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Yediʿot shel Irgun ʿOle Breslau be-Yiśraʾel · 2004-01-01 · No. 77 (2004) · p. Seite 2

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Journal
Yediʿot shel Irgun ʿOle Breslau be-Yiśraʾel
Volume
2004
Issue
No. 77 (2004)
Date
2004-01-01
Page
Seite 2 (sequence 2)
Language
German
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Jiddisch-putkamerisch verpackt Oscar Wassermanns Grüße zum Neuen Jahr von Avraham Barkai Im Jahre 1900 zog der 31jährige Oscar Wassermann von seiner Geburtsstadt Bamberg nach Berlin. Er war der erstgeborene Sohn des Bankiers Emil Wassermann und seiner aus Frankfurt a.M. stammenden Frau Emma, geb. Oppenheimer. Der Großvater Oscars, Samuel Wassermann, konnte zwar erst 1 850 in Bamberg seßhaft werden, entstammte aber einer alteingesessenen und wohlhabenden Familie, deren Stammbaum sich bis zum 17. Jahrhundert zur jüdischen Gemeinde Regensburg verfolgen lässt. Vielleicht gehörte sie nicht gerade zu den reichsten "Hofjuden", sicherlich aber zur sozialen und wirtschaftlichen jüdischen Oberschicht. Die von ihr 1850 gegründete BankA.E. Wassermann entwickelte sich rasch zu einer der angesehensten jüdischen Privatbanken in Deutschland. Grund für den Umzug Oscar Wassermanns war die Eröffnung der Berliner Filiale, deren Geschäftsumfang nach wenigen Jahren den des Bamberger Stammhauses überflügelte. Zusammen mit seinem Vetter Max von Wassermann leitete er die Filiale Berlin. Seine Erfolge, bsonders an der Börse, bewogen den Vorstand der Deutschen Bank, ihn 1912 in die Chefetage zu berufen. Von 1923 an und bis zu seiner Entlassung 1933 war Oskar Wassermann "Sprecher" der Deutschen Bank an der Spitze ihres Vorstands. Er starb bereits am 08. September 1934. Nach seiner sozialen Stellung gehörte Wassermann zweifellos zur "durchaus profilierten Gruppe des deutsch-jüdischen Großkapitals". Aber er unterschied sich von den meisten Mitgliedern dieser, zum großen Teil aus Erben der früheren "Hofjuden" zusammengesetzten Gruppe, in der viele bereits nur noch der Abstammung nach Juden waren, in seiner selbstbewussten Beziehung zum, und seinem aktiven Engagement für das Judentum. Er war in einem streng orthodoxen Elternhaus aufgewachsen und sein Vater hatte den Kindern fast täglich Unterricht in Hebräisch und den jüdischen Bräuchen gegeben. Oscar selbst führte zwar in den späteren Jahren keinen orthodoxen Lebenswandel, aber sein vier Jahre jüngerer Bruder Julius führte in Bamberg nicht nur die väterliche Bank weiter, sondern auch, wie in dem Neujahrsgruß Oscars zu lesen ist, die strenggläubige Haushaltstradition der Familie fort. Dagegen widmete sich Oscar bis an sein Lebensende seinen jüdischen Studien. Kurt Blumenfeld berichtet in seinen Erinnerungen: "Bei unseren Gesprächen . . . stellte sich heraus, dass Wassermann über eine große jüdische Bildung verfügte. Als ich ihm die übersetzten Aufsätze von Achad Haam brachte, dankte er herzlich für die Aufmerksamkeit, bemerkte aber, dass er alle diese Aufsätze bereits in der Ursprache gelesen habe. Er hatte in seiner Jugend viel Hebräisch gelernt, und noch in seinen letzten Lebensjahren nahm er regelmäßid an einem Talmud-schiur (Studiengruppe) teil. Mehrere Jahre hörte er Vorlesungen an der Hochschule für die Wissenschaft des Judentums, und er war ein guter Kenner der Bibel. In der Deutschen Bank und allgemein war Wassermanns Tätigkeit in einer Reihe jüdischer Organisationen bekannt. Er war der 2. Vorsitzende im Verwaltungsrat des 1919 gegründeten "Vereins zur Gründung und Erhaltung einer Akademie für die Wissenschaft des Judentums", und leitete die Sammelaktionen für die bis 1934 bestehende Akademie aus seinem Büro in der Bank. Von dort aus führte er, mit Hilfe seiner Sekretärin Käthe Pincoffs, auch andere kulturelle und wohltätige Vereine und Gesellschaften, deren Sitzungen oft in Räumen der Bank stattfanden. Die bedeutendste unter ihnen war das 1922 gegründete Palästinawerk "Keren Hajessod e.V." (KH), die "nicht-zionistische" oder "neutrale" deutsche Zweigstelle der in London registrierten KH-Weltorganisation zur Einwerbung von Mitteln für den Aufbau Palästinas. Daneben gab es den zionistischen "Palästina Grundfonds (Keren Hajessod) e.V."; die Gründe dieser Doppelexistenz können hier nicht besprochen werden. Festzuhalten ist, dass der größte Teil der Einkünfte durch den "neutralen" Verein, den Oscar Wassermann bis zu seinem Tode leitete, in persönlichem Kontakt mit wohlhabenden Juden gesammelt wurde, und dass Wassermann die offene Verbindung zur KH Weltorganisation als Bedingung seiner Mitarbeit stellte, wie aus dem folgenden Bericht hervorgeht: "Als in der Diskussion erwähnt wurde, dass Herr Max Warburg seinerzeit die Unabhängigkeit des deutschen Keren Hajessod von London gefordert hatte, erklärte Herr Wassermann mit den entschiedensten Worten, dass eine derartige Bestimmung für ihn unannehmbar sein würde ... Als Deutscher habe er am Aufbau Palästinas kein Interesse, aber als Jude wolle er keine deutsche Sonderaktion, sondern fühle sich mit der gesamten Judenheit solidarisch. Der Aufruf des Keren Hajessod müsste in allen Tageszeitungen veröffentlicht werden, um diese Solidarität in der stärksten Weise zum Ausdruck zu bringen. Wassermann schlug auch den Namen 'Keren Hajesood (jüdisches Palästinawerk) e.V.' vor (statt umgekehrt, wie wir vorschlugen)." Wassermann gehörte keiner der deutschjüdischen politischen Bewegungen an, doch galt er allgemein als Zionist. Als es Chaim Weizmann 1929 nach langen Bemühungen gelang, die Jewish Agency durch Beteiligung vor allem amerikanischer "Nichtzionisten" zu erweitern, wurde Wassermann fast selbstverständlich zum Vorsitzenden der deutschen "Nichtzionisten" darin gewählt. Einige Jahre als Vorsitzender wichtiger Komitees sehr aktiv, wurde er häufig gebeten, den KH und die JA auch im europäischen Ausland und in Amerika

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