Yediʿot shel Irgun ʿOle Breslau be-Yiśraʾel
- Journal
- Yediʿot shel Irgun ʿOle Breslau be-Yiśraʾel
- Volume
- 1961
- Issue
- No. 2 (1961)
- Date
- 1961-01-01
- Page
- [Seite] (sequence 2981)
- Language
- German
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Jugend - Erinnerungen an Breslauer Persönlichkeiten: Benno Badt - Jacob Guttman Er ist gewählt! — Guttmann ist einstimmig gewählt worden! — Noch höre ich den frohen Ruf meines Vaters Benno Badt s.A., als er aus der Gemeinde-Repräsentanten-Sitzung heim kam, die ergeben hatte, dass sein vertrauter Jugendfreund Jacob Guttmann, der Rabbiner von Hildesheim, nach Breslau kommen werde. Und er hatte recht mit seinerFreude: Eines der erfreulichsten Kapitel unseres Lebens begann, als Guttmann’s in das weiträumige Haus der „Neuen Synagoge am Stadtgraben” einzogen. Noch heute erinnere ich mich, wie wir sie alle am Bahnhof erwarteten: den kraftvollen Mann, die freundliche, tatkräftige Frau und die vier blühenden Kinder. Jacob Guttmann, der mit meinem Vater zusammen in dem Frankelschen Jüd. theologischen Seminar in der Wall-Strasse in Breslau ausgebildet worden war, hatte sich damals in der wissenschaftlichen Welt durch seine Studien über jüd. Religions-Philosophen des Mittelalters: Abraham ibn Daud, Salomo ibn Gabirol u.a. einen Namen erworben, aber sein eigenes Leben war tief beschattet. Früh hatte er eine Jugendfreundin geheiratet, die junge Frau hatte ihm Zwilings-Söhne geboren, die aber bald nach der Geburt starben und auch die Mutter mit sich ins Grab rissen. — Nach einigen Jahren heiratete Guttmann wieder, er führte die heitere und anmutige Beate Simonson aus Kopenhagen heim, die Schwester des berühmten Historikers, die ihm vier Kinder gebar und deren Name aus dem sozialen und philantropischen Leben Breslaus nicht wegzudenken ist — vor der Nazi-Katastrophe war das „Beate Guttmann Heim”, der Stolz der Stadt und ein ideales Altersheim. Die Freundschaft der beiden Männer war seit der Studienzeit immer vertrauter geworden — obwohl die Herkunft der Beiden eine sehr verschiedene war. Guttmann kam aus einer weitverzweigten, begüterten, oberschlesischen Familie, Benno Badt dagegen entstammte dem dürftigen, kinderreichen Hause des jüdischen Lehrers Abraham Isaak Badt in Schwersenz, einer kleinen Stadt in der damaligen Provinz Posen. Nach Hpm frühen Tode ihres Mannes zog die Mutter mit vier kleinen Kindern zu ihrem Vater, nach ihrer Geburtsstadt Kurnik. Dort war ihr Vater sehr angesehen als Sohn des berühmten Talmudisten Rishne Schaalo, (Rabbi Israel Moshe) der Rabbiner von Kumik geewesn war. Bertha Badts zweiter Sohn Benno war zu dieser Zeit schon dem Elternhause entwachsen, er war ein Schüler des Pensionats Hofstedt in Posen und verdiente sich seit seinem 14. Jahre seinen Lebens-Unterhalt dadurch, dass er die jüngeren Schüler dort als Hilfslehrer mit unterrichtete. — Nim starb die Mutter ganz plötzlich an einer Cholera-Epidemie und Benno wusste sich keinen anderen Kat als die drei kleinen Schwestern zu den Brüdern der Mutter, die in Amerika lebten, zu schicken. Den jüngeren Bruder Felix nahm Benno zunächst zu sich, bis er ihn nach seiner Bar-Mizwah auch zu den Geschwistern nach Amerika schicken musste. — Es ist bezeichnend für- Benno Badt, dass er den Kindern nicht nur Bekleidung, sondern auch eine kleine Bibliothek mitgab (Goethe, Schiller und Lessing). Er wollte, dass sie das beste Geistes-Gut der alten Welt mit in die neue Welt hinüber nähmen. Er selbst blieb als ein Exsul in patria (ein Verbannter im Heimatlande) zurück und zog so rasch wie möglich nach Breslau, um dort zunächst seine Reifeprüfung abzulegen und sich dann für den Rabbiner-Beruf vorzubereiten, einem Wunsche seines Vaters entsprechend. — Sein eigenes Herz trieb ihn jedoch zur klassischen Philologie, die er nur neben der Theologie an der Breslauer Universität bei Lehrern wie Rorschach u. Westphal studierte. Endlich gelang es ihm, an dem ersten konfessionslosen Gymnasium in Breslau, dem Johannes-Gymnasium angestellt zu werden, wo er 37 Jahre lang bis zu seinem Tode klassische Sprachen und jüdischen Religions-Unterricht gab. Noch heute erinnern sich seine Schüler an diese Vereinigung von Strenge und Milde, Oie den Menschen und Lehrer kennzeichnete. Seit dem Tage, da Guttmanns in Breslau einzogen, begann eine freundliche Lebensgemeinschaft der beiden Familien. — Im Garten der .Neuen” Synagoge befand sich eine für Breslau einzigartige „Succah”, ein geräumiger Bau, dessen Dach geöffnet werden und durch das Laubdach der Succah ersetzt werden konnte. Dort waren wir am 1. Succoth-Abende ständig zu Jaste und konnten „trockenen Fusses”, wie einst die Väter im Schilfmeer, jeden Platzregen überstehen. — Auch am „Nitel”-Abend, dem letzten Abend des Jahres, wo man nach altem Brauche „nicht lernen” durfte, waren wir Badts alljährlich bei Guttmanns eingeladen, wo es vorzügliche Pfannkuchen vom Bäcker Hahn am Karlsplatz, zu Tee mit Rum gab und... zahlreiche junge Studenten und angehende Rabbiner aus dem Seminar in der Wallstrasse zu Gast waren, die sich vortrefflich mit den Badtschen Töchtern vertrugen. — Doch nicht nur solche festliche Tage führten uns zusammen: an jedem Sabbat „zwischen Mincha und Maariv” gingen die beiden Freunde, Guttmann und Badt in eifrigem Gespräche am Stadtgraben spazieren, in wissenschaftliche Probleme vertieft — so lange bis die etwas ungeduldig um sie herumspringenden Kinder sie erinnerten: Ist’s nicht Zeit zur Haw’doloh?! So ging manches Jahr in freundlichem Miteinander dahin: Guttmann arbeitete an einer Maimonides-Ausgabe, Badt an seiner Übersetzung von Philo’s „Leben des Moses”, daneben auch immer wieder an seiner aus der Praxis des Lehrberufes erwachsenen „Kinderbibel”, einer knappen Auswahl aus den biblischen Erzählungen, die so volkstümlich wurde, dass die fähigsten seiner Schüler später ihre eigenen Kinder danach in die Bibel einführten und viele deutsche Schulen die Badtsche „Kinderbibel” als Lehrbuch einführten. — Ausser seiner Lehrtätigkeit war Prof. Badt führend in vielen philantropischen und wissenschaftlichen Vereinen. — Eine seiner Lieblings-Gründungen war der inter-konfessionelle Verein „Orient u. Occident”, der über neue Ausgrabungen und Entdeckungen AMERIKANISCHE ELEGANTE DAMENBEKLEIDUNG BILLIGE PRIESE! SPIELER TEL-AVIV, 9, GORDONSTR. Missedah Naharyiah TEL-AVIV, GEULA Sir. 44. Ecke Allenby naiü twv. berichtete. — Noch heute erinnere ich mich an die erste Sitzung dieses Vereins, die mein Vater mit Goethes Worten — aus dem west-östlichen Diwan — begann: „Gottes ist der Orient, Gottes ist der Occident, Nord und südliches Gelände, Ruhm im Frieden Seiner Hände...” „Gottes ist der Orient, Gottes ist der Occident, Nord- und südliches Gelände, Ruhn im Frieden Seiner Hände...” Diesem „Frieden Gottes” war Benno Badt selbst näher als wir alle ahnten. — Ein langjähriges Leiden, nur durch die sorgsame Pflege meiner Mutter im Zaume gehalten, quälte ihn. Nun kam eine Influenza hinzu, die der pflichttreue Mann zunächst zu wenig beachtete. Trotz des Fiebers unterrichtete er bis zum Ende des Semesters. Aber zwei Tage nach Pessach erlosch das Licht, das den deutschen und insbesondere den Breslauer Juden so hell geleuchtet hatte. Noch sehe ich den schlichten, schwarzen Oren, der auf den Schultern der Schüler des Gymnasiums auf dem Alten Friedhofe in der Lohe-Strasse zur Leichenhalle getragen wurde und dem eine fast endlose Reihe von Leidtragenden folgte: Der Direktor, Geheimrat Laudien, und die Lehrer des Johannes Gymnasiums, der Vorsitzende und die Vertreter der jüdischen Gemeinde, der Magistrat und viele der Stadtverordneten, endlich die Vertreter des Jüdischen Studenten-Bundes „Viadrina”, der im Hause des Entschlafenen gegründet war. Und noch heute höre ich aus der Leichen-Halle die trauervolle Stimme Jacob Guttmanns tönen: „Es ist mir leid um Dich, mein Bruder Jonathan — es ist mir leid um Dich — wie hold war mir Deine Liebe.” —. Das war das Ende der Freundschaft zwischen zwei bedeutenden Männern, die trotz mancher Meinungs-Verschiedenheiten durch die gemeinsame Liebe zum Judentum geeint waren. Benno Badt war ein „Zionist” gewesen, ehe der Name des Zionismus gebräuchlich wurde, während J. Guttmann dieser Idee ferner stand. Aber in Israel trafen sich später der Sohn Guttmanns, der zum Professor an der Universität Jerusalem gewählt wurde und die Kinder Benno Badts, in Jerusalem. So hat Israel auch die Kinder dieser beiden Breslauer Freunde, zusammen geführt, ein „Kibbuz Galujoth”, der über das Grab hinaus lebendig und Leben erweckend blieb. — Dr. Bertha Badt-Slrauss Für die mit Namen gezeichneten Aufsätze übernehmen die Verfasser die Verantwortung, für alle übrigen Mitteilungen die Redaktions-Commission des Verbandes ehemaliger Breslauer. Allen ehern. Breslauern war unsere Firma: TUCHHAUS FASS Schmiedebrücke und Graupenstr. bestens bekannt. Auch hier im Lande haben wir dasselbe Prinzip : Gute Ware und billige Preise. Der beste Massanzug in orig. engl. Stoff mit 3 Anproben nur IL. 120.-. Kammgarn-Hosen, Terylene, grösste Auswahl. RÖMER T.-A., MOHILEWERSTR.49 Ecke Nachlai Benjamin/Rambamstr.