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Yediʿot shel Irgun ʿOle Breslau be-Yiśraʾel · 2004-01-01 · No. 77 (2004) · p. Seite 20

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Journal
Yediʿot shel Irgun ʿOle Breslau be-Yiśraʾel
Volume
2004
Issue
No. 77 (2004)
Date
2004-01-01
Page
Seite 20 (sequence 20)
Language
German
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20 Orte des Schreckens Auf Kefalonia, einer der vielen felsigen griechischen Inseln, gibt es ein großes, repräsentatives Ehrenmal. Es erinnert an viele hundert italienische Soldaten, die dort im September 1943 von Angehörigen der Wehrmacht erschossen worden sind. Das Mahnmal hat die römische Reigerung 1978 errichten lassen - 25 Jahre nach dem Massaker. Genau genommen müsste es auf der Insel mindestens 23 Stätten der Erinnerung geben und eines vor der Küste, weil an diesen Orten italienische Soldaten von ihren ehemaligen deutschen Kameraden umgebracht worden sind - mindestens 5.000. Hinzu kommen 3.000 Gefangene, die auf drei deutschen Schiffen weggebracht werden sollten. Die Schiffe sind aber kurz nach Beginn der Fahrt angeblich auf Seeminen gelaufen und gesunken. Die deutschen Wachmannschaften konnten sich retten - heißt es offiziell. Es drängt sich allerdings die Vermutung auf, dass die Schiffe absichtlicht versenkt worden sind. Die Namen der Orte des Schreckens hier aufzuzählen, würde niemandem helfen. Sie herausgefunden zu haben, ist das Verdienst einer kleinen Gruppe von Frauen des Vereins "Mediterraneo", der es sich zur Aufgabe gemacht hat, die Erinnerung an die Toten wachzuhalten. Das ist um so bemerkenswerter, als die Opfer, also die umgebrachten Soldaten, ehedem als Feinde nach Kefalonia gekommen und die Mörder ebenfalls Besatzer waren. Nach der Landung der Westalliierten im Süden Italiens im Spätsommer 1943 war der italienische Diktator Benito Mussolini von Landsleuten gestürzt worden. Das italienische Kapitulationsangebot nahmen die Alliierten an, und damit schien auch für die italienischen Besatzer auf der Insel das Kriegsende in greifbare Nähe gerückt zu sein. Doch es kam anders. Deutsche Truppen lösten die Italiener ab und als die sich nicht sofort ergaben, setzte das erbarmungslose Gemetzel ein. Ihm fielen um die 9.000 Männer zum Opfer. Um an sie zu erinnern, war kürzlich eine kleine Delegation des Vereins "Gegen Vergessen - Für Demokratie" nach Kefalonia gereist und hat an dem Ehrenmal Blumen niedergelegt. Der Verein - sein Name sagt es - arbeitet u.a. entschlossen gegen die Befürworter des Schlussstrichs unter die NS-Zeit und unterstützt Personen und Gruppen, die ähnliche Ziele verfolgen. Hätte die Delegation freilich auch nur geahnt, was Doris Wille vom Verein "Mediterraneo" nach der Gedenkminute am Ehrenmal zeigen würde, wäre zumindest ein zweites Blumengebinde mitgenommen worden. Aber wer in der Bundesrepublik kennt schon das verschlafene Dorf Troianata, in dessen Nähe im September 1943 um die 600 junge Italiener im Sinne des Wortes heimtückisch umgebracht worden sind. Doris Wille hat den Massenmord und seine Zusammenhänge genau untersucht und kennt fast alle Details. Die Soldaten waren einen Tag vor ihrem gewaltsamen Tod von deutschen Soldaten aus dem Tal hinaus auf ein Plateau geführt worden. Während des Marsches sangen sie Lieder und freuten sich, bald nach Hause zurückkehren zu können. Sie übernachteten in einem Schulgebäude. Am nächsten Morgen wurden sie einige hundert Meter hinab auf einen anderen Platz geführt. Sie mussten ihre Tornister ablegen und sich einem Deutschen zuwenden, der auf einem kleinen Hügel stand und zu ihnen sprechen wollte. Kaum hatte er begonnen, da fegten Maschinengewehrsalven in die Gefangenen hinein. Sie kamen aus zwei leichten MGs, die heimlich und schnell hinter ihrem Rücken in Stellung gegangen waren. Um die Leichen haben sich die Mörder nicht gekümmrt. Dorfbewohner haben sie in leere Brunnen geworfen, weil der Verwesungsgeruch die ganze Gegend belastete. An das Massaker erinnert nichts - kein Gedenkstein, keine Mahntafel, kein Kreuz. Von den Mördern ist bis jetzt noch keiner zur Verantwortung gezogen worden. Zuständig ist die Staatsanwaltschaft Dortmund. Dass dort Jahrzehnte lang nichts unternommen worden ist, kann niemanden wundern, der den nicht gerade rührigen ehemaligen Behördenchef Oberstaatsanwalt Klaus Schacht kennt. Aber von seinem Nachfolger Ulrich Maas heißt es, er wolle jetzt energisch gegen mutmaßliche Täter ermitteln. Auf Kefalonia merkt man bisher freilich nichts von neuen juristischen Aktivitäten. Informationen und Hinweise auf alles, was mit den Verbrechen auf Kefalonia zusammenhängt, sammelt der Verein "Mediterraneo", der aus eigenen Kräften in der Inselhauptstadt Argostoli ein kleines Museum aufgebaut hat. Doris Wille ist für jede Information und Hilfe dankbar und über Tel. und Fax so zu erreichen: 0030-267 102 4882. Heiner Lichtenstein "Die Mahnung", 1.12.2003 •X,X,X,X*X'XvXvX-X-X'X-X*X’;<

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