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Yediʿot shel Irgun ʿOle Breslau be-Yiśraʾel · 1961-01-01 · No. 1 (1961) · p. [Seite]

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Journal
Yediʿot shel Irgun ʿOle Breslau be-Yiśraʾel
Volume
1961
Issue
No. 1 (1961)
Date
1961-01-01
Page
[Seite] (sequence 3)
Language
German
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Eine ehemalige Breslauerin, Mitglied unseres Verbandes, die in New-York lebt, stellt uns den nachstehenden Bericht ihrer Reise nach Breslau zur Verfügung, der sowohl wegen der Schilderung der Verhältnisse in der jüdischen Gemeinde und der jüdischen Friedhofe als auch in anderer Beziehung von allgemeinem Interesse ist: Seit Jahren war es mein sehnlicher Wunsch gewesen Breslau wiederzusehen, und jetzt ist dieser Wunsch in. Erfiilung gegangen. Zur Einreise nach Breslau braucht man ein Polnisches Visum, das man bei der polnischen Gesandschaft in Washington ohne weiteres erhält. Kostenpunkt $ 9.90. Die Kosten des Aufenthaltes muss man im, Voraus hier, d. h. bei der polnischen Gesandschaft in Washington, einzahlen, und zwar $ 10 pro Tag. Bei der Ankunft in Polen bekommt man den Gegenwert in Zloty ausgezahlt, auf der Basis von 24 Zloty für $ 1,—. Der Schwarzmarktpreis ist 70—80 Zloty für $ 1. Um nach Breslau zu fliegen, muss man über Warschau fliegen. Von Zürich nach Warschau fliegen Swissair und die polnische Fluglinie LOT abwechselnd, der Flug dauert ca 3V£ Stunden. Es waren nur 5 Passagiere in dem Flugzeug nach Warschau, und wie die Stewardess mir sagte, sind es nie viel mehr. Meine Absicht, gleich am nächsten Tag nach Breslau weiterzufliegen, konnte ich nicht ausführen, es gab keinen Flug für den nächsten Tag. In Warschau wohnt man in einem neuen für Ausländer erbauten und berechneten Hotel, das hinter keinem amerikanischem Hotel zurücksteht. Der Preis war 100, Zloty — 4 $ pro Tag. Ich habe glücklicherweise einen Vetter in ■Warschau, der deutsch und polnisch spricht und den ich schon von hier aus gebeten hatte, mich nach Breslau zu begleiten. Wir flogen also am übernächsten Tag nach Breslau, der Flug von Warschau nach Breslau kostet $ 8. (198, Zloty) wahrscheinlich der billigste Flug der Welt. Nach einem recht schaukeligen Fluge landete das „Flugzeugehen” nicht auf einem cementierten Flugplatz, sondern auf einer grossen grünen Wiese, die, wie ich mir später bestätigen liess, der Gandauer Flugplatz war. Man fährt von dort mit einem alten, primitiven Bus in die Stadt. Es ging nicht am Friedhof Cosel vorbei, und ich wusste absolut nicht, wo ich war, und habe nichts wiedererkannt. Das erste bekannte Gebäude war nach 3/4 Stunden Fahrt, der Freiburger Bahnhof. Nun wusste ich erst, wo ich war, dann kam Museumplatz das Museum vollständig ausgebrannt, dann Tauentzienplatz mit Wertheim, und etwas weiter nach dem Süden zu hielt der Bus. Ich stieg aus, und es war, als ob ich einer wildfremden Stadt wäre oder träume. Ich wusste, es musste Gar- HAUS und KÜCHENGERÄTE GESCHENK-ARTIKEL stets preiswert LEO FREUND NACHFL. (FRÜHER ALLENBY 138) JETZT NUR) vor dem Telegraphen-Amt ) ten Ecke Schwei dnitzer sein, aber es war absolut nichts zu erkenhen. Ich suchte die Normal Uhr von Rosenthal oder Reste davon, statt dessen stehen neue, fremde, sogar schöne Häuser dort, mit Arkadengängen und fremden Geschäften dahinter. Man muss, wenn man nach Breslau fährt, einen polnisch sprechenden Begleiter haben, denn es spricht niemand mehr deutsch, man kann niemanden fragen und sich nicht erkundigen und ist verloren. Überdies sind alle Strassennamen geändert, nicht nur polonisiert, und niemand weiss die früheren deutschen Namen mehr. Es gibt in der Stadtverwaltung, in der Theaterstr. ein Büro, in dem man die entsprechenden polnischen Strassennamen erfahren kann. Gewohnt habe ich in einem Hotel gegenüber dem Hauptbahnhof, das Grand Hotel heisst und das frühere Nordhotel ist. Man wohnt viel besser im Hotel Monopol, es war aber, da ich nicht vorbestellt hatte, dort kein Zimmer mehr zu haben. Die Stadt ist furchtbar zugerichtet, zerbombt und zerschossen, oft bis zur Unkenntlichkeit: Ruinen, hohle Häuser und leere Flächen grinsen einen an, ganz grosse Stadtteile sind weg, leeres Feld, mit mannshohem Unkraut bewachsen, ist da, wo früher Häuser und Strassen waren. Man kann es sich nicht vorstellen, und keine Beschreibung kann ein Bild von dieser Zerstörung und Veränderung geben. „Das verdanken sie ihrem Führer” musste ich immer wieder denken. In der inneren Stadt ist der Ring und das Rathaus erhalten, die Staupsäule vor dem Rathaus ist jedoch verschwunden, die Ohlauerstr. und die Albrechtstr. sind furchtbar zerstört, am Ende der Ohlauerstr. sieht man, so weit das Auge reicht, über freies Feld, fast bis an die Grenze von Scheitnig. Das Gebäude von Petersdorff ist unversehrt erhalten, auch die Universität ist erhalten, ich war sogar in der Aula Leopoldina, die unverändert, als ob nichts geschehen wäre, in ihrer alten Schönheit und Pracht da ist, der Fechterbrunnen ist auch unversehrt, die Schmiedebrücke verändert, mit ganz änderen, kleinen Geschäften, die Elisabethkirche mit ihrem Turm ist erhalten, auch der „Käse Boehm” Laden daneben, aber, was es da drinnen gibt, ist nicht zu vergleichen mit den leckeren Brötchen von früher, an groben, rohen Holztischen ist man graues Brot. Bielschowsky ist eine furchtbare Ruine. Der Bluecherplatz ist sehr verändert, die eine Seite, Ostseite ist ganz neu aufgebaut, rohe Ziegelsteinhäuser, noch nicht verputzt stehen da. Blücher Denkmal, wie überhaupt alle früheren Denkmäler, sind weg, das Kaiser Wilhelm Denkmal, an dessen Stelle sehr schöne Blumenanlagen sind, das Denkmal vor dem Rathaus, vor dem Museum etc. Die Magdalenenkirche hinter Barasch, ist sehr beschädigt, die schönen Spitzen der ZwiHingstürme sind weg. Die Graupenstr. Gericht, Börse, Stadtgraben sind erhalten, man sieht von der Graupenstr. auch die Stadtbücherei, aber, wenn man dort herankommt, sieht man anstelle des Cnrlsplatzes, dort wo die Conditorei Seelig und das Lasalle Haus standen, nur weites, freies Feld Sandhügel, und kann bis weit hinter den Königsplatz durchsehen, vom Riembergshof ist ein Teil erhalten, der Wachtplatz ist verschwunden, es ist ganz leer dort. Die Schweidnitzer ist vollständig neu auf gebaut und nicht zu erkennen, die Querstrassen sind sehr mitgenommen und kaum zu erkennen, die Junkernstr. beginnt z. Z. erst an der Schuhbrücke und heisst „Strasse der Opfer von Oswiecim”, aber viel von der Strasse ist nicht mehr erhalten, es ist fast alles leeres Feld und Wiese. Von der Gartenstrasse ist die Nordseite neu aufgebaut, auf der Südseite sind freie Flächen zwischen den Häusern, die Markthalle steht vereinsamt und ausgebrannt da, zwischen der Theater- und Schweidnitzerstr., da, wo die Keiler’schen Häuser standen, sind freie Flächen, z. T. grüne Wiesen mit ein paar Bänken, vom Liebich Theater steht eine Ruine da, das Generalkommando in der Schweidnitzerstr. ist verschwunden, das Schloss ist sehr beschädigt. ln Scheitnig steht die Jahrhunderthalle noch unverändert, aber an der Stelle der schönen Terrassenrestaurants mit den gepflegten Blumenanlagen hat man eine Rummelwiese gemacht und damit alles verschandelt. Der Süden ist wie man schon gehört und gelesen hat, nicht mehr da. Hinter der Eisenbahnunterführung ist alles Feld, mit hohem Unkraut bewachsen, mit Trümmerresten gemischt, die früheren Strassen sind Feldwege geworden, das Strassenpflaster ist nicht mehr zu sehen, von Sand überdeckt. Man kann nur raten und abzählen, welche Strasse hier gewesen sein kann. Ich habe z. B. die Viktoriastr. gesucht und das Haus, in dem wir gewohnt haben, das war sehr schwer zu finden, es ist ein Trümmerhaufen, wie die ganze Gegend dort. Am Kaiser Wilhelmplatz, der gut gepflegt ist, stehen 3 vereinzelte Häuser. Das Oberbergamt ist noch erhalten, der Friebeberg dagegen verschwunden. Weiter nach Süden konnte ich wegen schlechten Wetters und Regen nicht kommen. Am Sonnabend war ich in der Storch-Synagoge zur Andacht, das war für mich aufregender als alles andere, ein trauriges Bild, die schöne grosse Synagoge ist fast leer, die Hälfte im Männerraum ist mit Bänken gestellt, die hintere Hälfte ist leer. Das Pult in der Mitte zur Thora Verlesung ist wieder vorhanden, der Altar war in Ordnung, ein weisser gestickter Vorhang war da, aber der Tempel war leer, 12 Männer einschliesslich des Cantors waren zur Andacht dort, keine einzige Frau. Wie man mir sagte, arbeiten alle als Angestellte des Staates und sind am Sonnabend nicht frei, man arbeitet dort 6 Tage. Der G'ttesdienst war natürlich (Schluss auf Seite 4) Allen ehern. Breslauern war unsere Firma: i TUCHHAUS FASS Schmiedebrücke u. Graupenstr. bestens bekannt. Auch hier im Lande haben wir dasselbe Prinzip: Güte Ware und billige Preise. Der beste Massanzug in orig. - engl. Stoff mit drei Anproben nur IL. 120.—. Kammgarn- Hosen, Teralene, grösste Auswahl. R Ö MER T.-A., MOHILEWERSTR. 49 Ecke Nachlai Benjamin/Rambamiir.

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