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Yediʿot shel Irgun ʿOle Breslau be-Yiśraʾel · 1965-03-01 · No. 14-15 (März 1965) · p. Seite 8

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Journal
Yediʿot shel Irgun ʿOle Breslau be-Yiśraʾel
Volume
1965
Issue
No. 14-15 (März 1965)
Date
1965-03-01
Page
Seite 8 (sequence 8)
Language
German
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7 WIR LESEN in der “M.B.” Wochenzeitung des Irgun Olej Merkas Europa über: Sir LUDWIG GUTTMANN ehemals Primärarzt der Neuro-Chirurgischen Abteilung am Israelitischen Krankenhaus der Breslauer Synagogengemeinde, HohenzollemA str. 96 an dessen Tätigkeit sich noch viele unserer ehemaligen Breslauer in Dankbarkeit erinnern werden: In Nr. 42 des MB vom 16.10.1964 erschien ein Artikel über den Anteil der Juden an den Olympischen Spielen in Tokio. Ich bedauere, dass Ihnen die Bedeutuung des englischen Arztes Sir Ludwig Guttmann entgangen ist, des Präsidenten der “Paraolympischen Spiele” für Rückenmark-Beschädigte, die im Anschluss an die Olympischen Spiele in Tokio stattgefunden haben. Sir Ludwig Guttmann besuchte im vergär»' genen Jahre Argentinien, und aus diesem Anlass veröffentlichte ich in der Zeitschrift “Filantropia”, die von der Asociaciön Filantröpica Israelita herausgegeben wird, deren Direktor ich bin, einen Aufsatz über diesen bedeutenden Arzt, den Retter der Rückenmark-Krüppel. Ludwig Guttmann ist in Königshütte (Oberschlesien) geboren und habilitierte sich als Schüler des Hirn- und Rückenmark-Chirurgen Prof. O. Foerster im Jahre 1931 in Breslau. Schon damals zeichnete er sich durch bedeutsame Arbeiten aus und übernahm 1933 die Stellung als Primär-Arzt der für ihn gegründeten Neuro-Chirurgischen Abteilung am Israelitischen Krankenhause in Breslau. 1939 übersiedelte er nach' Oxford, von wo er einen Forschungs-Auftrag erhalten hatte. Seine Studien und ihre Ergebnisse veranlassten die englische Regierung, während des Krieges in Stoke Mandeville bei London ein Institut für Rückenmark-Beschädigte zu gründen, dessen Leitung Dr. Guttmann übertragen wurde und dessen Chef er noch heute ist. Das Institut ist eine Weltzentrale für die Behandlung von Rückenmark-Verletzten, es erwarb sich schon im Kriege sehr grosse Verdienste um Kriegsverletzte, aber auch um aus vielerlei anderen Gründen Gelähmte. Bei seiner Behandlung iässt sich Dr. Guttmann auch von psychologischen Momenten leiten und die Patienten vom Rollstuhl aus verschiedene Sportarten betreiben. An seinem Institut finden alljährlich sportliche Wettkämpfe statt, an denen auch Abordnungen aus anderen Ländern teilnehmen. Dr. Guttmann begründete die "Para,olympischen Spiele”, deren Präsident er ist. Diese finden am gleichen Ort und zur gleichen Zeit wie die Olympischen Spiele statt. Die einzige Gold-Medaille, die England bei den Spielen in Rom im Jahre 1960 erwerben konnte, wurde von einem Rückenmark-Verletzten gewonnen. Anlässlich dieser Spiele wurde Dr. Guttmann von Papst Johannes XXIII. empfangen, der mit ihm Hand in Hand auf dem Balkon der Peterskirche erschien, wo¬ ROEMER, Herrenbekleidung TEL AVIV, Mohilewerstr. 49. corner Rambam str. (früher Breslau) ELEG. ANZÜGE fertig und nach Mass. MÄNTEL, JACKEN und HOSEN. Wie immer: Beste Bedienung, Gute Qualitäten, Billige Preise. rauf die beiden Persönlichkeiten von den auf dem Petersplatz mit ihren Rollstühlen Versammelten begeistert umjubelt wurden. Die englische Regierung hat Dr. Guttmann durch Verleihung des Adelstitels geehrt. In Deutschland wurde er zum Ordentlichen Honorar-professor Emeritus für Neurochirurgie der Universität Köln, der Nachfolge-Universität Breslaus, ernannt. Auch in Argentinien feierte man ihn anlässlich seines Besuches; er wirkte bei der Auswahl der argentinischen Mannschaft für die Paraolympischen Spiele in Tokio mit. Sich stolz zum Judentum bekennend, ist dieser grosse Arzt und Menschenfreund ein einfacher, bescheidener Mann geblieben, der eine grosse Lebensaufgabe gefunden und erfüllt hat. Dr. P. F. LUFT, Florida, Provinz Bunos Aires (Argentinien). Unser Mitarbeiter Prof. Dr. Guido Kisch (Basel) erhielt von der Philosophischen Fakultät der Universität Freiburg in Baden die Ehrendoktorwürde zu welcher Ehrung wir Professor Kisch unsere allerherzlichsten Glückwünsche entbieten. Wir haben in unserer letzten Nummer das ausgezeichnete Gedächtnisbuch besprochen, das er anlässlich der 100. Wiederkehr der Gründung des Breslauer Rabbinerseminars herausgegeben hat — eine besonders mühevolle Arbeit, für die wir Breslauer ihm besonders dankbar sind. Prof. K. ist einer der besten Kenner der Geschichte des mittelalterlichen Judenrechts. Er verliess 1933 als „Nichtarier” Deutschland, nachdem er vorher an den Universitäten Halle, Leipzig und Königsberg doziert hatte. Unser Mitarbeiter Professor Walter Laqueur wurde zum Direktor der Londoner Wiener Library ernannt. Der 43-jährige Schriftsteller, der seinerzeit mit der Jugendalijah nach Palästina gekommen war und in Jerusalem an der Jerusalemer Universität studiert hatte, lebt seit 15 Jahren in England. Er gehört als Verfasser zahlreicher Abhandlungen über die jüngere Geschichte Zentral- und Osteuropas zu den besten Kennern der Sowjetfragen. Bekannt wurde auch sein Buch „Kommunismus und Nationalismus im Mittleren Osten”. Professor Emst J. Cohn — London Ehrendoktor anlässlich seines 60. GEBURTSTAGES Wir entnehmen der Zeitung „Der Schlesier”, die in Recklinghausen erscheint: Die juristische Fakultät der Kölner Universität, bekanntlich Patenuniversität der Breslauer Friedrich-Wilhelms-Universität, hat Professor Ernst J. Cohn, früher Breslau, jetzt London, zu seinem 60. Geburtstag die Ehrendoktorwürde verliehen. Durch diese Auszeichnung sollte nicht nur der hervorragende Jurist geehrt werden. Es kommt darin auch die Verbundenheit der Kölner Universität mit Breslau zum Ausdruck und die Verpflichtung, die Tradition Breslaus fortzusetzen. Mit 30 Jahren war Ernst J. Cohn in seiner Heimatstadt Breslau bereits ordentlicher Professor. Das war 1932. Krawalle von Studenten, die den damals hoch im Kurs befindlichen Antisemitismus in vollen Zügen in sich aufgesogen hatten, störten die Vorlesungen und führten zu peinlichen Exzessen. Ein halbes Jahr später, mit Machtantritt des Nationalsozialismus, wurde Professor Cohn aus Amt und Heimat vertrieben. Der Weg führte ihn nach London, wo er noch einmal von vorn, das heisst als Student, beginnen musste. 1937 wurde er zum höheren Zweig der englischen Anwaltschaft, der sogenannten Bar, zugelassen und gehört ihr seitdem als Mitglied von Lincoln’s Inn an. Inzwischen britischer Staatsbürger geworden, promovierte er 1948 erneut zum Doktor, dieses Mal an der Universität London. Seit einigen Jahren hat er eine Honorarprofessur an der Frankfurter Universität inne und lehrt hier jedes Semester eine Woche hindurch. Ausserdem ist er Gastdozent der Internationalen Rechtsfakultät für Rechtsvergleichung in Luxemburg. In seinem Beitrag zum Band schlesicher Erinnerungen bekennt er: „Meine Heimat hat den Weg, den ich gegangen bin, aufs stärkste beeinflusst, ja sogar bestimmt. Breslau hat mir die zwei Richtpunkte gewiesen, an denen ich seitdem unablässig versucht habe, meinen Lebenspfad zu ordnen: das Judentum und die Wissenschaft vom Recht. Die Erkenntnis, dass es bei beiden um das für mich im Leben Wesentliche gehe, hat sich mir in meiner Breslauer Studentenzeit gebildet” .Auch diese Worte sind dem 1. Band des an anderer Stelle dieser Nummer besprochenen bei Gräfe & Unzer erschienenen Werkes „Leben in Schlesien” entnommen. BARNETT JOSEPH writes in “The Jewish Chronicle” : Dr. W. Freyhan’s book* is a lucid, though emotional description of some of the fundamental premises of Jewish thought and teaching. With directness and simplicity of style the author seeks to define Judaism. His knowledge and experience and long consideration of this problem lead him to conclude that Judaism is a harmonising union of a history, a people, and, above all, a religion. MORAL STANDARTS The bibliography at the end of the book shows the wide and varied reading which forms the basis of this work; If the mystery of faith could be brecisely demonstrated like a mathematical proposition, religion would lose what. Kierkegaard calls "its passion and romance.” However, his lenghty treatment of the Problems of sex, in so far as they affect the moral standarts of youth, reveals his awareness of the atmosphere of the age. The same can be said of the second part of the work, which is devoted to the Situation in the State of Israel. Clearly and fearlessly he points out thedangers attendant on the rebuilding of a State on a foundation of secular materialism; and he forcefully draws a distinction between the negative aspect of the State of Israel as a shelter from oppression and the positive opportunity which it could present for the reassertion in the füllest possible measure of the Jewish spirit. An index of subjects would have added to the usefulness of this excellent book. * The Road to Judaism. By Wilhelm Freyhan. Lincolns-Prager. 12s. 6d. London, N.W. 11. Wir betrauen aufs Tiefste den Heimgang des Mitbegründers und Vorstandsmitglieds unseres Verbandes Dr. SALLY SCHMEREL der bis in die letzten Tage seines arbeitsreichen Lebens ein wertvoller Mitarbeiter an unseren sozialen Bestrebungen war. Seine besonderen Charaktereigenschaften werden uns stets vorbildlich bleiben. Wir haben den Verewigten zum immerwährenden Andenken in das „Goldene Buch” des Verbandes ehemaliger Breslauer” eingetragen. Verband ehemaliger Breslauer E. V. Dr. WILHELM FREYHAN 8

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