Mannheim
Compact Memory

Yediʿot shel Irgun ʿOle Breslau be-Yiśraʾel · 1981-01-01 · No. 48-49 (1981), Nachtrag · p. Seite 71

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Yediʿot shel Irgun ʿOle Breslau be-Yiśraʾel
Volume
1981
Issue
No. 48-49 (1981), Nachtrag
Date
1981-01-01
Page
Seite 71 (sequence 2618)
Language
German
Belongs to
journal issue
OCR quality
97% known words query
IRI
…/7411685-7412805-7412846--0996-7412877
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

Mentioned entities

OCR text

3 entity mentions

JACOB PINCOVER. *.*. NEW YORK Kurz vor Redaktionsschluss erreicht uns die traurige Nachricht, dass unser langjähriges Mitglied Jacob Pinczower (so war sein Name in New York) im Alter von 75 Jahren verstorben ist; Jacob P. war ein Enkel des Lehrers Elieser Pinczower, Breslau, der unseren älteren Mitgliedern bestens bekannt ist. Auch der -Schreiber dieser Zeilen gehörte zu seinen Schülern. Sein Vater war der in Berlin bestens bekannte Louis Jehuda P., der zusammen mit seiner Frau Jehudit, Tochter von Rabbiner Dr. Israel Meir Freimann, Ostrowo, im Jahre 1942 deportiert wurde. In seinem Elternhaus erhielt Jacob P. eine traditionelle Erziehung. Er besuchte das Sophiengymnasium und gleichzeitig die Religionsschule von Dr. Meir Hildesheimer s.A. Dem Schreiber dieser Zeilen war der Verstorbene durch seine Teilnahme an den Shiurim bei seinem Onkel, Rabbiner Dr Jacob Freimann, bestens bekannt. Diese Shiurim waren für alle Teilnehmer ein Erlebnis, wie er es verstand, das Interesse von uns ständig wachzuhalten und dadurch zu ihrer religiösen und menschlichen Erziehung einen wesentlichen Beitrag zu leisten. Jacob P. wanaerte Anfang 1938 nach England aus, wo er einen Teil des Blitzkrieges mitmachte und ging im Jahre 1942 nach New York, wo es ihm gelang mit Hilfe seiner Frau Kaethe, geb. Leopold ein umfangreiches Geschäft aufzubauen, das ihn zu einem wohlhabenden Manne machte. Wie sein Vater s.A., war er ein grosser Baal Zedakah. Für ihn war das Wort „Ma’asser“ nicht ein historischer Begriff, sondern eine Mitzwah, deren Ausführung er seih zum ständigen Ziel gesetzt hatte. Es ist unmöglich, im Rahmen dieses Artikels alle Institutionen aufzuzählen, die von ihm laufend unterstützt wurden und denen er erhebliche Summen gespendet hat. An erster Stelle wäre hier das „Scha’are Zedek“-Krankenhaus zu nennen, zu dessen Neuaufbau er ein Zimmer spendete und ausserdem laufende Beiträge leistete. Ferner wäre zu erwähnen die Jeshivah “Kol Thora", die von ihm ein grösseres Kapital erhielt, von deren Zinsen Stipendien an 2 ledige Jeshiva-Bochrlm profitierten. Es wäre ferner noch die „Jeshiva Dawar“ zu nennen, die unter Leitung von Rabbiner Horovitz steht, der ein second cousin des Verstorbenen war. Neben laufenden Beiträgen richtete er eine Bibliothek auf den Namen seines Urgrossvaters Rabbi Jacob Ettlinger, Oberrabbiner von Altona s.A. ein. Er war besonders daran Interessiert, dass man eine Biographie dieses Grossen in Israel, den man mit Recht als den letzten Gaon von Jahadut Germania bezeichnet, schreibt, und er war bereit, einen grossen Teil der Druckkosten zu decken. Aber der Verstorbene begnügte sich nicht mit Geldspenden allein und setzte sich persönlich ein für Leute, die in Not geraten waren. So ist mir ein Fall bekannt, wo er einem Manne buchstäblich das Leben gerettet hat. Es handelte sich um einen Oleh aus Rumänien, der infolge seines Altere aus der Ma’abara nicht herauskam und in keinem Altersheim aufgenommen wurde. Seinem Einfluss und seiner Intervention in Israel ist es zu verdanken, dass dieser Mann untergebracht wurde. In Amerika ist es üblich, wohlhabende Leute zu einem Dinner einzuladen, das pro Person 1.000.— Dollar und auch mehr kostet. Ausserdem befindet sich neben dem Gedeck ein Zeichnungsschein, in dem sich der Eingeladene zu weiteren Spenden verpflichtet. Er hatte die seltene Gabe, nicht nur selbst zu spenden, sondern auch andere Leute aus seinen Bekannten-Kreisen zu Spenden zu veranlassen, wobei er sehr erfolgreich war. Trotz seines Herzleidens arbeitete er jeden Tag in seinem Bureau 8 Stunden mit einer kleinen Mittagspause und war trotz seines Alters und Drängens seiner Frau nicht dazu zu bewgeen, sich vom Geschäft zurückzuziehen, weil er glaubte, dass er dann nicht mehr in der Lage sein würde, die ihm nahe stehenden Institutionen weiter wie bisher zu unterstützen. Es war sein Wunsch, in Eretz Israel begraben zu sein. Er hatte einen leichten Tod. Er schlief abends ein, stand am Morgen nicht mehr auf. Man nennt das „Meth Neshika“, eine Form des Sterbens, die nur wirklichen Zadikim zugedacht ist. Er starb an einem Donnerstag. Noch am selben Tage fand die Aufbahrung, Tahara und Beerdigung in New York unter grosser Beteiligung statt. Der Sarg ging dann zum Airport in New York und durch El Al nach Lod. Das Flugzeug kam pünktlich an einem Freitag, um 10.25 Uhr an. Der Sarg wurde von der Chevra Kadischa in Jerusalem unter Beteiligung von Rabbiner Kunstadt und Rabbiner'Horovitz, sowie den 2 Talmidim, die die Stipendien bekamen, in Empfang genommen. Eine alte Überlieferung sagt: „Talmidim kemo Banim“ Stipendienempfänger einer Jeshiva sind wie Söhne anzusehen. Der ölberg an einer Stätte, wo man eine wunderbare Ansicht auf die „Ir hakaudesch" hat, ist seine letzte Ruhestätte geworden. Unsere aufrichtige Teilnahme gilt seiner Frau und seinem Sohne, sowie seinem Bruder Felix P. und seinen Schwestern Frau Rosa Leissner im Beth Gila sowie Leni Fischmann, New York. Möge seine Seele eingebunden sein in den Bund des ewigen Lebens. EL. Nach Redaktionsschluss erreicht uns die Nachricht vom plötzlichen Ableben von dem von uns allen verehrten JULIUS SACHS Besagter war Mitbegründer unseres Vereins und bis zuletzt Vorstandsmitglied. Eine Würdigung seiner Persönlichkeit bringen wir in der nächsten Ausgabe unserer Mitteilungen. RABBINER DR. PETER JOSEF FREUND Zum Gedenken an seinem 1. Jahrzeitstag Am Sonntag, d. 2. Mai 1982 ist Dr. Peter Josef Freund von uns gegangen. Wir trauern um ihn. Es war inmitten des Schmerzes um die Ereignisse im Libanon. Aber unser Leid um das imerwartete Hinscheiden unseres Freundes war und ist gross. So wie die Strahlen der untergehenden Sonne noch immer weiter den Firmament beleuchten, so wirkt sein Dasein über den Tod hinaus. Am 11. April 1906 ist er in Berlin als Sohn des Rabbiners und Rechtsanwals Dr. Ismar Freund und seiner Frau Elise geborne. Er studierte an der Hochschule für die Wissenschaft des Judentums in Berlin und an der Universität Freiburg/iB. Dr. Freund begann als Religionslehrer in Berlin- Grunewald bei Rabb. Dr. Emil B. Cohn und im Predigtdienst der Berliner Gemeinde. Er war zunächst Rabbiner der Gemeinde Trautenau (CSR) und dann in Erfurt. Im November 1938 war er im Konzentrationslager Buchenwald. Obwohl er ein Visum nach USA hatte, ging er nach Erez Israel. Hier eröffnete er eine Druckerei für Exilliteratur in deutscher Sprache. Nach dem Befreiungskrieg war Dr. Freund in der Militärverwaltung und später im Ministerium „Mis’char w’Taasija“ tätig. In einem Buch, das Peter Freund mir schenkte, heisst es: „Es gibt 2 Möglichkeiten der Lebensgestaltung: Es gibt Menschen, die Werte gestalten und es gibt Menschen, die Werte erleben“. Dr. Freund lebte mit der zweiten Möglichkeit. Er erlebte Werte. Er konnte sein Judentum erleben, ein D’war Tora konnte ihn inspirieren. Er erlebte und liebte Musik •— er selbst spielte Geige und Klavier. Literatur konnte ihm zum Erlebnis werden. An den Erlebnissen Hess er auch andere teilnehmen. Im Musikkreis scharte er viele um sich. Dabei ging es ihm nicht nur um das Reich der Melodie. Es ging ihm auch darum, einsamen Menschen Ansprache zu geben. Sie sahen in ihm einen Freund. Sie alle trauern noch heute um ihn. Getreu der Tradition seines Elternhauses war er religiös und politisch ein Mann der Mitte. Sein Vater hatte in Berlin die Mittelpartei gegründet. Er war allem Extrem fern und nahe dem positivhistorischen Judentums. Sein Vater war Student des Breslauer Rabbinerseminars gewesen. Peter Freund blieb dieser Schule treu. Für ihn war überhaupt charakteristisch, dass er sich bemühte, das Andenken an seinen Vater hochzuhalten. Er suchte seinen historischen Ort in der Geschichte des Judentums in Deutschland zu sichern. Er erwartete mit Sehnsucht das Erscheinen des Buches: Staat und Synagoge, 1918— 1938 von Max P. Birnbaum, das auch Ismar Freund gewidmet ist. In diesem ausgezeichnet dokumentierten Werk wird auch die Rolle beschrieben, die Ismar Freund in dem Bemühen um die Vollendung der Emanzipation der Juden in Deuschland der Weimarer Republik gespielt hat. Es ging um die Gleichstellung der Jüdischen Gemeinden als Körperschaften des öffentlichen Rechts gleich den Kirchen. Die Sonne des Lebens dieses ausgezeichneten Mannes ist untergegangen. Die Strahlen dieses Menschen leuchten weiter am Firmament. E. I. Loewenstein, Jerusalem 7t

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.