Yediʿot shel Irgun ʿOle Breslau be-Yiśraʾel
- Journal
- Yediʿot shel Irgun ʿOle Breslau be-Yiśraʾel
- Volume
- 1965
- Issue
- No. 17-18 (September 1965)
- Date
- 1965-09-01
- Page
- [Seite] (sequence 3075)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
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.. ir würden es begrüssen, wenn Sie sich unserem Socin.'verband E.iacnliessen i Or. Preyhrrd Bitte bewahren Sie die „Mitteilungen” und denken Sie immer wieder an die „Suchanzeigen”. I u - I (iJiMI *7Hivn2 iiiatn iw my>-r> MITTEILUNGEN No 17-18 DES VERBANDES EHEMALIGER BRESLAUER UND SCHLESIER IN ISRAEL E. V. Actions-Comite : Dr. Lilli Berg-Platau, Dr. William Boss, Benno Cohn, M. d. K. Heinrich H. Cohn, A. Dombrowski, Dr. Wilhelm Freyhan (Tel Aviv, Lord Byron4) Dr. Julie Freund, N. Heimann, Erich Lewin, Paula Lewy, L. Löwenberg, W. Neuländer, Dr. Prager, M. Pick, Rosenfeld (Maro), J. Sachs, M. Schmerel-Hofstein, E. Tauber. Zum Kulturkampf In Israel Fortsetzung und Schluss unseres Leitartikels der letzten Nummer. (Soweit vorrätig, kann neu eintretenden Mitgliedern No. 16 nachgeliefert werden). Welche Schwierigkeiten sich gerade bei dem Versuch, zwei Generationen auf einander abzustimmen, ergeben, zeigt der Bericht einer Arbeitstagung über Kulturarbeit, eines der bedeutendsten Kultur — und Sozialverbände in Israel, der zwar nicht direkt, als ein religiöser Verband angesprochen werden kann, der aber gerade, weil er die Verbreitung und Fortsetzung jüdischer Kultur als eine seiner Aufgaben neben seinen zahlreichen sozialen Arbeiten betrachtet, den Weg zur Jugend sucht, um ihr die selbst erkannten jüdischen Werte zu vermitteln. Charakteristisch für das Kulturreferat und die sich daran anschliessende Diskussion, die durchweg von leitenden jüdischen Persönlichkeilen geführt wurde, ist das vollständige Fehlen religiöser Beziehungen. Ein einziges Mal wird flüchtig von einem religiös-konservativen (!) Redner auf diese im Hinblick auf eine kurze Bemerkung des Referenten hingewiesen. Aber das Centralproblem ist in diesen Kreisen — (zum Unterschied von den sogenannten ‘orthodoxen”) nicht das religiöse Problem, welches eben gerade bei den letzteren, den streng religiös — traditionellen Kreisen, der Ausgangspunkt von allen Lebens- Wirtschafts- Bildungs und Kulturentscheidungen ist. So kann man verstehen, dass einer der Hauptredner klagte: Hier geht es gar nicht mehr um den "Nachwuchs” sondern um die “Nachfolge”. Der Nachwuchs, d. h. die nächste Generation ist bereits als verloren für die zu vermittelnde jüdische Kultur anzusehen, die jetztige Generation gibt sich zufrieden, wenn sie wenigstens “Nachfolger” findet, die an ihrer Stelle den Platz einnehmen. Hier klafft der grosse Gegensatz zwischen dem konservativ-traditionellen, dem gesetzestreuen Judentum und dem nicht -gesetzestreuen. IDr. HURWITZ LTD. TRAVEL & TOURIST AGENCY NEUE ADRESSE: TEL-AVIV, Yehuda Halevi Str. 43 Neue Telephon-Nummer 6 2 1 3 5 1 Special-Arrangements für Reisen nach U.S.A. zur Weltaustellung New York Hier tritt auch klar in die Erscheinung, dass jüdische Kulturwerte, die man der nächsten Generation übermitteln will von religiösen Kulturwerten einfach nicht zu trennen sind. Die der Tradition Ergebenen bangen nicht um ihren "Nachwuchs”. Sie wissen, dass ihre Jugend die jüdischen Kulturwerte mit den religiösen freudig übernehmen wird. Ihre Jugend ordnet sich im Grossen und Ganzen (Ausnahmen gibt es überall-) der Lebensgestaltung der abtretenden Generation unter und sieht es also als ihre Lebensaufgabe an, die von den Eltern übernommene und anerzogene Lebensgestaltung fortzusetzen, nicht in blinder kritikloser Naivität, sondern immer wieder neu belebt von der jüdischen Lehre, die sie sich — man könnte sagen — mit einer Art Fanatismus zu eigen macht. Sie “will” sich das Glaubensgut, das von der Lehre ausgeht, erwerben. Und die ununterbrochene, von frühester Jugend zugeeignete Übung bringt sie dazu, es sich so anzueignen, dass es ein Stück ihrer selbst wird. Für sie ist das jüdische Kulturgut in erster Linie religiöses Kulturgut. Mag man die Bezeichnung “Religiös” auch immer deuten wie man will. Als religiöses Kulturgut erwirbt die Jugend mit ihm jene ‘Gewissheit”, von der Karl Jaspers ausgeht. Das Wissen, welches sie im jahrelanger mühsamer Lerntätigkeit sich aneignet, bildet die Basis für jene Gewissheit, die ihr zur zweiten Natur, zur Selbstverständlichkeit geworden. Sie ist unerschütterlicher Glaube. Hierin mag wohl die völlige Verkennung einer gewissen Orthodoxie liegen, die kompromisslos ihren Glauben, d. h. das, woran sie glaubt, der kommenden Generation auf wunderbare Weise weiter zu reichen versteht. Denn Glauben kann nicht, wie Karl Jaspers richtig sagt, “weder als blosser Inhalt weiter gegeben noch mitgeteilt werden”. Glauben muss sich jedes einzelne Individuum erwerben, man könnte fast sagen erarbeiten. Aber der Gärtner kann einen Boden vorbereiten, auf dem sich die herrlichsten Pflanzen entwickeln, kostbare Früchte gedeihen können. Die selbst traditionell gebundenen Eltern können durch Erziehung den Boden vorbereiten, auf dem die neue Generation den Glauben findet, ihn sich zur eigenen Gewissheit erwirbt. Der Begriff einer “jüdischen Kultur” dürfte sich bei der traditionellreligiös erzogenen Jugend mit der Definition decken, die Albert Schweitzer dem Begriff “Kultur” gibt. Der Begriff “Kultur” ist für die traditionell gebundene Jugend mit “Jüdischkeit” identisch. Sie meint, dass Judentum nicht theoretisch gelehrt werden kann, etwa als “Todaa jehudith” dass Judentum “gelebt” und “erlebt” wird. Albert Schweitzer sagt in seinem berühmten Werk “Kultur und Ethik”, nachdem er den Begriff Kultur ganz allgemein als Fortschritt “materieller und geistiger” Natur charakterisiert hatte: (S. 37) In der chinesischen, indischen und jüdischen Kultur ist das materielle Können von Anfang an dauernd hinter den geistig — ethischen Bestrebungen zurückgeblieben. “Dieses Urteil Albert Schweitzers trifft den Kern des Judentums, denn die Jüdische “Kultur” ist nichts anderes als das Ergebnis des jüdischen “Kultus”, der wiederum Basis und Ausgangspunkt des jüdischen Volkes bildet. Ob es sich um die Abraham befohlene Beschneidung, ob es sich heute um Schabbath und Festtage, um die in der Frühzeit des Volkes befohlenen Opfergesetze, den später an Stelle der Opfer eingeführten Gottesdienst, Speise — und Reinheitsgesetze handelte — alles gehörte zum Jüdischen Kult, der ein Ausdruck der geistig — ethischseelischem Kultur war. Aber man kann keine jüdischen Kultur“werte” der Jugend ohne Jüdische “Kultur” und keine “jüdische Kultur” unter Ausschaltung des “Jüdischen Kultus” vermitteln. Mit Theorien gibt sich die Jugend nicht zufrieden. Sie will etwas “Greifbares”, etwas Vorhandenes “sehen”. Und solche Sichtbarkeit vermittelt eben der Kult. Es mag sein, dass kultische Äusserungen veränderlich sind. Aber je fester sie eingewurzelt, je enger sie mit dem jüdischen Volkscharakter und dem Volk selbst verbunden sind, desto selbstverständlicher und natürlicher erscheinen sie und desto kraftvoller und verjüngender wirken sie. Der jüdische Kult, der in den verschiedensten “Formen” — den Mitzwothäusserlich wahrnehmbar ist, ist eben ein integrierender Bestandteil und kann schwer durch, “Re”formen ersetzt werden. Darin besteht wohl seine Stärke: Dass er sich fast unverändert oder wenigstens doch mit kaum wahrnehmbaren Veränderungen in Jahrtausende langer Übung durchgesetzt und das jüdische Volk trotz aller Verfolgung und zeitweiser Decimierung auf eine offenbar ans Wunder grenzende Weise erhalten hat. So gesehen, kann man wohl verstehen, dass selbst beim besten wollen von beiden Seiten kaum eine Möglichkeit besteht, die Gegensätze aus der Welt zu schaffen. Aber kein vernünftig denkender Mensch wird einen “Kulturkampf” in Israel heraufbeschwören. Ein “Kulturkampf’ würde für den Staat ein unabsehbares Unglück bedeuten. Man sollte nicht sagen: Wir stehen schon mitten im Kulturkampf. Solche Behauptungen verschärfen die Situation eher, als dass sie eine Klärung herbeiführten. Wohl zu allen Zeiten gab es Juden, die im Geiste der Tradition lebten und solche, welche diese ablehnten. Wenn der Staat Israel seine Mission, dem in Schluss Seite 10.