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Yediʿot shel Irgun ʿOle Breslau be-Yiśraʾel · 1962-01-01 · No. 4-5 (1962) · p. Seite 11

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Yediʿot shel Irgun ʿOle Breslau be-Yiśraʾel
Volume
1962
Issue
No. 4-5 (1962)
Date
1962-01-01
Page
Seite 11 (sequence 3157)
Language
German
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| Rabb.M.S WASSERMANN | Seit Erscheinen unserer letzten Mitteilungen haben wir einen schweren Verlust zu beklagen: Raw M. S. Wassermann 'r'j ist von uns gegangen. Er, der letzte Dayan der Synagogengemeinde Breslau, wirkte mehr als zwanzig Jahre als Rabbiner in Naweh Schaanan und als Mitglied des Oberrabbinates Tel-Aviv—Jaffa. Er entstammte der wegen seiner Gelehrsamkeit berühmten Kehila Brody, wo er auch seinen rabbinischen Studien oblag. Nachher wirkte er im ersten Weltkrieg als österreichischer Feldrabbiner, dann als Rabbiner in Lübeck, Darmstadt und zum Schluss in Breslau. Er war überall beliebt und geschätzt und als die traurige Nazizeit heranbrach, verstand er es durch sein Vorbild seine Mitbürger im Lager Buchenwald seelisch aufzurichten. Auch in Erez Jisrael zeichnete er sich — ausser seiner grossen Gelehrsamkeit — durch seine Bescheidenheit, Hilfsbereitschaft und freundliches Entgegenkommen aus. n"3Xin David Pri-Chen (Freyhan) (Eine ausführliche Würdigung seiner Persönlichkeit wird s.G.w. in der nächsten No. erfolgen. Die Red.) Die Jaden in Wroclaw Wir entnehmen einem uns aus Frankfurt zugesandten Zeitungsausschnitt: In Wroclaw, dem ehemaligen Breslau, leben heute 6500 Juden, üeber ihre Zusammensetzung winden Erhebungen durchgeführt. Der Fragebogen wurde in allen jüdischen Haushaltungen verteilt; es waren 60 Fragen zu beantworten. Sie befassen sich mit Herkunft, Geburtsort, Datum der Ankunft in Wroclaw, Beruf, Anzahl der Kinder, Ausbildung und den gesellschaftlichen Beziehungen. Die schöne grosse Storch-Synagoge ist am Samstag fast leer. Die meisten Juden sind vom Staate angestellt und erhalten nicht frei. Die beiden Friedhöfe Cosel und Lohestrasse befinden sich in einem guten Zustand. Die Inschriften auf den Grabsteinen sind noch gut erhalten. Im Friedhof Lohestrasse sind etwa 20 Prozent der Gräber beschädigt. Das Lassalle-Grab wurde von der polnischen Sozialdemokratischen Partei in Ordnung gebracht. Es gibt keinen privaten Grundbesitz mehr, da alle Hauseigentümer enteignet wurden. Die Grundbuchverzeichnisse sind nicht mehr vorhanden; sie sollen noch von den Deutschen weggeschaft worden sein. Suchanzeigen Hans Budwig, bis 1930 Mitinhaber der Mineralwasserfabrik Braun, Breslau, Sonnenstr. später Konfektionsbetrieb Höfchenstr. (Kennwort: Budwig). Diplom. Ing. Ehrlich, geb. in Neisse, später in England. Familie Schacher, Pelzwaren, Ring, wohnhaft Salzstr. später Villa Südparkgegend, nach USA ausgewandert? Vater : Konsul. Familie von Gebr. Oesterreicher. Firma Dr. Kronau & Dr. Schubert, Chemische Fabrik. Eheleute Kurt & Hedwig Weinberg (Kennwort für die Vorstehenden : Professor Neutschei). Gesucht werden die beiden Töchter von Zahnarzt Dr. Robert Buch, Steffi und Hilde von Hans Lange — Johannesburg. Wer kannte die Firma Max Grabowski, Herrn-, Damen- und Knaben Konfektion, Breslau, Neue Schweidnitzerstr. 10? (Kennwort: Ernst Tauber) Gesucht wird Fräulein Lazarus, Sekretärin von Arthur Schiff, Direktor der Firma Simon, Bernhard Levi A.-G. (Kennwort: V. E.) Aus Mitgliederkreisen erhalten wir nachstehende Zuschrift: Am 28. Februar 1943, einem Sonnabend, wurden fast alle in Rüstungsbetrieben tätigen Breslauer Juden aus ihren Unterkünften geholt und etwa je zur Hälfte in der STORCH-Synagoge und im Saal der „Gesellschaft der Freunde” untergebracht. In mehrstöckigen Liegen mussten sie dort warten, was die nächsten Tage bringen würden. Einige Nachzügler kamen am Sonntag, 1. März, darunter einige Krankenschwestern und auch junge Leute aus einem Hachscharah-Gute in Schlesien. In der Nacht zum 5. März 1943 wurde gegen Mitternacht geweckt, jeder hatte eine Nummer angehängt bekommen. Jeder musste sein Gepäck (Rucksack und Koffer, laut Anordnung der Gestapo) nehmen, und in Gruppen von etwa 50 Personen, genau nach Alphabet und Nummer, wurden die Menschen auf die Strasse gebracht. Alles war von schwerbewaffneter Polizei abgesperrt. Vor jeder Haustür stand ein Posten und hatte zu verhindern, dass irgendjemand am Fenster stand oder es gar öffnete. In Sonder-Strassenbahnwagen wurden die Menschen dann durch die dunklen, kalten Strassen nach Odertor gebracht und dort durch ein Spalier von Polizei zu einem endlosen Güterzuge geführt. Viehwagons, meistens in schlechtem Zustande, standen bereit, jeder wurde „gefüllt”, und erst nach etwa 6 Stunden setzte sich der Zug in Bewegung, über die Umgehungsbahn Richtung Oberschlesien. Abends spät war man in Kattowitz, und etwas später war Auschwitz erreicht. Der Transport umfasste nach amtlichem Bericht des Lagers an das Hauptamt in Oranienburg insgesamt 1405 Personen. Zum Arbeitseinsatz, und zwar lediglich im BUNA-Lager und im BUNA-Werk, gelangten 406 Männer; 190 Frauen kamen nach Birkenau. „Sonderbehandelt wurden 125 Männer und 684 Frauen und Kinder”. Von den Frauen ist, soweit ersichtlich, nur am Leben: Die frühere Krankenschwester (der Kinderstation) Judith Sternberg, jetzt Mrs. Judith Newman, USA, Rhode Island, Route 138 Sternberg Drive, Westkingston. — Die Neben-, strasse, wo die Familie wohnt, hat mit Erlaubnis der Stadt den Namen erhalten: Sternberg- Drive, zur Erinnerung an die Familie, die nach Auschwitz deportiert worden ist. Von Männern überlebten und wohnen in Israel: Erich Kempner, Merchawja, Post Afula, Ernst Ksinski, Bat-Yam, 43 Jerusalem Str., Heinz Masur, Ramie, 27 Kuf Jud Alef-Str., Georg Gerechter, Naharija, 76 Rassco Gimmel, Alfred ürbainczyk, T-A, 101 King George Str. In USA leben: Hans Abraham, Henry Bodländer, George Cohn, Fred Hamburger, Henry Hockeimer (Heinz Hochheimer), Ernst Lobet (Lobethal), Ismar Pick, Henry Russ und noch zwei oder drei andere. Rudi Karmeinski, jetzt Kennedy, ist Spezialingenieur in London, Martin Wolff lebt in Gent, Belgien, Helmut Traube in Amsterdam. In der Bundes-Republik leben: Alexander Ebstein, München, Kurt Guttmann, Hannover, der kürzlich 70 Jahre wurde, Siegfried Krause, wohl der Aelteste der Ueberlebenden, in Bad Harzburg, und Dr. Unikower in Frankfurt/M. Diesem Rüstungsarbeiter-Transport folgten später noch Einzelgänger (aus Mischehen), ferner eine Gruppe nach Theresienstadt. Ein grosser Teil der damals Deportierten ist beim Internationalen Suchdienst Arolsen registriert. Bei den zur „Sonderbehandlung” verbrachten Deportierten fehlen aber solche Eintragungen. Die Ueberlebenden haben aber oft noch in Erinnerung, mit wem sie abtranspor- Philosophische Ecke LEBENSWEISHEITEN VON DER ENTHALTSAMKEIT Das Judentum ist keine Religion der Kasteiung, wie sie in der Askese des Mönchtums der Katholischen Kirche ihren vollkommensten Ausdruck findet. Das Judentum predigt im Gegensatz zu dieser die vollkommene Lebensbejahung. Und doch enthält die Thora 613 Gebote und Verbote, die manchen Juden eine schier unerträgliche Last dünken. Wie ist dieser scheinbare Gegensatz zu klären: Thomas von Kempen (gest. 1471 — er stellte den Glauben als etwas rein Innerliches dar, das zwischen den Herzen und G’tt abgemacht werde), sagte: „Nur wenn du entsagen kannst, kannst du vollkommene Freiheit erlangen”. Es ist dies der Ausdruck des auch vom Cristentum gepredigten und aus dem überlieferten Judentum übernommenen Gedanken der Freiheit für ein Ideal. Der Faustische Satz: „Das ist der Weisheit letzter Schluss. Nur der verdient sich Freiheit wie .das Leben, der täglich sie erobern muss”, zeigt in aller Deutlichkeit die Stärke des Menschen, der aus dem täglichen Kampf als Eroberer, als Sieger über das Materielle, das Erdgebundene hervorgeht, um sich dem Geistig-Seelischen hingeben zu können. Dies ist der Sinn der zahlreichen Gebote und Verbote der Thora: Stets frei und bereit um einen höheren Ideal zu dienen. Dem irdischen Leben das Schöne und Gute abzugewinnen und in der Unendlichkeit der Schöpfung jene höchste Stufe der g’ttlichen Weisheit zu erkennen die ein froh bejahendes Leben fordert und dem Menschen die Freiheit des Erkennens seiner Pfichten gegeben. Gedanken aus; Wühelm Freyhan: Der Weg zum Judentum (deutsche Ausgabe Europäische Verlagsanstalt, Frankfurt). The Road to Judaism (englische Ausgabe Lincolns-Prager, Publishers, L-ondon), Retour a la tradition (französische Ausgabe Albin Michel, Paris). Kulturwerk SCHLESIEN Der Leiter des Kulturwerkes Schlesien Schulrat Schodrok, zu dessen Mitarbeitern auch Professor Dr. Emst Scheyer, Detroit, gehört, sandte uns verschiedene Publikationen u.a. Hefte der Vierteljahrszeitschrift „Schlesien” und das Jahrbuch der „EichendorffStiftung”, welche sicherlich das Interesse der ehemaligen Breslauer und Schlesier haben dürften. Wir empfehlen allen Interessenten sich direkt an das „Kulturwerk Schlesien” z. H. des Schulrats Dr. Karl Schodrok in Würzburg, Herrnstrasse 1 zu wenden und Verzeichnis der Publikationen anzufordern bzw. zu beziehen. Interessenten in Israel können auch von uns die Publikationen zur Ansicht erhalten. Wir können unseren Mitgliedern vor allem das Abonnement der ausgezeichneten Vierteljahrsschrift “Schlesien” empfehlen, deren letzte No. u. a. ein Portrait unseres Mitgliedes Professor Aschheim — Jerusalem zeigt. Wir beklagen in dem Heimgang von Richard LEWIN einen der Mitbegründer des Breslauer Esra. Er war ein Vorbild an Bescheidenheit und menschlicher Grösse allen, die ihn kannten. Seine Freunde u. die ehemaligen Esräer Breslaus. tiert wurden. Rückfragen bei ihnen haben schon Nachweise der Deportation erbracht. Wir sind bereit, Rückfragen weiterzuleiten, erbitten aber Beilage von Porto. 11

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