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Yediʿot shel Irgun ʿOle Breslau be-Yiśraʾel · 1968-04-01 · No. 23 (April 1968) · p. [Seite]

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Auszug aus einer jüdischen Zeitung vom 14. Januar 1937 SCHULE UND JUGEND “Jüdisch-Theologisches Seminar (Fraenkkel’sche Stiftung)”. Ein Hauch von fast klösterlicher Abgeschiedenheit, Stille und Schlichtheit empfängt den Besucher, und er empfindet diese Beschaulichkeit um so stärker, als das Seminar gar nicht so weit vom grossstädtischen Getriebe entfernt liegt. Über eine breite Holztreppe steigt man hinauf zur Wohnung eines der Dozenten. Vom Arbeitszimmer fällt der Blick in ein paar Gärten, die in der mattglänzenden Wintermittagssonne daliegen. Kein Laut. Tiefer Friede. Das Wort von der “jüdischen Dom-Insel“ findet seine Berechtigung. Ich werfe einen Blick in die Seminarsynagoge, die, obwohl der Ritus streng konservativ ist, nichts von der erwarteten Schmucklosigkeit hat. Sie trägt ein Gepräge, das, bei aller Schlichtheit in der Gestaltung, den Forderungen moderner Raumästhetik durchaus gerecht wird. In sanftes Blau getaucht, die Frauenbänke im Hintergrund durch ein feingesponnenes goldenes Gitter unauffällig abgeteilt, wirkt dieser Betraum feierlich-erhaben. Die Bibliothek des Seminars, ein Schmuckstück für sich, umfasst im ganzen 40.000 Bände, unter ihnen Bibelausgaben, Bibelkommentare und Talmudexemplare von besonderem Wert. Man zeigt mir ein Werk von Samuel b. Meir aus dem 12. Jahrhundert, eines Enkels von Raschi, einen Kommentar, der sich vorübergehend in Moses Mendelssohn Besitz gefunden hat. Sorgfältig verschlossen ist eine Reihe seltener Handschriften und Drucke aufbewahrt, darunter eine Chronik des David Reubeni aus dem 17. Jahrhundert. In dieser Atmosphäre wird seit nunmehr 82 Jahren jüdisch - wissenschaftliche Forschung und Lehre getrieben, “auf dem Boden des positiven und historischen Judentums”. An dieser Stätte, dem ältesten Rabbinerseminar in Deutschland — die Lehranstalt in Berlin wurde erst 1872 und das Berliner Rabbinerseminar im darauffolgenden Jahre gegründet — werden seit 82 Jahren Rabbiner und jüdische Lehrer ausgebildet. Von den Wänden des kleinen Dozentenarbeitszimmers grüssen die Bilder früherer Seminarlehrer, Porträts u.a. von Zacharias Frankel, des ersten Direktors der Anstalt, von Heinrich Graetz, Jacob Bernays, Israel Levy und Marcus Brann. Als das Seminar 1904 sein 50jähriges Bestehn feierte, gab Braun eine Festschrift mit einem Verzeichnis aller Hörer heraus. Wieviele bekannte Namen finden sich da, Namen von Persönlichkeiten, die im Judentum Deutschlands und anderer Länder der Welt wirken oder gewirkt haben! Unter den ersten Namen Leo Baeck, der Präsident unserer Reichsvertretung, dann die Philosophienprofessoren Hermann Cohen und Julius Guttmann, die Historiker Ismar Elbogen und Adolph Kohut, Rabbinernamen, die uns geläufig sind, wie Max Dienemann, Joseph Eschelbacher, David Simonsen, Moses Gaster, heute Oberrabbiner der Londoner Sepharden, Bruno Italiener, Benno Jacob, Sigmund Maybaum, Max Wiener sowie Vater und Sohn (Heinemann und Hermann) Vogelstein. Rabbiner Dr. Freier jetzt Berlin und nicht zuletzt der von jung und alt verehrte und geliebte Rabbiner Dr. Simonsohn s.A. Es ist unmöglich alle Hörer aufzuzählen, bedeutende Männer, die segensreich in ihren Gemeinden wirkten und noch im Amte sind. Die Begründung dieses Seminars war, wie Elbogen einmal gesagt hat, “von epochenmachender Bedeutung für die Organisation der Wissenschaft des Judentums”. Heute zählt das Seminar etwa fünfzig Hörer, die zum überwiegenden Teil in Deutschland beheimatet sind und das Abiturium abgelegt haben. Der derzeitige Vorsitzende des Dozentenkollegiums ist Prof. Dr. I. Heinemann, der die einst von Zacharias Frankel ins Leben gerufene Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums herausgibt. Er bildet zusammen mit Dr. Albert Lewkowitz und den Rabbinern Dr. Ernst Hoffmann, Dr. S. Ochs (Gleiwitz), Dr. Ephraim Urbach und Dr. N. Wahrmann (Oels) das Dozentenkollegium. Das Seminar ist in den letzten Jahren dadurch mehr Faktor und Bestandteil jüdischen Lebens geworden, dass seine Dozenten die ständigen Lehrkräfte des Jüdischen Lehrhauses, der Freien Jüdischen Volkshochschule, sind. Von besonderer Bedeutung für die Fortbildung in der hebräischen Sprache und Literatur ist die hebräische Sprachschule (Leiter: Recnicov), die, seit Jahren im Seminar untergebracht, von 300 bis 400 Erwachsenen und Schülern besucht wird. Neuerdings sind in Verbindung mit den Seminardozenten und der hebräischen Sprachschule Vorbereitungskurse zur Aufnahme in die palästinensischen Lehrerseminare eingerichtet worden. Das jüdische Schulwesen im engeren Sinne ist nicht mehr jungen Datums. Schon 1921 wurde auf orthodoxer Grundlage die Jüdische Volksschule am Rehdigerplatz (Rektor Feilchenfeld) ins Leben gerufen und neben ihr später ein Reformrealgymnasium errichtet, das unter der Leitung von Direktor Dr. Harry Abt steht. Da die Zeitumstände einen Ausbau des Schulwerks notwendig machten, wurde vor einigen Jahren am Anger, dicht bei der Neuen Synagoge, eine zweite vom Neuen Jüdischen Schulverein geforderte Volksschule religiös-liberaler Prägung eingerichtet. Diese Schule kennt die Einrichtung der freiwilligen zusätzlichen Sprachkurse, ist dem bestehenden Schulwerk eingegiiedert und hat in Studienrat i. R. Rudolf Schäffer ihren Leiter. Die jüdischen Schulen werden von insgesamt etwa 1300 Schülern und Schülerinnen besucht und nahezu 60 jüdischen Lehrkräften betreut. Dass auch das jüdische Sportleben den veränderten Zeitverhältnissen Rechnung getragen und einen beachtlichen Auftrieb erhalten hat, zeigen allein schon die Zahl und die manigfachen Aufgaben der Sportvereine. Die verhältnismässig junge Sportgruppe des “Schild” ist eine der stärksten im Reich. Der zahlenmässig schwächere Bar Kochba besteht bereits seit 26 Jahren, hat also schon Tradition. Besondere Vereine pflegen Schwimmen, Rudern und Tennis. Die im vorigen Jahr eingeweihte Max Nordau-Tumhalle zeichnet sich durch eine höchst moderne Einrichtung aus. Übrigens sind in Breslau Jugendbünde undgruppen aller Richtungen vertreten. GEISTIGES LEBEN Der Breslauer Jude war an der Pflege und Förderung besonders der Musik, aber auch des Theaters, stets interessiert. Hausmusik ist hier von jeher eifrig getrieben worden. Die Synagogenmusik hatte in den Oberkantoren Moritz Deutsch (Vater des Grossindustriellen Felix Deutsch) und Selmar Cerini hervorragende Vertreter. Cerini und Josef Borin, der bis vor einigen Jahren amtierte, waren sogar eine Zeitlang Bühnensänger. Wenn man vom Theater spricht, so darf man den Namen Theodor Loewe nicht unerwähnt lassen. Das geistige Leben der Breslauer Juden, das jetzt lediglich im geschlossenen jüdischen Bereich seinen Ausdruck finden kann, erschöpft sich in der Mitarbeit und im Interesse an den Lehrstätten, am Jüdischen Kulturbund, dem Musikverein und dem Museum. Man muss als Nichteingeweihter nach dem Kulturbund ein wenig suchen. Nachdem man sich aber an ein paar Schildern orientiert hat, ist man um so überraschter, dass man alles das, was ein Kulturbund notwendig braucht, dicht beieinander untergebracht findet: einen geräumigen Saal mit einer kleinen, technisch geschickt ausgebauten Bühne, primitive Garderoben und ein paar Verwaltungsräume. Gerade ist der Modellbauer mit einer Figur für die “Schöne Galathee” beschäftigt. Im Mitgliederbüro herrscht Bewegung — kein Wunder bei einer Mitgliedschaft von mehr als 4000, die bei einer Gesamtbevölkerung von 18.000 etwas bedeuten will. Oberlandesgerichtsrat a.D. Dr. Günther Fränkel veranschaulicht die stete Entwicklung des von ihm geleiteten Kulturbundes. Es ist für Breslau wichtig und erfreulich zugleich, dass dem Kulturbund der an sich selbständig gebieldete Jüdische Musikverein als Musikabteilung eingegliedert ist; denn dieser Verein, der in Leopold Landau einen von der Sache beseelten ehrenamtlichen Geschäftsführer hat, verfügt Uber ein vollständiges Dilettantenorchester (Dirigent Kurt Havelland) und einen starken gemischten Chor unter Werner Sander. So ist auf Jeden Fall der musikalische Teil der Kulturbundarbeit “sichergestellt”. Eine “Programmwand” im Kulturbundbüro gibt indes deutlich zu erkennen, dass die Theaterabteilung auch mit Gastensembles oder eigens zusammengestellten Truppen solide künstlerische Arbeit zu leisten vermag. Zur Pflege und Förderung der bildenden Künste besteht zwischen dem Kulturbund und dem Jüdischen Museum eine enge Zusammenarbeit. Das Museum birgt eine Fülle geschichtlich und kulturgeschichtlich wertvoller Gegenstände, Bilder und Dokumente, darunter eine Nachbildung jenes Grabsteins vom Jahre 1203. Hier finden — ohne starre Abgrenzung — Geschichte und Leben der Juden in Breslau wie überhaupt im ostdeutschen Raum eine besondere Pflegestätte. Die vorübergehende Ausstellung von Porträts aus Breslauer und schlesischen Besitz, die in diesem Museum veranstaltet ist, wirkt auf den ersten Blick wie eine ausgezeichnete Spezialergänzung zur Ahnenausstellung in Berlin. Eine geistige Verpflichtung tragen die vier Bne Bris-Logen, wenn sie nach Lessing und drei gelehrten jüdischen Männern wie Heinrich Graetz, Manuel Joel und Zacharias Fränkel benannt sind. Sie pflegen auch in ihrem grossen Kreis die geistige Arbeit und vor allem das Jüdisch-Geistige. Von Breslau hat auch die K.C.-Bewegung ihren Ausgang genommen; ihre erste Verbindung, die “Viadrina”, ist vor mehr als 50 Jahren in dieser Stadt gegründet worden. (Forts. S. 14) mutz DEIN FEST — OB ZU HAUSE ODER IM SAAL — BEI rr TCHELET" GELINGT’S DIR JEDESMAL TEL-AVIV. Tel. 22 05 45 59, Sheinklnstr.

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