historischen Bedeutung ein Fest der Naturfreuden, ein Frühlingsfest, in Israel das erste Erntefest des Jahres. So ist der Jude eng mit der Natur verbunden, die ihn immer wieder von neuem ihre Schätze und Wunder zeigt und — ihren Schöpfer ahnen lässt. Diese Verbundenheit des Juden mit der Natur war seit urdenklicher Zeit eine gegebene. Als Bauemvolk war es mit seinem Boden eng verbunden. Sonne und Regen zur rechten Zeit: das waren die Faktoren, von denen sein Wohlstand, seine ganze Existenz abhing. Es ist nur natürlich, dass eine tiefe Religiosität mit dieser Naturverbundenheit Hand in Hand ging. Ein Sich-eng-Anschliessen an seinen G’tt, eben den Schöpfer dieser Natur war die notwendige Folge, um dieses Volk zum Träger und Künder des Gedankens von einem einig-einzigen G’tt für alle Zukunft zu machen. Aber diese Paarung von Naturerkenntnis und G’tteserkenntnis konnte nur Bestand haben, wenn sie von einer gesetzlichen Regelung des Lebens unterbaut war, nachdem das Nomadenleben von dem Kulturleben eines sesshaften Bauernvolkes abgelöst worden war. Nicht jeder, der seinen G’tt erfühlt, ist fähig, diesem Gefühl — das ja auch eine Erkenntnis ist — Ausdruck zu geben. Daher haben un- Im Hause von Herrn Mosche (Martin) und Frau Dr. Rachel Freund Jerusalem versammelten sich am Mozae Schabbath 8.12.62 mehr als 50 ehemalige Breslauer, um von den Gastgebern einen Bericht über „Eindrücke von einem Besuch in Breslau—Wroclaw, Juli 1962” zu hören. Herr und Frau Freund schilderten abwechselnd in eindrucksvoller Weise ihre Erlebnisse. Ihr Entschluss, Breslau Wiedersehen zu wollen, entsprang dem Wunsche, die Gräber ihrer Angehörigen aufzusuchen. Das polnische Visum erhielten sie nach zweiwöchigem Warten in Wien. Um nach Breslau zu gelangen, flogen sie von Wien nach Warschau und von dort nach Breslau. Dort verbrachten sie fünf Tage, während derer sie im „Monopol” Hotel untergebracht waren, das heute als staatliches Touristenhotel dient. Vieles, was sie wiederzusehen hofften, fanden sie nicht mehr vor. Viele Strassenzüge, besonders im Süden, sind zerstört und noch nicht wiederaufgebaut worden. Aber auch in der inneren Stadt fehlen manche Strassen vollständig. Doch ist auch viel Aufbauarbeit geleistet worden, um die Stadt, die heute etwa 400.000 Einwohner zählt, wieder zu einem Handels -und Verkehrszentrum zu machen. Der Ring, von dem zwei Seiten schwer beschädigt waren, ist in alter Schönheit wiederhergestellt. Rathaus, Universität, Dominsel, Stadttheater, Jahrhunderthalle, Regierungsgebäude (jetzt Museum), Postscheckamt, Oberbergamt, Wasserturm, Kaufhaus von Petersdorff, Johannes- und Zwinger-Gymnasium stesere Weisen durch bestimmte Verordnungen, die sie im Sinne der einstigen sinaitischen Offenbarung trafen, den Menschen den Weg zu zeigen gesucht, den derjenige, der hören und verstehen will, beschreiten kann, um sich seinem G’tt zu nähern. Sei es in der Zwiesprache mit seinem Schöpfer, sei es ln der Hochstimmung mit Gleichgesinnten — immer wieder kann und muss der Mensch in einer ihm verständlichen äusseren — nicht äusserlichen — Form seinen Gedanken Ausdruck geben. Zu diesen Formen gehören auch die im Jüdischen Kalender hervorgehobenen Halbfeste und Vollfeste, die uns die Möglichkeit geben, uns zu einer höheren Lebensanschauung zu erheben. Sie sind nicht um ihrer selbst willen gegeben, sie dienen nicht zur Befriedigung G'ttes — sie sind ausschliesslich für den Menschen da — zur Erfüllung nud Vertiefung seines Lebens. Dr. W. F. hen unversehrt. Die Brücken über die Oder sind erhalten geblieben bezw. wieder hergestellt. Vom Schloss steht nur eine ausgebrannte Fassade. Der Schlossplatz ist zu einer Grünanlage und einem Sportplatz umgestaltet worden. Oder und Stadtgraben haben ihren alten Reiz nicht verloren. Die Geschäfte in d. Innen, stadt haben sorgfältig dekorierte Schaufenster. Die Menschen sind ordentlich gekleidet und sehen zufrieden aus. Soweit von den allgemeinen Eindrücken. Der Zweck der Reise war jedoch, das jüdische Breslau wiederzusehen und festzustellen, ob noch Reste der alten Kehilla vorhanden sind. Diese Erwartungen wurden schmerzlich enttäuscht. Es leben im ganzen noch drei Menschen, die als Juden oder als mit Juden verheiratete Arier den Krieg und die Evakuierung der deutschen Bevölkerung durch die Polen überlebt haben, darunter Frau Cohn, Witwe von Max Cohn (in Firma Max Cohn & Co.), die nach dem Kriege einige Jahre als Sekretärin der neu erstandenen jüdischen Gemeinde tätig war, weil sie der deutschen Sprache mächtig und imstande war, die noch vorhandenen Gemeindeakten zu lesen. Das Gemeindehaus in der Wallstrasse und die „Storch” Synagoge stehen unversehrt, während die „Neue” Synagoge bekanntlich in der Kristallnacht abgebrannt ist. Im Hof des Gemeindehauses befindet sich ein jüdisches Restaurant. Das Büro der jetzigen Gemeinde ist in denselben Räumen wie früher. Dort erfuhren Herr und Frau (Fortsetzung auf Seite 9) Besuch in Breslau 1962