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Yediʿot shel Irgun ʿOle Breslau be-Yiśraʾel · 1965-07-01 · No. 16 (Juli 1965) · p. Seite 6

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Journal
Yediʿot shel Irgun ʿOle Breslau be-Yiśraʾel
Volume
1965
Issue
No. 16 (Juli 1965)
Date
1965-07-01
Page
Seite 6 (sequence 3069)
Language
German
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RECHTSANWALT Dr. BENJAMIN GRZEBINASCH s. A. In Graudenz geboren, kam er bereits nach Vollendung seiner juristischen Studien i. J. 1918 aus seiner drei-jährigen russischen Kriegsgefangenschaft in Sibirien nach Breslau, wo er nach kurzer Zeit festen Fuss fassen sollte. Schon als Student dem “Verein jüdischer Studenten" angehörend, war sein Weg gewissermassen vorgezeichnet. Da er einem religiösen Hause entstammte, schloss er sich dem Misrachi an, der unter Leitung des Seminardozenten Dr. J. Rabin damals neues Leben erfahren hatte. Bald gehörte er dessen Vorstand an und vertrat neben Frau Dr. E. Rabin den Misrachi in der Repräsentantenversammlung der Synagogen — Gemeinde Breslau. Ganz besonders lag ihm jedoch das jüdische Schulwerk am Herzen, zu deren Mitbegründern er gehörte. Er war es, der in imeigennütziger Weise die Satzungen für das spätere Schulwerk ausarbeitete, als es sich darum handelte, dieser ursprünglich von zionistischen und konservativen Kreisen geschaffenen Privatinstitution die Basis einer Rechtsperson zu geben im Kampfe gegen die führenden liberalen Gemeindevertreter. Als sich den jüdischen Schülern dann die Tore der allgemeinen Schulen versperrten, hatte sich bereits ein jüdisches Reform- Realgymnasium entwickelt, dem regierungsseitig das Recht Abschlussprüfungen (Abitur) abzunehmen, verliehen worden war. Seine zuverlässige Tätigkeit verschaffte ihm auch bald in seiner Praxis als Anwalt und Notar die Anerkennung weiterer Kreise. Und sie blieben ihm auch treu, als er i. J. 1934 nach Tel-Aviv übersiedelte. Hier freilich war die Arbeit zunächst nicht leicht. Er musste die sprachlichen und juristischen Examina bestehen, die die damals herrschende Mandatsregierung als Voraussetzung für die Betätigung als Anwalt und Notar forderte. Seinem eisernen Fleiss gelang dies in kurzer Zeit. Seine Zuverlässigkeit und gerade Arbeitsweise zeigte sich nun besonders bei der Vertretung seiner Klienten gegenüber den deutschen Behörden. In den Kreisen des Ordens Bnej Brith, dem er schon in Breslau angehörte, fand er auch jetzt in der Bialik-Loge Freunde und Brüder, die ihn sogar für das Amt des Präsidenten für würdig erachteten. Gemäss seiner religiös-traditionellen Einstellung fand er auch den Weg zu dem hauptsächlich aus westeuropäischen Kreisen gegründeten national-religiösen "Ichud", dessen Vorstand er nach Vereinigung mit "Schiwat-Zion” angehörte, ebenso selbstverständlich dem Verbände ehemaliger Breslauer seit seiner Begründung. Obwohl sein Tagewerk überreichlich in Anspruch genommen war, fand er doch noch Zeit, nicht nur regelmässig die Gottesdienste zu besuchen, sei es im Beth-Hamoreh Geht dein Fuss nicht, wie er soll, Geh sofort zu DR. SCHOLL Dr. SCHOLL R. Rotholz Medizinische Pedicure Einlagen — Gummistrümpfe Behandlung eingewachsener Nägel sowie alle weltbekannten Dr. SCHOLL, Original-Erzeugnisse Tel. 615337 Nur Allenbystr. 37 (Ecke Bialikstr.) T.A. oder in der seiner Wohnung näher gelegenen Synagoge an der Chaschmonajimstr. Selbst noch am Abend nahm er an dem Schiur im Hause seines verehrten Raws Jakobson teil, obwohl sein Gesundheitszustand schon nicht mehr zufriedenstellend war. Die letzten Monate seines Lebensabend waren getrübt durch ein qualvolles Leiden, das die aufopfernde Pflege seiner Gattin und die Liebe seiner Söhne und Enkel, auf die er mit besonderem Stolz blickte, erträglich zu gestalten suchten. Die überaus grosse Beteiligung bei seiner Beisetzung zeigte, welche Liebe und Wertschätzung Grzebinasch in weiten Kreisen genoss. Ihr gab auch der Vorsitzende unseres Verbandes Dr. Freyhan in der Wohnung während der Schiwah beredten Ausdruck und hob die hingebungsvolle uneigennützige Tätigkeit hervor, die er ganz besonders auf sozialen Gebiete in hervorragendem Masse im Rahmen des Verbandes leistete. Sein Andenken wird auch durch Eintragung in das goldene Buch des Verbandes erhalten Weihen. Dr s. Dr. LEO MÜNZ s. A. Dr. Leo Münz entstammte einer Familie bedeutender Rabbiner, deren Tätigkeit auch als Schriftsteller und Schöpfer grosser Werke sich bis hinein ins Mittelalter verfolgen lässt. Auch sein Vater, der Raw, hat sich als Verfasser vielgelesener Schriften über das jüdischen Leben, besonders jüdischer Ärzte einen Namen gemacht. Sein Werk über den Rambam ist z. B. hier im Lande, ins Hebräische übersetzt, für den Schulgebrauch erschienen. Als Sohn eines solchen Vaters und einer adäquaten Mutter war auch Leo Münz den Wissenschaften eng verbunden. Er kam als Absolvent seiner medizinischen Studien in Königsberg zu Beginn des 1. Weltkrieges nach Breslau an das jüdische Krankenhaus. In dem Chefarzt seiner Inneren Abteilung, Geb. Rat Sandberg, fand er einen hevorragenden Lehrer für die Behandlung und Erkennung von Kranken und Menschen. Nach einer Reihe von Jahren trat er am gleichen Krankenhaus als Assistent bei Geh. Rat M. Rosenstein an. Hier schuf er sich das Rüstzeug für seine spätere Tätigkeit als Geburtshelfer und gynäkologischer Operateur. Der hier erworbenen gediegenen Ausbildung, in erster Reihe jedoch auch seiner menschlichen und liebenwurdigen Art verdankt er seinen Erfolg in der späteren Praxis. Er erfreute sich der Achtung seiner Collegen. Nie hat man gehört, dass er in ihrem Kreise einen Neider oder gar Feinde gehabt hätte. Wenn man behauptet: nur ein guter Mensch könne ein guter Arzt sein, so galt dies von Dr. Münz in uneingeschränktem Masse. Er war ein liebender Bruder, vor allem aber ein wundervoller Sohn. Als erum ein kleines Beispiel anzuführenin heissen Sommertagen (dem 17. Tamus) auffallend müde nach seiner ärztlichen Tätigkeit schien, gab er als Grund hierfür an, dass er unter dem Fasten leide. Auf die erstaunte Frage, warum er denn als verantwortungsvoller Operateur diesen Fasttag halte, erklärte er: wenn sich morgen mein Vater erkundigt, wie ich gefastet hätte, möchte ich keine Unwahrheit sagen. Seiner traditionellen Auffassung entsprechend, fand er i. J. 1934 den Weg nach Erez Israel. Auch hier erwies es sich, dass der gute Ruf, dessen er sich in Breslau erfreuen durfte, ihn auch in seine neue Wirkungstätte begleitete. Gewohnt, sich seine klinischen Erfahrungen zu erhalten und zu vervollkommenen, nahm er an den Visiten und Operationen am städtischen Krankenhause Hadassah teil, mit dessen Chefarzt Prof. Aschermann er sich bald befreundete. Leider wurde seine emsige Arbeitskraft viel zu zeitig brach gelegt. Er empfand es ebenso schmerzlich, dass er nicht mehr wie bisher seine Synagoge besuchen konnte, sondern nur in einem seiner Wohnung benachbarten Minjan beten konnte. Aber selbst hier im kleinen Kreise war er beliebt wegen seiner zurückhaltenden und freundlichen Art, der für Jeden ein liebes Wort übrig hatte. Sein Bruder und dessen Frau haben ihn in seinen letzten Tagen im Krankenhaus unendlich treu umhegt. Sein Ableben bedeutet für sie den Verlust der Tradition eines wundervollen Familienkreises, seine früheren alten Mitarbeiter und Freunde werden ihn schmerzlich missen. Dr. W. B. Unser J. S. Mitarbeiter schreibt zum Tode unseres unvergesslichen: DR. LEO MÜNZ, Frauenarzt, früher Breslau, ist Anfang Mai in Tel Aviv verstorben. Das Leben eines Mediziners vom besten Schlage ist zu Ende gegangen! Wer das Glück hatte, ihn zu kennen, ihn Freund zu nennen, wird ihn nie vergessen. Er war einer der Treuesten, ein hilfsbereiter Ratgeber seiner Patientinnen, ein nachahmenswerts Vorbild als Wissenschaftler und Persönlichkeit. Er war ein bewusster Jude, ein hochqualifizierter Arzt und ein warmherziger Mensch. Ihm war höchstes Menschentum zu eigen, und wenn er täglich im Gebet flehte: “Du gabst uns die Liebe zur Menschlichkeit... ”, so kam dieses Beten aus übervollem Herzen. Menschlichkeit und alles, was ihr entströmte, war ihm höchste Religion. Hingebungsvoll diente er der Menschheit. Auch das war'seine Frömmigkeit. — Leo Münz ist nicht mehr. Aber er wird in uns weiterleben, dieser fromme und hervorragende Charakter, dessen gütiges Wesen ausgleichend und konziliant war, der das Wohl des Mitmenschen über alles stellte. J.S. 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